Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Stadtrat: Optimisten
Es gibt diesen schlauen Spruch, demzufolge Prognosen insbesondere dann schwierig sind, wenn sie die Zukunft betreffen. Insofern hat ein Frankenthaler Stadtratsmitglied, nennen wir ihn zum Schutz seiner Identität einen umtriebigen Eppsteiner Christdemokraten, schon den ersten Fehler begangen, als er seiner Frau sinngemäß beim Verlassen des Hauses am späten Mittwochnachmittag sagte: „Es wird bestimmt nicht spät heute.“ So reden nur unerschütterliche Optimisten. Dass er erst etwa sieben Sitzungsstunden später wieder unter die strengen Augen seiner Gattin treten würde, er konnte oder wollte es sich offenbar nicht vorstellen. Dass ihm die Dauer der Veranstaltung im Congress-Forum später ein paar unangenehme Fragen nach seinem Verbleib bescheren würde, diese Prognose wiederum war kurz nach 23 Uhr trotz geschlossener Kneipen in Frankenthal und anderswo nicht so schwer – sie basiert wohl auch weniger auf Annahmen als auf der nachträglichen Logik der Erinnerung (vielleicht ans letzte Strohhutfest?). Jedenfalls wandte sich der arme Mann in seiner Not an den Vertreter der örtlichen Presse. Ob der nicht in jedem Fall in den zu erwartenden Bericht schreiben könne, wie lange das Ganze so gegangen sei? „Dann glaabt mer des mei Fraa!“ Hier also Ihr lupenreines Alibi, Herr Dropmann. Upps!
Pädagogik: Visionäre
Als die Schulen für den Präsenzunterricht geschlossen wurden, war die unmittelbare Sorge aller Beteiligten auf die Frage gerichtet: Wie machen wir das jetzt mit diesem Homeschooling und Videoteaching? In der Hoffnung, dass der Laden nicht direkt wieder dichtgemacht wird, könnte der vorsichtige Neustart bei den älteren Kindern kommende Woche Anlass sein, mal wieder in die Zukunft blicken, pädagogische Konzepte entwickeln (und natürlich sicherheitshalber doch mal schnell überall WLAN installieren). So gesehen ist David Schwarzendahl, Stadtratsmitglied für die Linken und auch deren Spitzenkandidat für die Landtagswahl, diese Woche als Visionär in Erscheinung getreten. In einem kleinen Interview, das die Landespartei mit ihm diese Woche - übrigens an seinem Geburtstag – veröffentlich hat, wird Schwarzendahl auf sein Hobby als Musiker, also als Schlagzeuger, angesprochen. Wie denn zukunftsfähige Kulturpolitik auszusehen habe? Die Antwort: Vor allem Schulen bräuchten Förderung für Bands, Orchester und Theatergruppen. Das würde wohl jeder Landtagskandidat (und eigentlich wohl fast jeder sonst) so unterschreiben. Aaaaaaber – Schwarzendahl legt nach: „Für mich persönlich wäre ein Fach Rock ’n’ Roll als Leistungskurs ein Gewinn.“ Dazu nur so viel: Yeah! Yeah! Yeah! Jörg Schmihing