Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Strandbadfest I: Vergleichsweise
Geschichten wie diese kennt mehr oder weniger jeder – zumindest aus Erzählungen: Die Kinder mümmeln mit großem Genuss Schokoladeneis auf dem hellen Stoffsofa. Aber hoppla: Was ist denn das für ein hässlicher Fleck auf dem Bezug? Glücklicherweise sind die Eltern gerade im Garten. Auf die ins Haus gerufene Rückfrage „Alles okay bei euch?“ kommt die Antwort „Ja, ja!“ Um nicht aufzufliegen, holt der schlaue Nachwuchs schnell einen Waschlappen aus dem Bad und versucht, den Schokoschaden klammheimlich zu beheben – was das Ausmaß der Sauerei für gewöhnlich eher vergrößert als verkleinert. Die wahrscheinliche Folge: Die lieben Kleinen bekommen ordentlich Ärger. Wenn der Fleck nicht mehr rausgeht, kommt halt ein Kissen drauf.
Dieses harmlose Anekdötchen erinnert vom Ablauf her schon ein bisschen an den Ärger ums Strandbadfest. Auch in diesem Zusammenhang waren wohl viele der kommunalpolitischen Akteure der Meinung, alles nehme seinen gewohnten Gang und am 14. Juli sieht man sich nach überstandener OB-Wahl beim Fassbieranstich wieder. Tatsächlich hatten die Fraktionen dann gemeinsam am Mittwoch eine Art frisch lackierten Totalschaden zu bewundern. Und ein bisschen wirkte es so, als ob es manchen der Akteure so ging wie den Zeugen eines Verkehrsunfalls: Man will nicht hinschauen, aber man muss.
Strandbadfest II: Versuchsweise
Man könnte die drohende Absage oder mögliche Verschiebung des Strandbadfestes auch als weitere Anekdote abtun, die illustriert, wie zerrüttet das Verhältnis zwischen den CDU-Parteifreunden Martin Hebich und Bernd Knöppel ist. Wenige Tage vor der OB-Wahl, bei der bekanntermaßen der amtierende Oberbürgermeister und sein erster Stellvertreter auf dem Stimmzettel stehen, hängt mehr dran: Da geht es grundlegend ums Amtsverständnis und um die Frage, ob der Zweck alle Mittel heiligt. Das sieht Knöppel offenbar so – zumindest erweckt die von ihm Ende Mai gezeichnete Aktennotiz diesen Eindruck.
Möglicherweise ist dieser Versuch ein Akt der Verzweiflung: Die spezielle Frankenthaler Konstellation, dass Veranstaltungen der Verwaltung Strohhutfest und Strandbadfest im Wesentlichen Sache der Verwaltung sind, hat ihre Tücken. Denn die Stadt kann nicht, wie sie will, muss ab einer gewissen Größenordnung Leistungen ausschreiben, Vergleichsangebote einholen. Es ist also kein Zufall, dass die meisten Kommunen für Festivitäten dieser Dimension Privatgesellschaften gegründet haben.
Aber kurz zurück zur Verteidigungslinie des Bürgermeisters: Dass er die Existenz des brisanten Vermerks zwar bestätigt, aber darauf verweist, er sei ja noch nicht angewandt worden, darauf muss man erst einmal kommen. Mit dem gleichen Argument wäre ein Ganove, den die Polizei mit Einbruchswerkzeug erwischt, ganz locker aus dem Schneider, indem er behauptet: „Ich habe das Stemmeisen zwar im Rucksack, aber benutzt habe ich es bisher noch nicht.“ Ob er damit wohl durchkäme? Jörg Schmihing