Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Rück-Spiegel – die Wochenkolumne

Munteres Steinerücken: In der Studernheimer Langgasse, aber auch an einigen anderen Stellen in der Stadt wechseln die Felsbrocke
Munteres Steinerücken: In der Studernheimer Langgasse, aber auch an einigen anderen Stellen in der Stadt wechseln die Felsbrocken wie von Zauberhand ihre Position.

Steine: Verrückt

Es ist ein Phänomen, das entfernt an die angeblich mit Geisteskraft verformten Gabeln und Löffel des Mentalisten Uri Geller erinnert. Aber der Reihe nach: Die Verwaltung nutzt an verschiedenen Stellen in der Stadt zentnerschwere Steinblöcke, um beispielsweise das Parken auf Grünstreifen zu verhindern. Das Erstaunliche: Kaum sind die Brocken platziert, wandern sie – wie von Zauberhand bewegt – ein Stückchen nach vorne, nach hinten, nach rechts oder links. Faszinierend.

So ist das auch in der Studernheimer Langgasse. Im Knick Richtung Sonnenstraße liegen drei Felsstücke, die motorisierte Verkehrsteilnehmer davon abhalten sollen, über den Randstein und über die deshalb nicht mehr ganz so grüne Grünfläche abzukürzen. Auch sie wechseln immer mal wieder die Position – zugunsten einer Ausweitung der Kampfzone. Allerdings glaubt man im Rathaus inzwischen nicht mehr ans Übernatürliche. Mit der Zeit habe sich eine Art Katz-und-Maus-Spiel zwischen der Stadt, die alles wieder gerade rückt, und jenen Zeitgenossen entwickelt, die das offenbar gerne anders hätten.

Marika Denzer, Chefin des Fachbereichs Planen und Bauen, spricht in diesem Zusammenhang von nun tatsächlich vollkommen überflüssigen Kosten, die der wiederholte Einsatz städtischer Arbeitskraft verursache. Und weil dieses kindische Hin und Her auch irgendwie nervt, wird die Stadt nun zumindest in Studernheim zu anderen Mitteln greifen: stabile Stahlbögen, die – festgemauert in der Erden – der Anarchie in der Langgasse ein Ende bereiten. Mal schauen, wem da am Ende ein Stein vom Herzen fällt.

Möbel: Verwohnt

Die Älteren unter uns werden sich erinnern: Im Obergeschoß des Real-Gebäudes in Studernheim gab es vor mehr als zwei Jahrzehnten noch ein Möbelgeschäft - Möbel Unger. Und als der Planungs- und Umweltausschuss und der Ortsbeirat am Donnerstagabend bei ihrer gemeinsamen Sondersitzung noch einmal wortreich den jahrelangen Niedergang des Einzelhandelsstandorts an der B9 beklagten, brachte auch CDU-Fraktionssprecherin Gabriele Bindert ihre Unzufriedenheit mit dem seinerzeit dort angebotenen Sortiment auf den Punkt: Schrecklich sei das gewesen. Nun lässt sich über Geschmack bekanntermaßen trefflich streiten. Zumindest die ästhetischen und praktischen Ansprüche des Herrn Oberbürgermeisters waren mit dem Angebot dort offenbar erfüllt. Martin Hebich entgegnete seiner Parteifreundin treuherzig, dass er die Ausstattung seiner ersten eigenen Wohnung bei Unger erworben habe und mit dieser Wahl nicht unzufrieden gewesen sei.

In welchen Stil der OB wohl seine i Junggesellenbude ausgestattet hatte: Gelsenkirchener Barock? Oder doch eher Kiefer natur? Bei jungen Männern Anfang/Mitte der Neunziger ganz besonders angesagt war alles Schwarze: schwarzes Bett, schwarzer Schreibtisch, schwarze Regale. Das muss gemeint sein, wenn immer von „dunkler Vergangenheit“ die Rede ist. Abgerundet wurde die Männerhöhle dann gerne wie folgt: an den Wänden Filmplakate, im Vitrinenteil der Schrankwand bunte Gläser oder Pokale für die sportliche Note. Und im Kühlschrank? Gähnende Leere! Bis auf einen respektablen Getränkevorrat, versteht sich. Jörg Schmihing

Jugendarbeit: Verzwickt

Und dann ist da noch das Problem mit Sachbeschädigungen vor der Lambsheimer Kita Lambiland. Die Jugendhelfer, so wünscht es die SPD im Gemeinderat, soll Jugendlichen erklären, dass sie dort vor einem Kindergarten stehen. „Wir hoffen auf Verständnis“, sagt Sozialdemokratin Angela Haller. Auch Klaus-Peter Spohn-Logé und Simon Kiefer (beide Grüne), die ihr berufliches Know-how im sozialen Bereich betonen, sprechen erst einmal nur von „Kontaktaufnahme“ und ihrer „regulierenden Wirkung“. Dass es darum gehen könnte, Räume zu schaffen, wo sich „Jugendliche ungestört von Erwachsenen treffen können“, bleibt beim Gedankenaustausch im Rat nur eine Randnotiz von Gunter Steuer (FDP). Hauptsache, es wird nicht randaliert. Wie könnte man aber mehr Kinder und Jugendliche in die Jugendhäuser locken? Das Amtsblatt – so stellen die Kommunalpolitiker fest – sei kaum geeignet, an die Jungen heranzukommen. Stattdessen soll die Ausstattung der Häuser jährlich aber überprüft werden: Spielekonsolen, Tablets und Co., das ist es doch, was Teenager wollen? Oder?

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