Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Weihnachten: Mitsingen
Advent und Weihnachten waren vermutlich noch nie so ein großes Thema wie jetzt, da wegen Corona alles ganz bescheiden, kontaktarm und leise vonstattengehen soll. Die einen vermissen die Glühweinproben auf den Märkten, manche die kultige Kneipentour am Vormittag von Heiligabend und andere die bucklige Verwandtschaft an den Feiertagen. Wer aber trauert um all die Weihnachtslieder, die nicht gemeinsam gesungen werden dürfen, damit wir uns das hundsgemeine Virus nicht gegenseitig in Hals und Rachen pusten?
Nun, eine ältere Leserin aus Bobenheim-Roxheim bricht eine Lanze für alle Freunde des „Zammesinge“. Sie hat einen Brief an „das Fernsehen“ geschrieben: Könnte man nicht jemanden ans Klavier setzen, der die Advents- und Weihnachtslieder so spielt beziehungsweise begleitet, als würde eine Kirchengemeinde mitsingen? Es dürfe aber „bloß nicht zu viel Chor im Hintergrund“ sein, heißt es in dem Brief.
Wenn so etwas gesendet würde, gäbe es doch bestimmt viele, die sich über die Gelegenheit zum Singen freuen würden. Weil sie es vielleicht wie die Leserin satthaben, sich vom TV dauernd nur berieseln zu lassen. Recht hat sie, das ist eine ganz reizende Idee. Dass im Internet bereits diverse scheußliche Formen von „Stille Nacht“-Karaoke kursieren, darf hier kein Einwand sein.
Leider hat „das Fernsehen“ unserer Leserin nur versprochen, den Brief – wohin auch immer – weiterzuleiten, was diese sehr ärgert. Deshalb soll die gute Anregung an dieser Stelle gewürdigt werden. Liebe Pianisten, Organisten, Gitarristen und Hintergrundchoristen in Frankenthal und Umgebung: Lässt sich da denn nichts Stilvolles neu erfinden? Ein pandemietaugliches „Xangbuch reloaded“ oder so? Waltraud Werdelis
Wahlk(r)ampf: Mitmischen
Die meisten Menschen haben derzeit andere Dinge im Kopf, aber tatsächlich sind es nur noch zwölf Wochen bis zur Landtagswahl am 14. März. In normalen Zeiten gehörten jetzt schon regelmäßig Infostände der Parteien und ihrer Direktkandidaten zumindest an Markttagen in Frankenthal zum gewohnten Straßenbild. Aber Sie wissen ja, das Virus. Also denken sich die Herren und Damen Politiker Dinge aus, mit denen Sie Kontakt zum Wahlvolk halten können. Sehr beliebt während der Pandemie: Video- oder Telefonkonferenzen. Weil den Herrn und Damen aber offenbar in diesen von Mindestabstand geprägten Zeiten etwas Kontaktsport fehlt, schreiben sie eben Briefe. Und so hat der Frankenthaler Christian Baldauf (CDU) vor der Abstimmung über den Haushalt im Landtag an den Lambsheimer Martin Haller (SPD) per Post dazu aufgefordert, doch bitte für die christdemokratischen Anträge zu stimmen und damit „im Interesse unseres Wahlkreises“ zusätzliche Mittel etwa für Straßenbau und Bildung herauszuholen. Nur am Rande: Der Brief trägt das Datum 24. Oktober 2018. Hoffen wir alle gemeinsam, dass der Inhalt aktueller ist.
Dass der „liebe Martin“ noch dazu als parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion den sozialdemokratischen Pfad verlassen und sich auf die Seite Baldaufs, immerhin Oppositionsführer und als CDU-Spitzenkandidat Hauptgegner von SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer, schlagen würde – damit hat wohl niemand ernsthaft gerechnet. Eine Antwort an den „lieben Christian“ gab’s natürlich trotzdem. Nach der eingangs bekräftigten Freude, „mal wieder etwas von Dir zu hören“, setzt Haller seinem Kollegen allerdings mit großer Liebe zum Detail auseinander, was der Stand bei einzelnen Projekten wie dem Radweg entlang der L 524 bei Eppstein ist. Er wünsche frohe Weihnachten und freue sich auf den nächsten Brief zum Haushalt 2022/23. In diesem Sinne. Jörg Schmihing