Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Plakate: Abgehängt
Oha, oha – das wird noch eine lange Strecke bis zur Landtagswahl im März. Zumindest lässt die Nervosität, mit der die verschiedenen politischen Lager auf die erst auf öffentlichem Bode ab- und dann auf Privatgrundstücken wieder aufgehängten Werbebanner des CDU-Kandidaten Christian Baldauf reagiert haben, nichts Gutes erwarten. Frühere Parteigranden werfen der SPD im Wissen um diesen christdemokratischen Winkelzug mit den Plakaten sogar „Scheinheiligkeit“ vor, weil sie diese Aktion einerseits kritisiere und andererseits selbst bereits Broschüren in die Briefkästen stecke.
Baldauf selbst hat sich, nachdem die ganze Geschichte auch wegen einer nicht allzu glücklich agierenden Stadtverwaltung, so gründlich in die Hose gegangen ist, für das einzig Richtige entschieden: weg mit den großflächigen Bannern. Und zwar überall. Der Stoff soll, so heißt es in einer Pressemitteilung des Abgeordneten, zu Taschen verarbeitet und diese dann für einen guten Zweck verkauft werden.
Was insgesamt auf der Strecke bleibt, das ist der faire Wettbewerb um die Wählerstimmen der Region. Und da haben die Parteien – auch die großen – in der Corona-Pandemie scheinbar noch nicht die richtigen Mittel gefunden. Der klassische Infostand ist derzeit schwierig, das Canvassing genannte Klinkenputzen an der Haustür der Leute auch. Und der Weg übers Internet ist für den Wahlkampf an der Basis auch nicht immer der beste. Mal schauen, was den Bewerbern und ihren Unterstützern noch so alles einfällt.
Beerdigungen: Abgesagt
Die Redaktion steht zuweilen vor schwierigen Entscheidungen. Eine der schwierigsten ist der Umgang mit anonymen Hinweisen auf angebliches Fehlverhalten Dritter. Ein wichtiger Faktor bei der Abwägung: das mögliche öffentliche Interesse eines Vorgangs. Im Falle einer Beisetzung, bei der sich im Dezember stattliche 90 anstelle der erlaubten 18 Trauernden eingefunden haben sollen, haben wir entschieden: Ja, wir berichten und recherchieren, was an dem namenlos eingegangenen Vorwurf dran sein könnte. Übrigens völlig ohne besonderes Augenmerk darauf, dass es sich im konkreten Fall offenbar um eine muslimische Bestattung handelt.
Die Stadtverwaltung wiederum hat – möglicherweise ein bisschen aufgescheucht von der Anfrage der RHEINPFALZ – wohl festgestellt, dass sie angesichts der hohen Infektionszahlen in Frankenthal etwas genauer aufs Einhalten der Corona-Regeln auf Friedhöfen achten muss. Jetzt werden Sicherheitsleute eingesetzt. Das alles müsste nicht sein, wenn sich alle an die derzeit gültigen Vorschriften hielten. Und weil schnell der Vorwurf der Islamfeindlichkeit im Raum steht: Das tun sie übrigens völlig unabhängig von ihrer Religion nicht.
Aus dieser Woche stammt ein Vorfall, der sich nach Angaben der Stadt bei einer christlichen Beerdigung in Flomersheim zugetragen hat: Da kam entgegen der Hinweise der Stadt an die Angehörigen statt der erlaubten zehn Trauergäste die achtfache Anzahl. Erst als Polizei am Friedhof auftauchte, seien die Menschen gegangen, schildert Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) den Vorfall – eine unangenehme Situation für alle Beteiligten. Und es tritt doch eins in den Hintergrund, das Sinn einer jeden Trauerfeier ist: der würdige Abschied von einem geliebten und geschätzten Menschen. Jörg Schmihing