Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Rück-Spiegel – die Wochenkolumne

Regale voller Tüten – dieses Bild wird es wohl in Frankenthal bei der Schulbuchausleihe noch ein paar Jahre geben.
Regale voller Tüten – dieses Bild wird es wohl in Frankenthal bei der Schulbuchausleihe noch ein paar Jahre geben.

Schulbuchausleihe: Subjektiv

Wenn Politik auf Wirklichkeit trifft – diese Versuchsanordnung ist es, die den Schulträgerausschuss oft zu einer hochinteressanten Veranstaltung werden lässt. Auf der einen Seite: Mandatsträger, die aufgrund großer (oder auch empfundener) Lebenserfahrung wissen, was die Kinder und Jugendlichen in Frankenthals Schulen brauchen. Auf der anderen Seite: Pädagogen aus der Praxis, Elternvertreter und nun auch zwei Schülersprecher. Wie weit die Vorstellungen der Fraktionen und die gelebte Wirklichkeit zuweilen auseinanderklaffen, das war diese Woche beim Beispiel Schulbuchausleihe zu beobachten.

FDP-Sprecher Thomas Börstler jedenfalls äußerte sinngemäß die Hoffnung, dass dieser ganze Aufwand mit Abholen und Zurückbringen des Materials hoffentlich bald mal ein Ende habe, wenn die lieben Kleinen nicht mehr so etwas Rückständiges wie gedruckte Bücher in die Schule schleppen müssten. Seine Idee: Die „Kids“ – wie es ja neuerdings überall heißt – tragen nur noch ein Tablet zum Unterricht.

Allein der Gedanke ließ die Schulleiter im Ausschuss schmunzeln: Dass Lernen in der von Börstler beschriebenen Form stattfindet, scheitere an so banalen Dingen wie dem Urheberrecht (wenn eingescannte Buchseiten verwendet werden) oder dem Umstand, dass Lizenzen für digitale Varianten der Bücher häufig nur sehr kurz laufen und dann kostenpflichtig erneuert werden müssten. Fazit: Vorerst jedenfalls wird das noch nix mit dem Traum vom (fast) leeren Schulranzen. Für Bernd Leidig (SPD) übrigens alles andere als ein Grund zur Trauer. Der Beigeordnete und Schuldezernent hielt fest, was vielleicht so mancher im Gremium für sich gedacht haben mag: „So ein richtig schöner Atlas – das hat doch noch was.“

KSB: Objektiv

Dass es den Herren der KSB-Geschäftsleitung in den zwei Pandemiejahren an Orientierung gefehlt habe, das kann angesichts der Zahlen, die der Frankenthaler Pumpenspezialist bei seiner Bilanzpressekonferenz vorgelegt hat, niemand behaupten. Das Unternehmen ist auf Kurs. Das Stammwerk Frankenthal profitiert von Investitionen in Millionenhöhe. Die Richtung stimmt – trotz der Schwierigkeiten und Einschränkungen, die Corona bedeutet hat und im Geschäftsalltag noch bedeutet. Dass Manager, die an öffentliche Auftritte gewöhnt sind, die Normalität zurücksehnen, war bei der in digitaler Form organisierten Veranstaltung spürbar.

Ein bisschen Fremdeln mit dieser indirekten Variante der Kommunikation ist da weiterhin – selbst beim für Technik, Produktion und Digitalisierung verantwortlichen Direktor Stephan Bross. Als er eine Journalistenfrage beantwortete, ging sein Blick für einen Moment haarscharf an der auf ihn gerichteten Kamera vorbei, bis er schnell wieder aufs korrekte Objektiv fokussierte. Aber: Manche TV-Größe hat damit jahrzehntelang kokettiert. Harry Valérien etwa kommentierte im „Aktuellen Sportstudio“ seine Suche nach der gewünschten Perspektive immer wieder mit bajuwarischer Nonchalance: „Wo samma? Hier samma? Do samma!“

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