Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
In eigener Sache: Rausgeschmissen
Wenn eine Veranstaltung in Frankenthal Protest im öffentlichen Raum provoziert, dann sind beide ein Thema für die Lokalredaktion der RHEINPFALZ: die Veranstaltung und der Protest. Um beurteilen zu können, wogegen sich der Widerstand der um die 20 Menschen richtet, die am Donnerstagabend auf der Johann-Klein-Straße demonstriert haben, war die Berichterstattung darüber geplant, was sich ab 19 Uhr im Alten Brauhaus abspielen sollte.
Dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, weder im digitalen noch im gedruckten Angebot einen ausführlichen Text finden, der sich mit dem auf Einladung des AfD-Kreisverbands gehaltenen Vortrag der früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Erika Steinbach beschäftigt, hat einen schlichten Grund: Der Vertreter dieser Zeitung wurde vom Vorsitzenden der Frankenthaler AfD vor Beginn des Referats mit dem Titel „Politische Stiftungen – Anspruch und Wirklichkeit“ aus dem Saal komplimentiert – mit Verweis auf sein Hausrecht, einen diesbezüglichen Vorstandsbeschluss und auf die aus seiner Sicht offenbar erwartete negative Berichterstattung.
Der Vorsitzende der AfD-Stadtratsfraktion wiederum hatte sich zu Wochenbeginn kurzfristig mit der Bitte um Ankündigung der, wie in seiner Pressemitteilung eigens betont, öffentlichen Veranstaltung an die Redaktion gewandt. Eine entsprechende Meldung ist in der Mittwochausgabe erschienen. Das lässt den Schluss zu: Öffentlichkeit schätzt die Partei, deren Jugendorganisation inzwischen vom Verfassungsschutz beobachtet wird, offenbar nur, wenn sie sich einen Nutzen davon erhofft. Kritische Öffentlichkeit setzt sie lieber vor die Tür.
Was mit Blick auf den Inhalt von Steinbachs Vortrag nicht tragisch ist. Die Vorsitzende der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung hat ihn, wie filmisch bei Youtube dokumentiert – so oder so ähnlich schon andernorts gehalten. Eine zentrale Passage handelt vom deutschen Rechtsstaat. Dieser sei „defizitär und antidemokratisch“, Zweifel an der Existenz der Gewaltenteilung seien angebracht. Das wollte man so oder so ähnlich offenbar nicht gerne in der Zeitung lesen. Jörg Schmihing
In Erinnerung an: Ausgestorben
Rechtzeitig zum frühsommerlichen Wochenende flatterte am Freitag die Aufforderung „Zähl’ mal, wer da summt!“ ins E-Postfach der Redaktion. Bis zum 11. Juni und noch mal vom 4. bis 13. August sollen wir alle im Garten oder Wald, auf Balkon oder Wiese, am Bach oder See eine Stunde lang Insekten zählen und bestimmen und das Ergebnis auf www.insektensommer.de dem Naturschutzbund (Nabu) melden.
Und plötzlich ist sie wieder da, die Erinnerung an eine Kindheit in den 60er- und 70er-Jahren, als jeder zweite Sonntag bei einem Picknick auf irgendeiner Blumenwiese verbracht wurde. Was haben wir Kinder uns gelangweilt auf dieser großen, kratzigen Wolldecke, hätten lieber im Fernsehen „Flipper“ geguckt statt Fliegen zu verscheuchen, Grashüpfer zu ärgern und eine Pferdebremsen-Phobie zu entwickeln. Daheim dann bekam einer von uns den Putzeimer überreicht, um die Windschutzscheibe des VW Käfers von den zermatschen Insekten zu reinigen. Diese Form von Sauerei gibt’s heute gar nicht mehr, weil Brummer und Summer längst in viel größerem Stil an etwas anderem (aus)gestorben sind.
Und plötzlich ist sie wieder da, die Angst davor, dass das mit dem Artenrückgang so weitergehen und ganz schlimm enden könnte. Vielleicht ist es deshalb ganz gut, dem Nabu-Appell zu folgen und sich mal wieder Zeit für diese eigentlich doch so liebenswerten und interessanten Krabbler und Flieger zu nehmen. Waltraud Werdelis