Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Rück-Spiegel – die Frankenthaler Wochenkolumne

Die Zeit läuft: Vielleicht würde eine Sanduhr die Sitzungen städtischer Gremien verkürzen.
Die Zeit läuft: Vielleicht würde eine Sanduhr die Sitzungen städtischer Gremien verkürzen.

Sitzungen: Zeitlos

Gründlichkeit geht vor Geschwindigkeit – dieser etwas abgelutschte Kalenderspruch hat bei aller Großonkeligkeit natürlich seinen wahren Kern. Dass Tempo nicht zu Lasten der Sorgfalt erhöht werden sollte, das gilt für Zeitungsredaktionen. Es gilt aber auch für die kommunalpolitischen Gremien in Frankenthal. Zeit für Debatten und Nachfragen zu den dort behandelten Themen muss sein – gar keine Frage. Trotzdem gibt es aktuell gute Gründe, warum stundenlange Sitzungen vielleicht nicht noch zusätzlich gezogen werden müssten wie Kaugummi. Das Stichwort lautet – Überraschung – Corona. Der Ältestenrat, wo üblicherweise die Fraktionsvorsitzenden informell über aktuelle Themen der politischen Arbeit, aber auch deren organisatorische Aspekte sprechen, hat angesichts der Infektionslage vereinbart: Sofern möglich sollen sich Stadtrat und Ausschüsse in diesen entscheidenden Wochen kürzer fassen als sonst. Schließlich wird im Congress-Forum zwar mit Belüftungsanlage und Maske, aber halt dann doch in einem geschlossenen Raum getagt. Beim Schulträgerausschuss hat die Vorgabe zur knapperen Form schon mal nicht geklappt – wenngleich inhaltlich nachvollziehbar: Schulentwicklungsplan, Digitalpakt – alles wichtig, alles dringend. Am Ende standen dreieinhalb Stunden auf der Uhr. Der bange Blick in den Sitzungskalender verspricht kaum Besserung: Die Tagesordnung des Planungs- und Umweltausschusses umfasst 29 Punkte. Und die Haushaltssitzungen des Haupt- und Finanzausschusses am 1. und des Stadtrats am 9. Dezember sind – ganz nach guter Frankenthaler Tradition – ganztägig angesetzt. Nun ist Kommunalpolitik kein Wunschkonzert und die Haushaltsdebatte auch noch die Königsdisziplin. Aber vielleicht hilft beim Planen von Reden und Anfragen noch so ein Kalenderspruch: In der Kürze liegt die Würze.

Digitalpakt: Kabellos

Es hat ein bisschen gedauert. Aber: Die Digitalisierung der Frankenthaler Schulen nimmt Fahrt auf. Schon im Sommer 2021 soll drahtloses Internet in allen Gebäuden in Trägerschaft der Stadt installiert sein. Und wenn alles glatt läuft, dann kommen Anfang Dezember – quasi als eine Art Nikolausgeschenk – die über das Sofortausstattungsprogramm beschafften Tablets an. Offengeblieben war im Schulträgerausschuss die Frage, um welche Geräte es sich konkret handelt. Denn die sollten ja zu bereits vorhandenen dazupassen. Keine Ahnung, ob es weiterhilft: Von den 925 mobilen Endgeräten, wie sie so schön heißen, sind 367 IPads mit 32 und 197 IPads mit 128 Gigabyte Speicher des Herstellers Apple und 361 Notebooks des chinesischen Konzerns Lenovo. Hinzu kommen 231 weitere Geräte, die das Land für jeweils vier der regulär bestellten zusätzlich spendiert. Unterm Strich: 1156.

Was jetzt aber genau mit diesen Teilen veranstaltet wird, wollte Martin Svoboda (CDU) wissen. Naja, Zocken steht ja noch nicht auf dem Lehrplan. Ob es denn denkbar sei, eine Arbeitsgruppe einzurichten, in der pilotmäßig mit ein paar Klassen mal ausprobiert werden kann, was bei entsprechender technischer Ausstattung und Glasfaseranschluss alles möglich ist, hakte der Christdemokrat nach. Entkleidet man diesen Vorschlag mal um Svobodas Marketingsprech von Lehrern, die für ein solches Projekt „brennen“ müssten, und den „unterschiedlichen Absprunghöhen“ der Schulen, dann mag so etwas wünschenwert sein. Aber ganz ehrlich: Die Schulen haben derzeit wirklich andere Probleme. Jörg Schmihing

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