Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenend-Kolumne
Strohhutfest I: Komisch
So ein bisschen komisch fühlt es sich nach zwei Jahren ohne Ringelpiez mit Anfassen schon an, sich durch eine Menschenmenge zu schieben – ohne Abstand und Maske. So schnell, wie sich die meisten an Regeln zum Schutz vor dem Coronavirus gewöhnt hatten, so schnell sind sie auch schon wieder vergessen.
Trotzdem: Das Gefühl, wie schön es ist, Freunde zu treffen, gemeinsam zu feiern und anzustoßen, überwiegt. Die Schluckimpfung mit Schorle hat Chako Habekost am Donnerstagnachmittag auf dem Rathausplatz ausgerufen. Ob’s hilft? In einer Woche etwa werden die offiziellen Statistiken verraten, welchen Effekt das Strohhutfest auf die Verbreitung des Virus hatte.
Die zwei Jahre ohne „Feschd“ haben offenbar nicht alle Besucher gut vertragen. Zumindest haben sie einen Teil des Publikums beim Eröffnungsprogramm nicht gegen gewisse Unarten immunisiert. Ganz gewiss gibt es in Frankenthal nicht wenige, die mit der Amtsführung des Oberbürgermeisters, nennen wir’s mal, etwas unglücklich sind. Dass Martin Hebich (CDU) kein launiger Entertainer mehr wird, tut da sein Übriges. Aber ernsthaft: Sind Pfiffe und Gemurre auf dem Rathausplatz wirklich das richtige Mittel, seine Unzufriedenheit zu zeigen?
Strohhutfest II: Kurzfristig
Viele Frankenthaler verbinden mit dem „Feschd“ sehr viel Persönliches: Vielleicht gab’s in einer lauschigen Ecke abseits der Buden und Bühnen den ersten Kuss – oder mitten im Geschehen den ersten Vollrausch. Jedenfalls ist zwischen den Toren Platz für die kleinen und großen Dinge des Lebens. Für viele Musiker aus Frankenthal und der Region ist es auch nach Jahren immer noch mit das Größte, beim Strohhutfest und da bevorzugt zur besten Sendezeit auf einer der Hauptbühnen aufzutreten. Zu den üblichen Verdächtigen, die ihren festen Platz im Programm hatten, zählte auch immer „High Voltage“. Für die AC/DC-Coverband sollte das diesjährige ein besonderes Fest werden. Am Sonntagabend wäre auf dem Rathausplatz das Strohhutfest-Abschiedskonzert des Quartetts um Willi Brausch, Peter Stahl, Achim Kaul und James Hüther gestiegen. Ein Knaller zum Finale! Leider muss der Gig wegen eines unglücklichen Sturzes mit dem Rad ausfallen – irgendwie auch Rock’n’Roll, vor allem aber jammerschade. Deshalb: gute Besserung. Und: Dann muss der Abschied eben noch mal verschoben werden. Abgemacht?
Strohhutfest III: Konkret
Wer hätte gedacht, dass so etwas Kleines so große Wirkung erzielt? Die RHEINPFALZ-Meldung, dass an einigen Ampeln das Strohhutfestmännchen in Rot und Grün leuchtet, hat jedenfalls weite Kreise gezogen. Der Erfolg dieser Aktion war es wohl, warum die Frankenthaler CDU darauf hinweisen musste, dass sie auf ihren Antrag aus dem Dezember 2019 zurückging. Ganz klar: Klappern gehört zum Handwerk. Insbesondere dann, wenn es sich wie im konkreten Fall um einen Vorschlag mit gewaltiger politischer Tragweite handelt.