Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenend-Kolumne
Bereitschaftspraxis: Verzockt
Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz hat es offenbar nicht für nötig gehalten, die von ihren Schließungsplänen bei den Bereitschaftspraxen betroffenen Kommunen mit etwas Vorlauf zu informieren. Kann man machen, kommt dann halt eben nicht besonders gut an – vor allem dann nicht, wenn ein städtisches Krankenhaus wie im Frankenthaler Fall der Vermieter für diese Notdienstzentrale ist. Den Kahlschlag dann noch als Rettungsaktion zugunsten der ärztlichen ambulanten Akutversorgung zum Wohle der Patienten verkaufen zu wollen, ist nicht sehr überzeugend. Denn: Sonntags aus Frankenthal zur Bereitschaftspraxis in der Ludwigshafener Gartenstadt zu gurken (wie es die KV vorschlägt) und sich in eine ewige Warteschlange stellen – das macht man einmal und nie wieder. Dann lieber gleich in die Notaufnahme der nächsten Klinik. Aber worum geht es der Vereinigung denn eigentlich? Sie will politischen Druck gegen ein Gerichtsurteil aufbauen, das ihr Probleme bereitet. Das wäre völlig legitim, sofern es auf den üblichen Wegen der Einflussnahme geschehen und nicht auf dem Rücken derjenigen passieren würde, die nachts und wochenends medizinische Hilfe brauchen.
Geflüchtete: Verbockt
Kennen Sie Murphys Gesetz? Ja? Dann sind Sie wahrscheinlich unerschütterlicher Pessimist. Denn „Murphy’s Law“ beschreibt die Annahme, dass alles, was schiefgehen kann, auch tatsächlich schiefgeht. Sie ließe sich mühelos auf die verzweifelten Versuche der Frankenthaler Stadtverwaltung übertragen, ausreichende Kapazitäten zur Unterbringung von Flüchtlingen zu schaffen. Da reiht sich Panne an Panne. Das fängt mit dem Wasserschaden in einem der Gebäude auf dem früheren Pfalzwerke-Gelände in der Siemensstraße an. Und hört mit der Beschaffung von Containern, die brandschutztechnisch nicht fürs Aufstocken der bestehenden Wohnanlage auf dem Festplatz taugen, noch längst nicht auf. Schadenfreude ist angesichts solcher kapitalen Fehler absolut unangebracht. In der Konsequenz führen diese Pannen dazu, dass Politik und Verwaltung in nicht allzu ferner Zukunft wieder vor der drängenden Frage stehen werden: Wohin mit den ganzen Menschen? Es gibt übrigens auch eine Umkehrung des eingangs erwähnten Gesetzes namens Yhprums Law. Es besagt: „Systeme, die nicht funktionieren sollten, tun es manchmal doch.“ Es gibt also noch Hoffnung.