Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Rathaus: Auf der Kippe
Gut zwei Jahre hatte der Sitzungssaal I des Rathauses Schonfrist, weil die städtischen Gremien in Pandemiezeiten entweder virtuell oder außerhalb tagten. Nun soll der Raum, den vor allem ein überdimensionaler Tisch prägt, aufgemöbelt werden. 12.000 Euro erscheinen im Haushaltsplan 2023 als Ausgabenposition für neue Stühle. Ein vergleichsweise geringer Betrag, über den der am Dienstag noch amtierende FWG-Fraktionschef Jesko Piana im Haupt- und Finanzausschuss dennoch stolperte. Angesichts der allgemeinen wirtschaftlichen Situation und der Rezession wollte er diese Anschaffung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wissen. Ein Einsparvorschlag, für den Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) so gar kein Verständnis hatte, handele es sich doch – wie er ausführte – um den einzigen repräsentativen Saal der Verwaltung. Allerdings nicht, solange der Charme der 1970er-Jahre das Bild beherrscht. „Wenn ich an die Decke schaue, bekomme ich Beklemmungen. Es ist einfach nur furchtbar.“ Drastischer als der OB kann man es kaum ausdrücken. Und auch an den Sitzgelegenheiten ließ er kein gutes Haar. Sie seien durchgewetzt und teilweise schon zusammengebrochen, skizzierte er den maroden Zustand. Dann schüttelte er ein Argument aus dem Ärmel, das auch den letzten Sparapostel im Ausschuss überzeugte: „Sie wollen doch nicht, dass der OB vom Stuhl kippt.“ Nein, das kann nun wirklich niemand wollen. Alois Ecker
Ratssitzungen: Ziemlich daneben
Die letzten Gemeinderatssitzungen im Jahr finden in der Regel vor dem Fest des Friedens und der Nächstenliebe – gemeint ist Weihnachten – statt. Das ist für Lokaljournalisten zwar super-stressig, aber auch mega-muggelig, weil in guter Stimmung meistens noch ein paar gute Nachrichten verkündet werden. In Dirmstein allerdings kann es ultra-unangenehm werden. Nämlich dann, wenn ganz bestimmte Gremienmitglieder, so wie am Mittwoch dieser Woche wieder, den üblichen Rabbatz machen. Dazu gehört: die eigenen Argumente herausplärren statt ruhig vortragen, den Vertretern der Verwaltung permanent ins Wort fallen und die Debatte mit Fäkalsprache würzen. Das ist ungezogen und des Mandats nicht würdig, was an dieser Stelle endlich einmal naserümpfend gesagt gehört.
So. Und nun zur guten Jahresendnachricht, die es trotzdem auch in Dirmstein noch gibt: Die kaputte alte Brücke am Eckbachspielplatz wird nicht für Tausende von Euro erneuert, sondern abgebaut. Stattdessen bekommt der Bach, wenn er an dieser Stelle bald renaturiert wird, eine viel, viel preiswertere Furt aus Trittsteinen. Und das ist deshalb so genial, weil die Kinder damit viel mehr Spaß haben werden und ihre Eltern keine waghalsigen Seilbahnaktionen ihrer Sprösslinge auf und von der Brücke mehr befürchten müssen. Man könnte fast meinen, der grundgütige Nikolaus hätte diese Idee noch aus seinem Sack gezaubert. Waltraud Werdelis