Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Glockenstreit: Verlängerung
Wie auch immer das Ganze technisch vonstatten geht, aber jetzt wird der Zeitschlag der Mörscher Kirchturmuhr erst einmal leiser gestellt. Und es wird erneut gemessen. Die Hoffnung: Dann schlagen die Glocken in der für ein Dorfgebiet vorgeschriebenen Lautstärke, die nächtens nicht mehr als 45 Dezibel betragen darf.
Nun ist es ja nicht sehr sinnvoll, über gesetzlich normierte Grenzwerte einerseits und das subjektive Lärmempfinden Einzelner andererseits zu lamentieren. Viele Mörscher inklusive ihres umtriebigen Ortsvorstehers Adolf-José König wundert aber schon, dass einzelne Beschwerden der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd im Juli ausgereicht haben, um die Glocken direkt zwischen zehn Uhr abends und sechs Uhr morgens zum Schweigen zu bringen. Immerhin rauscht in Wurfweite des Frankenthaler Vororts auch der Verkehr der A6 und der B9 vorbei und sorgt für einen gewissen Lärmpegel.
Ruhebedürfnis ist also eine ziemlich individuelle Geschichte. Manche stören sich am kleinsten Pieps, andere können Geräusche gut ausblenden. Was bleibt vom Mörscher Glockenstreit, ist die Befürchtung auch der Verantwortlichen im Rathaus, dass das Beispiel Schule macht. Zumindest bislang hört man nichts läuten ... Jörg Schmihing
Gemeinderat: Abkürzung
Lokalpolitik ist ein zähes Unterfangen. Wer sich ehrenamtlich im Gemeinderat und den dazugehörigen Ausschüssen engagiert, merkt schnell, dass zwar vieles wünschenswert, aber nur wenig schnell machbar ist. Fünf Verfahrensschritte hier, drei Gutachten da, und jede Menge Diskussionen: Ein Dorf zu führen erfordert neben Sachverstand vor allem Geduld und jede Menge Sitzfleisch. Wenig verwunderlich, dass mancher den politischen Prozess gerne mal abkürzen würde. So wie vor Kurzem in Dirmstein, als die Erhöhung der Gebühren für die Festhalle am Kellergarten auf der Tagesordnung stand.
Gleich zu Beginn der Ratssitzung wiesen die Sozialdemokraten darauf hin, dass für eine Entscheidung zu wenig Informationen vorlägen und forderte, zuerst im Ausschuss vorzuberaten. Die Mehrheit wollte die Sache aber lieber gleich abhaken. Antrag abgelehnt. Doch wenig später konnte sich der Rat nach minutenlanger Diskussion lediglich auf eines einigen: Auswärtige sollen mehr für die Nutzung der Halle zahlen. Für eine Entscheidung hat das nicht gereicht, die Nutzungsgebühren kommen jetzt doch zuerst in den Ausschuss. Ehrenrunde statt Abkürzung: So ist das eben manchmal im politischen Geschäft. Stefanie Brunner