Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Rück-Spiegel – die Wochenkolumne

Wochenlang standen in der Corona-Statistik für Frankenthal fünf Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden. Ein Fehler? Ein
Wochenlang standen in der Corona-Statistik für Frankenthal fünf Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden. Ein Fehler? Ein Zufall? Diese Frage überhaupt zu stellen, hat ein Behördensprecher offenbar für unangemessen gehalten. Beantworten konnte er sie aber auch nicht.

Wir über uns: Mosaiksteinchen

Wie Journalisten, ihre Fragen und ihre Berichterstattung bei Behörden und in der Politik wahrgenommen werden – das ist, glauben Sie’s mir oder nicht, ein wechselvolles Geschäft. Als treudoofer Verkünder simpler Botschaften ist der Herr Redakteur natürlich immer hochwillkommen. Begegnungen dieser Art enden schon mal mit bei der Verabschiedung mit dem Satz:„Schreiben Sie was Schönes.“ Da kriege ich allein beim Tippen Schüttelfrost.

Und dann gibt’s Tage (und die sind gar nicht mal so selten), an denen sind Journalisten auf einmal neugierige Schnüffler, die ihre Nase bevorzugt in Dinge stecken, die sie nichts angehen. Und deren Fragen ganz und gar nicht mehr hochwillkommen sind. Die simple Botschaft in diesem Fall: „Schreiben Sie am besten nix.“ Stichwort: Schüttelfrost.

Erlebnisse dieser Art häufen sich derzeit auffällig. Sie ahnen es? Genau: Corona. Die Pandemie schlägt vielen nicht nur aufs Gemüt, sondern dem einen oder anderen Pressesprecher in den Ämtern der Republik auch auf die Auskunftsfreude. Ein kleines Erlebnis diese Woche illustriert das Phänomen: Anfrage beim Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz . Es geht um ein auffälliges Detail in der Frankenthaler Statistik: die Anzahl der im Krankenhaus behandelten Covid-19-Patienten. Die ist seit Wochen stabil bei fünf, trotz steigender Infektionszahlen. Die Antwort kommt prompt. Sinngemäß lautet sie: „Keine Ahnung, aber fragen Sie doch bei der Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises.“ Das allein wäre kein Grund zur Aufregung: Das Manöver, erst einmal an eine andere Stelle zu verweisen, ist gewissermaßen eine Art behördlicher Überlebensreflex.

Sehr viel aufschlussreicher ist der dann folgende Satz – eine persönliche Anmerkung des Nicht-Auskunftgebers: „Seit Monaten wird darüber berichtet, dass die Gesundheitsämter in der Republik bei der Corona-Kontaktverfolgung an der Belastungsgrenze arbeiten. Gleichzeitig stellen wir fest, dass an vielen Stellen das Verständnis dafür fehlt, dass die Statistik nicht immer auf den Punkt ist. Es ist anzunehmen, dass die Gesundheitsämter zurzeit andere Sorgen haben.“

Ganz ehrlich, niemand hat mehr Verständnis für überlastete Staatsdiener als Journalisten, die mit knappem Zeitbudget und Aktualitätsdruck Geschichten recherchieren und ihre Leser - gedruckt und digital - möglichst umfänglich informieren möchten. Aber Noten zu verteilen, welche Fragen er für angemessen hält und das noch etwas verklausuliert mit dem Vorwurf der Zahlenhuberei zu verknüpfen, das ist neu und irgendwie dreist.

Am Rande: Die Antwort hat es am Ende von der auch gut beschäftigten und entsprechend gestressten Pressesprecherin der Stadtverwaltung gegeben. Ganz ohne den Zuständigkeitstrick, dafür aber superschnell. Und die Information ist wirklich interessant: Die Zahl 5 in der Rubrik der hospitalisierten Covid-Patienten in Frankenthal ist auch über den längeren Zeitraum hinweg völlig korrekt. Des Rätsels Lösung: Es sind nicht immer dieselben fünf Patienten, die dort erfasst sind.

Das mag jetzt nicht die wichtigste Zahl in dieser Corona-Zeit sein, die ja ohnehin an Statistiken und den dazugehörigen Diskussionen nicht wirklich arm ist. Aber es ist eben ein Mosaiksteinchen mehr zum Pandemie-Geschehen in Frankenthal und Umgebung. Jörg Schmihing

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