Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Hornissen: Ähnlich
Zu denjenigen, die das Einwandern der Asiatischen Hornisse besonders kritisch beobachten, gehören seit einigen Jahren die Imkerinnen und Imker. Die invasiven Großinsekten stellten eine Gefahr für die heimischen Bienenvölker dar. Insofern haben die Züchter ein vitales Interesse an einer effizienten Bekämpfung des Eindringlings. Trotz aller Sorge um die eigenen Bienenbestände, ist bei deren Besitzern der Blick fürs große Ganze aber nicht verlorengegangen. Weil nämlich eine gewisse Verwechslungsgefahr zwischen der Asiatischen und der streng geschützten Europäischen Hornisse besteht, hat Imkerin Gudrun Hauck gebeten, dem Aufruf bei der Suche nach Nestern in unserer Dienstagausgabe noch eine etwas präzisere „Täterbeschreibung“ folgen lassen könnten. Nichts leichter als das: Die asiatische Variante hat zusätzlich zum schwarzen Kopf mit orangefarbener Stirn gelbe Beine. Der Körper wiederum ist Hauck zufolge schwarz mit lediglich zwei orangefarbenen bis braunen Ringen. Also: Augen auf! Jörg Schmihing
Spinnen: Gefährlich
Gruselig, eklig, nützlich: Es gibt etliche Eigenschaften, die heimischen Spinnenarten üblicherweise zugeschrieben werden. Dass die Gliederfüßer aber den kompletten Bahnverkehr lahmlegen könnten, war bisher eher nicht bekannt. Doch genau mit diesem Argument lehnt die Deutsche Bahn nun in Frankenthal eine Fassadenbegrünung ihres doch sehr nüchtern in Betonoptik gehaltenen Stellwerks am Hauptbahnhof ab. Die Achtbeiner könnten das Grün als Lebensraum nutzen und so in den Schaltraum gelangen, um dort sensible Platinen der Steuerungstechnik zu zerstören. Mit massiven Folgen für alle Bahnreisenden. „Zur präventiven Risikominimierung“ wurde deshalb das Ansinnen der Stadt, mit ein paar Pflanzen diese Ecke des neu zu gestaltenden Bahnhofsumfelds aufzuhübschen, zurückgewiesen. Nun: Immerhin fahren dadurch die Züge weiter so pünktlich.
Schwarm: Nützlich
Warum autoritäre Regime auf Dauer keine Überlebenschance haben, dafür lieferte Zeit-Reporter Wolfgang Bauer am Dienstag eine Theorie. Die Stadtbücherei hatte den Afghanistanexperten zum Abschluss ihres Jubiläumsjahres zu einer Lesung aus seinem Buch „Am Ende der Straße – Afghanistan zwischen Hoffnung und Scheitern“ eingeladen. In der Diskussion mit den rund 40 Besuchern sprach sich der Schwabe dafür aus, die Menschen am Hindukusch unter der Taliban-Regierung nicht mit ihrer wirtschaftlichen Not und den Folgen von Klimakatastrophen alleine zu lassen – auch wenn längst andere Krisen das öffentliche Interesse bannen.
Bauers Argument, warum sich in Afghanistan, aber auch in Ländern wie Russland und China am Ende die Demokratie durchsetzen muss: Diktaturen verzichten auf, ja unterdrücken das gemeinhin als Schwarmintelligenz bezeichnete Wissen der Vielen, das angesichts globaler Herausforderungen so wichtig sei. Man möchte – bei aller Skepsis, in welchen trüben Gewässern der Schwarm bei uns manchmal so dümpelt – hoffen, dass der Autor Recht behält. Sonja Weiher