Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Rück-Spiegel – die Wochenkolumne

Sanftes Berieseln von Pflanzen – das ermöglicht das Brausemundstück, in der Pfalz allgemein nur Zotte genannt.
Sanftes Berieseln von Pflanzen – das ermöglicht das Brausemundstück, in der Pfalz allgemein nur Zotte genannt.

Geheimsprache

Ach du liebe Zott – ausgerechnet auf dem Gottesacker in Studernheim passieren mysteriöse Dinge. Brausemundstücke von Gießkannen– auch Schnulle, in der Pfalz eigentlich nur Zotte genannt – verschwinden im Nichts. Eigentlich entgeht dem omnipräsenten Ortsvorsteher Karl Ober (SPD) ja nichts in Studernheim. Doch hier scheint auch er ratlos. Mit Kontaktkleber und mit Nieten seien die Zotten schon gesichert worden, berichtete er im Ortsbeirat. Kleindelinquenten finden immer wieder Wege, diese zu entwenden. Wofür? Das ist eine offene Frage. Die Friedhofsgänger jedoch sind einer wichtigen Funktion beraubt. Denn einer Legende nach haben die Zotten – neben dem sanften Berieseln der zu bewässernden Flächen – eine weitere Funktion. Wird die Zotte vom Friedhofsgänger nach vorne getragen, ist er in festen Händen. Zeigt die Zotte beim Gang über den Friedhof nach hinten, dann soll er auf Partnersuche sein. Mit dem geweiteten Blick und der damit verbundenen größeren Beachtung auf das Brausemundstück lässt sich möglicherweise verhindern, dass diese sich weiter vom Acker machen. Stefan Tresch

Geheimsache

Dass der Studernheimer Real-Einkaufsmarkt schon bei seinem bisherigen Eigentümer Metro keine besonders große Rolle mehr gespielt hat, das war für regelmäßige Kunden dort kein Geheimnis mehr. Der Investitionsstau im Gebäude und drumherum: offensichtlich. Dass in der Konsequenz die Umsätze nicht besser und am Ende wohl auch hohe Verluste geschrieben wurden, das müssen nun 80 Mitarbeiter ausbaden, für die Ende Januar kommenden Jahres Schluss sein wird.

Am Ende hat Metro das Verkünden der bevorstehenden Schließung den neuen Herren bei Real, dem von russischen Geldgebern gelenkten und in Luxemburg ansässigen Finanzinvestor SCP, überlassen – ganz schlechter Stil. Zwischen dem Verkünden der Transaktion und dem Bekanntwerden der Schließungspläne liegen nur ein paar Tage. Insofern war auch die in einer Pressemitteilung verbreitete Beteuerung nicht allzu viel wert, man wolle Märkte nur dichtmachen, wenn alle Optionen geprüft sind.

Mit Ruhm bekleckert hat sich mit Blick auf den Sanierungsfall aber auch die Frankenthaler Kommunalpolitik nicht. Sie wurde vom Handelskonzern aus Düsseldorf immer wieder hingehalten und mit angeblichen Plänen für die Immobilie beruhigt. Deren Zukunft ist nun ungewisser denn je. Als die aktuelle Entwicklung am Dienstag dieser Woche im Ortsbeirat Studernheim diskutiert wurde, war weder der Politik noch der Verwaltung bekannt, wem die Liegenschaften denn jetzt eigentlich gehören. Das Ärgerliche: Ein Blick in den Grundbuchauszug hätte genügt. Die Kontaktaufnahme mit dem neuen Eigentümer, der in der Auflassungsvormerkung verzeichnet ist, dürfte künftig nicht leichter werden: Es ist eine von mutmaßlich zahlreichen Tochterfirma von SCP – registriert bei der Handelskammer in Luxemburg.

Geheimwaffe

Offenbar ist es mit der Digitalisierung in Frankenthal nicht so weit gediehen. Dass Karten für das spät in den Sommer gestartete Strandbad nur im Internet zu bekommen sein sollten und am Anfang nur ein Zahlungsweg zur Verfügung stand, das hat für wütende Proteste gesorgt. Und weil man bei der Stadt inzwischen ein bisschen sensibel ist, was den Zorn des Bürgers angeht, versprach der Herr Oberbürgermeister nach Hinweisen von Mitgliedern des Stadtrats in diese Richtung, dass er mal nachhören werde. Dieses „Nachhören“ muss etwas nachhaltiger gewesen sein, denn von einem auf den anderen Tag gaben die Stadtwerke ihren Widerstand gegen einen Ticketverkauf gegen Bares vor Ort auf. Balsam für die Schwimmerseele. In einem Nachtrag zur gestern gegen Mittag verschickten Mitteilung ist dann auch ein Statement des OB enthalten: „Er begrüßt die Umsetzung des vorübergehenden Ticketverkaufs vor Ort und die kurzfristige Flexibilität der Stadtwerke.“ Jörg Schmihing

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