Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Rück-Spiegel – die Wochenkolumne

Von der Landes-SPD gemietet: eine Werbefläche mit dem Konterfei von Malu Dreyer im Foltzring.
Von der Landes-SPD gemietet: eine Werbefläche mit dem Konterfei von Malu Dreyer im Foltzring.

Wahlkampf I: Bezahlt

Sinn und Zweck von Plakaten ist bekanntermaßen, dass sie auffallen und idealerweise dann eine gewisse werbende Wirkung entfalten. Insofern ist es jetzt keine so riesige Überraschung, dass es nicht allzu lange gedauert hat, bis das an verschiedenen Stellen in Frankenthal platzierte Konterfei von SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer einem eifrigen Unterstützer von CDU-Herausforderer Christian Baldauf aufgefallen ist.

Hatte nicht der sozialdemokratische Direktkandidat Martin Haller die Weihnachts- und Neujahrsgrüße seines Mitbewerbers Baldauf als verfrühte Wahlwerbung empfunden und die Kommunalaufsicht um Prüfung gebeten? Das Ergebnis seinerzeit: Die auf Bauzäunen angebrachten, im öffentlichen Raum aufgestellten und von der Stadt zunächst auf Basis der Sondernutzungssatzung gebührenfrei genehmigten Transparente mussten weg.

Der diesbezügliche Phantomschmerz bei der CDU muss groß sein: Denn der erwähnte eifrige Unterstützer versah seinen Hinweis zu den Dreyer-Plakaten an die Lokalredaktion Frankenthal mit der maliziösen Anmerkung, dass er schon jetzt gespannt sei, ob die RHEINPFALZ auch über diesen Fall berichten werde. Die Antwort: na klar.

Deshalb jetzt die Erkenntnisse in aller gebotenen Kürze: Das eine – der Fall Baldauf – ist mit dem anderen – dem Fall Dreyer – offenbar nicht vergleichbar. Die SPD in Rheinland-Pfalz hat für den Start ihrer „Wir mit ihr“-Kampagne landesweit 500 großformatige Werbeflächen bei Firmen gemietet. Dieser Weg steht übrigens jeder Partei zu jeder Zeit offen, sofern sie das nötige Kleingeld dafür hat und zu dieser Investition bereit ist.

Wahlkampf II: Bestellt

Nun ja, die Ungeduld des erwähnten eifrigen CDU-Unterstützers ist angesichts der immer knapperen Zeit bis zum Termin der Landtagswahl Mitte März und des Corona-bedingt stark eingeschränkten Wahlkampf-Instrumentariums durchaus nachvollziehbar. Aber Rettung ist in Sicht: Ab kommender Woche darf ganz gratis und nach den dafür üblichen Regeln des Frankenthaler „Landrechts“ politische Willensbildung am Straßenrand betrieben werden.

Dass die Pandemie aber durchaus auch die Phantasie anregt (und unter Umständen auch den Appetit), beweist ein weiteres Schmankerl aus der Wahlkampf-Küche: Einige Frankenthaler zogen nämlich dieser Tage das Flugblatt eines örtlichen Pizza-Lieferdienstes aus dem Briefkasten und erblickten wen auf der Vorderseite? Genau: Christian Baldauf – mit dem Vermerk „Unser Spitzenkandidat für Rheinland-Pfalz“. Logisch: Ohne Mampf kein Kampf. Also: eine Pizza Cristiano, per favore – mit schwarzen Oliven.

Fasnacht: Begeistert

Seit fast zwei Jahrzehnten laden die Stadtwerke die Karnevalsvereine der Region zur närrischen Wasserprobe ein. Deren Ziel ist es, das Getränk zur jeweiligen Kampagne zu wählen. Traditionell gibt’s zwei Kandidaten: Wasser und Bier. Üblicherweise setzen sich die Fasnachter dank zahlenmäßiger Übermacht mit dem Gerstensaft durch. Bei der virtuellen Veranstaltung in diesem Jahr, zu der fünf der Vereine aus Stadt und Land Filmchen geschickt hatten, war das nach Darstellung der Stadtwerke anders. H2O machte das erste Mal das Rennen. Die Narren werden es verschmerzen können: Gelegenheiten zum geselligen Pilsgenuss sind derzeit ohnehin selten. Und das Wasser hatte mit Stadtwerke-Chef Thomas Bollheimer einen stimmgewaltigen Unterstützer. Per Video trällerte er frei nach DJ Ötzi die Zeilen: „Ein Getränk, das aus Mörscher Quellen fließt, in die Kehlen sich ergießt, und das Stadtwerk glücklich macht. Ein Getränk, das nicht das Hirn zerfrisst, weil es viel gesünder ist, und über unsere Leber wacht.“ Jörg Schmihing

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