Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Carl Spitzweg: Verkürzt
„Ich sehe große Diskussionen voraus.“ Mit dieser Einschätzung, vorgetragen im Frankenthaler Planungs- und Umweltausschuss, lag der Grüne Gerhard Bruder wohl richtig. Die Absicht der Stadtverwaltung, die Verkehrsführung an der Benderstraße für Radler und Fußgänger zu verändern, beschäftigt die Menschen. Das spiegeln nicht zuletzt kritische Stimmen im Leserbriefteil der RHEINPFALZ wider. Da wird dann auch gefragt, wie verlässlich die Informationsbasis der Verwaltung eigentlich sei. Solche Fragen darf man schon dann stellen, wenn man das „amtliche“ Kartenmaterial zum Thema näher betrachtet. RHEINPFALZ-Leser Herbert Baum hat den ersten Hinweis dazu gegeben: Aus der Carl-Spitzweg-Straße ist in den Planunterlagen der „Carl-Spitz-Weg“ geworden. Der Maler, dem diese Straße gewidmet ist, hat gern auch mal die Obrigkeit durch den Kakao gezogen. Der fränkische Polizist, der einen Musiker barsch nach seinem „Pass“ fragt – worauf der eingeschüchtert auf seinen Bass deutet –, steht dafür beispielhaft. Schade, dass es das Spitzweg-Bild „Stadtplanung 2020“ nicht mehr geben wird. Stephan Pieroth
Tierschutz: Verzwickt
Wenn Hunde, Katzen und andere Kreaturen im Tierheim landen, dann steht dahinter meist eine traurige Geschichte. Das ist bei Bailey nicht anders. Seit anderthalb Jahren wird der Boxer mit dem weißen Fell vom Frankenthaler Tierschutzverein betreut. Ein erfahrener Halter, der den Fünfjährigen bei sich aufnimmt, hat sich noch nicht gefunden, denn Bailey hat ein Handicap: Er ist taub. Möglicherweise steigen aber seine Chancen auf Vermittlung, denn der Boxer ist so etwas wie ein tierischer Promi. Der Deutsche Tierschutzbund hat ihn zum „Tierheimtier des Monats“ erkoren und wirbt mit Bild und Pressemitteilung für Bailey. Dass sein Hörfehler dem Hund das Leben schwermacht, verschweigen die Organisation und die Vorsitzende des Frankenthaler Vereins, Simone Jurijiw, nicht. Vor allem aber loben sie Baileys Treue: Wenn er Vertrauen gefasst habe, gehe er für Herrchen oder Frauchen durch dick und dünn, kuschle und verteile Küsschen. Jörg Schmihing
Chorprobe: Verpackt
Es braucht ein dickes Fell, um als Chor in Corona-Zeiten zu proben. Die Sänger des ökumenischen Kirchenchors von Luther-Gemeinde und Sankt Paul üben zwar, solange es die jeweiligen Hygieneregeln erlauben, tapfer weiter. Doch es ist ein sportliches Vergnügen: Denn obwohl die Temperaturen sinken, bleibt während der Singstunde die Tür der Lutherkirche offen. Und das Heizungssystem bleibt aus, da die zirkulierende warme Luft sonst die Aerosole verteilen würde. Was im Außenbereich von Cafés üblich ist, passt auch zu Chorproben – das dachten sich zwei kreative Sänger. Kurzerhand besorgte das musikalische Paar einen Stapel warmer Decken. Und der Chor schmetterte am Dienstag mit dem gebotenen Abstand und eingemummelt die religiösen Weisen. So kurz vor dem Martinstag boten die Sänger einen biblischen Anblick: Die eine Hälfte der Sänger trug die Kardinalsfarbe Rot und erinnerte an den Heiligen Martin, der vor über 1500 Jahren seinen Offiziersmantel mit einem Bettler geteilt hatte. Gemäß dem heutigen Martins-Brauch wird diese Legende jährlich am 11. November mit rotem Mantel nachgestellt. Die andere Hälfte der Choristen hatte sich schwarze Decken umgehängt und erinnerte an eine Schar Mönche beim Abendlob. Klaudia Toussaint