Frankenthal
RÜCK-SPIEGEL - Die Wochen-Kolumne
Merian: Gefunden
Wer sucht, der findet – ein biblisches Zitat aus dem Evangelium nach Matthäus. Der 70-jährige Axel Manfred Rumpf von Mansfeld ist nach eigenen Aussagen ein Suchender – und er findet dann ab und an etwas. In Bobenheim ist ihm ein anderer Matthäus quasi über den Weg gelaufen – ein Merian. Richtig alt oder vielleicht doch nicht ganz so alt? Das ist jetzt die Frage.
Kürzlich schlenderte der in Eppelheim bei Heidelberg lebende Künstler mit seiner Lebensgefährtin aus Bobenheim-Roxheim durch den Ortsteil Bobenheim. Aus einem Sperrmüllhaufen habe er die alte Karte von Frankenthal gezogen. 17. Jahrhundert, vermutet er. Das ist richtig. Was das Original betrifft. Denn der original Kupferstich stammt von Matthaeus Merian aus dem 17. Jahrhundert – 1640.
Auf den ersten Blick sei das am Straßenrand stehende Gut für ihn eine Anhäufung von Gegenständen, belangloses Zeug gewesen, berichtet von Mansfeld. Doch er sei eben von der Sammelleidenschaft befallen, sagt er. So sei ebenso schnell seine Aufmerksamkeit geweckt gewesen. Zuerst habe er gedacht, es sei ein Nachdruck. Eine Dame habe im Garten gearbeitet und auf Nachfrage gesagt: „Nehmen Sie den Plunder ruhig mit, das braucht dann der Sperrmüll nicht wegzuräumen.“ Gesagt, getan.
Zu Hause angekommen wurde das gute Stück vom Staube befreit und genau untersucht. Und von Mansfeld ist überzeugt. „Das ist ein richtig alter Schatz.“ Im Internet werden gut gemachte Nachdrucke des alten Merian-Stichs jedoch bereits ab knapp 20 Euro angeboten, mit der zumindest täuschend ähnlichen Rahmung, in der von Mansfeld die Karte gefunden hat, für rund 50 Euro.
Aber alt oder guter Nachdruck, ob wertvoller Schatz oder „nur“ ein Plagiat – der Wert eines Gegenstands liegt bekanntlich in der Wertschätzung des Einzelnen, im Auge des Betrachters. So kann vermeintlicher Sperr-„Müll“ zu einem Schmuckstück bei einem anderen Besitzer avancieren. Und eine Karte von Alt-Frankenthal taugt dazu allemal. Zumal der Eppelheimer laut eigener Aussage eine innige Beziehung zu Frankenthal hat. „Ich verweile gerne in der Stadt, bin berührt von ihrer Vergangenheit.“
Die Karte kommt ins ehemalige Kinderzimmer der Tochter der Lebensgefährtin – vorerst. Die hat ebenfalls eine Beziehung zur Stadt. Denn ihre Tochter wurde in Frankenthal geboren. Für das Fundstück hätte es schlechter laufen können – im Müllauto. Stefan Tresch
Bahn: Gestrichen
Schwitz, stöhn, jammer! Wer bei dieser Hitze arbeiten muss, hat’s schwer. Und wer mit der Bahn pendelt, erst recht. Denn oft hat die Klimaanlage im Zug wegen der hohen Temperaturen den Geist aufgegeben. Schlimm ist es auch, abends auf dem aufgeheizten Bahnsteig stehend auf den Zug nach Hause zu warten. Da riskiert man schon nach wenigen Minuten einen Kreislaufkollaps. Die Verfasserin dieser Zeilen hat sich deshalb diese Woche gemeinsam mit 30 bis 40 anderen Pendlern trotz Schmutz und Gestank zum Warten in den Untergrund verzogen: in die Bahngleisunterführung am Frankenthaler Hauptbahnhof. Wir waren gewillt, das Drecksloch erst kurz vor Abfahrt des Zugs zu verlassen. Wenn denn der Zug gekommen wäre. Er wurde ersatzlos gestrichen. Vermutlich wegen der Hitze. Waltraud Werdelis