Frankenthal Rück-Spiegel: Die Frankenthaler Wochen-Kolumne
Wir über uns: Komplizierte Lage
Was machen Journalisten normalerweise, um Informationen für ihre Berichte und Kommentare zu sammeln und zu recherchieren? Sie besuchen Sitzungen kommunaler Gremien, sie führen Hintergrundgespräche, sie verabreden sich zu Ortsterminen – Alltag auch in der RHEINPFALZ-Lokalredaktion Frankenthal. Bis vergangene Woche. Spätestens die erste Allgemeinverfügung, mit der die Stadtverwaltung im Auftrag von Bund und Land auf die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus reagiert hat, markiert das Ende jeglicher Normalität nicht nur für uns Journalisten, sondern für alle Menschen in der Stadt.
Sars-Cov-2, wie der Erreger heißt, stellt das Leben auf den Kopf: Eltern müssen innerhalb kürzester Zeit überlegen, wie sie nach der Schließung der Schulen und Kitas ihren Nachwuchs betreuen und trotzdem arbeiten können. Firmen müssen sich intern neu formieren, um arbeitsfähig zu bleiben. Geschäftsleute fürchten um ihre Existenz, weil ihnen Einnahmen von heute auf morgen wegbrechen. Und nicht zuletzt gilt es auch diejenigen zu schützen und zu unterstützen, die rund um die Uhr für Sicherheit und Gesundheit der Bürger sorgen: Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und die Mitarbeiter der Stadtklinik.
Unsere Redaktion hält sich an die Empfehlung, soziale Kontakte zu reduzieren: Manche aus dem Frankenthaler RHEINPFALZ-Team arbeiten zu Hause. Andere Kollegen koordinieren wichtige Absprachen weiterhin aus unseren Räumen in der Glockengasse, wo wir aber seit dieser Woche und bis auf Weiteres aus naheliegenden Gründen keine externen Besucher mehr empfangen.
Trotz aller Widrigkeiten arbeiten wir weiter an einer aktuellen Tageszeitung, die möglichst viele Fragen und Facetten zu dem aktuellen Thema Nummer eins beantwortet und behandelt. Wir versuchen außerdem, wichtige Entscheidungen zum Coronavirus immer schnellstmöglich auch über www.rheinpfalz.de und unsere lokale Facebook-Seite zu veröffentlichen und ein möglichst vollständiges Bild der Lage in Frankenthal zu zeichnen.
Viele erleben die jetzige Entwicklung auch wegen dieser Fülle an Informationen als besorgniserregend und bedrohlich. Dennoch möchten wir neben diesen Fakten positive Aspekte nicht aus den Augen verlieren. Wo erleben Sie, liebe Leserinnen und Leser, gerade nachahmenswerte Hilfsinitiativen? Haben Sie vielleicht von Menschen gehört, die tolle Ideen entwickelt haben, um der Krise zu trotzen? Gibt es Erlebnisse, die Sie selbst hatten, die anderen Mut machen könnten? Schreiben Sie uns eine kurze E-Mail an redfra@rheinpfalz.de! Wahrscheinlich können wir nicht über alles berichten, aber ein paar dieser Geschichten greifen wir auf und erzählen sie. JÖRG SCHMIHING
Hausmusik: Konzertierte Aktion
Die Italiener hatten damit begonnen, und vergangene Woche zogen die Österreicher nach. Wer macht mit beim gemeinsamen Musizieren an Fenstern und Balkonen? Dass dieser Aufruf zum „Flashmob von Zuhause aus“ auch irgendwann Frankenthal erreichen würde, war nur eine Frage der Zeit. Und jetzt steht er, der Termin: „Am Sonntag, 22. März, Punkt 18 Uhr spielen alle Musiker*innen aus dem Fenster!“ Auch Alexander Petry, Dirigent beim GMV Lambsheim, bekam diese Nachricht per Whatsapp zugeschickt. Noch schneller als das Netz war allerdings Petrys Nachbar Georg Ullrich. Der Hobby-Trompeter hatte sich bei befreundeten Musikern bereits umgehört und auch Petry mit ins Boot geholt. Aus einer vom Sofa aus entwickelten Eigeninitiative entstand so innerhalb kürzester Zeit eine konzertierte Aktion. Inzwischen existiert sogar eine Set-List für den „Frühlingsflashmob“ am kommenden Sonntag: „Der Frühling hat sich eingestellt“, „Kuckuck, ruft’s aus dem Wald“, „Kommt ein Vogel geflogen“, „Alle Vögel sind schon da“ und „Winter ade“. Ursprünglich war geplant, dass der GMV diese Lieder beim Lambsheimer Stabauszug spielt. Weil die Veranstaltung wegen des Coronavirus aber abgesagt wurde, hat man sich in Lambsheim nun ein neues Ziel gesetzt: Im ganzen Ort sollen Frühlingslieder erklingen. Und zwar am Sonntag um Punkt 18 Uhr. Mitmachen kann jeder. Auch die Frankenthaler. EVA BRIECHLE
Hauptauschuss: Kritische Distanz
Diese Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses Frankenthal am Dienstagabend wird in Erinnerung bleiben: Um im Zeichen der Corona-Krise genügend Abstand zwischen den Teilnehmern gewährleisten zu können, hatte die Stadt den großen Saal des Congress-Forums räumen lassen. Hoffen wir, dass sich die Anstrengung gelohnt hat. Bleiben Sie gesund! STEPHAN PIEROTH