Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Ebert-Schule: Vorher
Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Wahlweise Karl Valentin oder Mark Twain wird die Urheberschaft für diesen Satz zugesprochen. Wie auch immer: Er beschreibt sehr hübsch das Problem, irgendwann einmal auf eine Zusage aus der Vergangenheit festgenagelt zu werden. Und sei sie auch noch so vage. Vor diese Schwierigkeit sah sich diese Woche Beigeordneter Bernd Leidig (SPD) gestellt. In der Sitzung des Schulträgerausschusses ließen er und Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) durchblicken, wie der aktuelle Stand der Plänen für den Schulstandort im Pilgerpfad ist. So viel ist einstweilen sicher: Für die Grundschule soll es einen Neubau geben. Das Projekt kostet grob 20 Millionen Euro plus X. Für Eltern, deren Kinder mit den Unzulänglichkeiten des bisherigen Gebäudes zu kämpfen haben, und nicht zuletzt für die Schüler selbst ist freilich eine andere Frage die entscheidende: Wann steht das Ding? Die wurde selbstredend auch im Ausschuss gestellt. Bernd Leidigs Schmerz bei der Antwort war selbst auf Abstand fühlbar. Das Vorhaben laufe bei der Stadt unter der Rubrik „mittelfristig“. Das ist hinreichend vage und insofern alles, aber eben keine konkrete Ansage. Der Schuldezernent war in seinem früheren beruflichen Leben allerdings Bauingenieur und kennt die Schwierigkeit von Prognosen (besonders wenn sie die Zukunft betreffen). Mit vieldeutigem Lächeln beschied er den Mitgliedern des Gremiums: „Sie kennen ja den Fluch der ersten Zahl.“
Jubiläum: Nachher
Hinterher ist man immer schlauer. Für diesen Satz gibt’s mutmaßlich keinen Urheber. Aber er ist das aphoristische Gegenstück zur Prognose-Weisheit. Also: Nach der Jubiläumswoche „1250 Jahre Frankenthal“ weiß man, dass das kleinteilige Konzept aus Vorträgen, Führungen und ergänzenden Angeboten nicht so gezündet hat, wie erhofft. Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) hatte bei der Vorstellung des Programms die Hoffnung geäußert, die Feierlichkeiten mögen die Stadt und ihre Bürger näher zusammenbringen und Identität stiften. Was in Frankenthal genau diesen Effekt hat, das fand aber exakt vier Wochen zuvor statt: das Strohhutfest. Möglicherweise wäre es klüger gewesen, dieses Umfeld für das Jubiläum zu nutzen, um damit eine größere Grundgesamtheit an Menschen anzusprechen und für die Geschichte der Stadt zu begeistern. Fürs Wetter kann bekanntermaßen niemand was. Dass dann die als publikumswirksam etablierte Kunst- und Einkaufsnacht auch noch buchstäblich ins Wasser fiel, passte zu einer irgendwie durchwachsenen Festwoche. Die Aktionen der Gymnasien und die After-Work-Party am Donnerstag waren aus Sicht der Verantwortlichen die Lichtblicke. Letztere hätte auch ohne Jubiläum funktioniert. Hinterher ...