Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Produzent Uwe Urbas aus Bobenheim-Roxheim über neue ZDF-Serie

Für die Serie „Familie Braun“ hat Mitproduzent Uwe Urbas den renommierten amerikanischen Emmy-Award bekommen.
Für die Serie »Familie Braun« hat Mitproduzent Uwe Urbas den renommierten amerikanischen Emmy-Award bekommen.

Eigentlich gibt Uwe Urbas nicht gerne Interviews. Der Filmproduzent aus Bobenheim-Roxheim hat sich bewusst einen Job fernab vom Rampenlicht gesucht. Doch ihn treibt die Heimatliebe um, persönlich und im Job. Für das ZDF hat er eine neue Abendserie produziert, in der ein entwurzelter Migrant ein neues Zuhause findet. Im Interview spricht er über die Dreharbeiten unter Corona-Bedingungen – und darüber, warum er lieber nicht in der Pfalz filmen möchte.

Herr Urbas, im Netz habe ich keine Interviews mit Ihnen gefunden, warum?
Ich habe mir bewusst einen Job hinter der Kamera gesucht. Ich gebe selten Interviews und werde auch nicht gerne fotografiert.

Jetzt darf ich Sie dennoch interviewen. Wieso haben Sie Ja gesagt?
Ich mach das aus Verbundenheit zu meiner Heimatregion. Außerdem freut sich mein Papa.

In der Pfalz gedreht haben Sie bislang aber nicht.
Zu Hause kennt man jeden Ort. Aber das ist mein privates Ding. Das will ich nicht verfilmen. Es gibt viele Kollegen, die die Pfalz für sich entdeckt haben – den „Tatort“ Ludwigshafen, die Serie „Weingut Wader“ in Neustadt. Ich will die Pfalz so behalten, wie sie für mich ist. Nicht, weil ich sie nicht schön finde. Man muss ja nicht überall drehen.

In der Uckermark haben Sie zuletzt „Doktor Ballouz“ gedreht. Worum geht es? Zeigt die Serie eine heile Welt, oder das authentische Leben im Krankenhaus?
Hier geht es um Heimat und etwa Fragestellungen zum Thema Tod. Das beschäftigt mich auch privat. Mein Papa ist 86, meine Mutter 82. Oft frage ich mich, was ist, wenn meine Eltern nicht mehr da sind. Die Serie ist eine Utopie. Ich bin nicht angetreten, um den Leuten Angst zu machen. Dafür ist der „Tatort“ da. Trotzdem sterben in der ersten Staffel drei Menschen. Dass ein Krankenhaus auch Tod bedeutet, das wird in deutschen Serien selten erzählt. Wenn man den Zuschauern mitgibt, dass dieser Abschied okay ist, hilft das.

Würden Sie es als gutes Timing bezeichnen, dass die Serie gerade in der Pandemie ausgestrahlt wird?
Ich denke, sie kommt zur rechten Zeit. Man hat die Sehnsucht nach Geborgenheit und nach jemandem, der da ist und sich Zeit nimmt. Wir haben so viel Nähe verloren in den letzten Monaten. Ich muss schon überlegen, wann ich das letzte Mal einen Freund in den Arm genommen habe. Mir fehlt die Nähe. Ich bin ja ein großer Drücker. Man schämt sich schon, wenn man jemandem die Hand geben will. Ich denke dann immer, die Hand geben darf man nicht, ich muss jetzt den Fuß geben.

Wie lief der Dreh unter Corona-Bedingungen ab?
Im März 2020 mussten wir nach zwölf Tagen den Dreh für mehrere Monate unterbrechen. Es gab verschiedene Ideen, wie wir die Arbeit wieder aufnehmen könnten: die Drehbücher umschreiben, anderthalb Meter Abstand zwischen den Darstellern halten und auf Szenen mit großer Nähe verzichten. Mir war klar, dass wir die Serie unter diesen Umständen nicht drehen können. Eine Arztserie lebt davon, dass Ärzte ihre Patienten anfassen.

Wie haben Sie das Problem gelöst?
Wir haben die Schauspieler alle zwei Tage getestet und einzeln zum Set gefahren. Wir haben mit dem Team und den Schauspielern darüber gesprochen, dass sie durch ihr Verhalten insbesondere in der Freizeit für die Gesundheit der Kollegen verantwortlich sind. Teilweise waren unsere Schauspieler über 80 Jahre alt. Wir haben es ihnen freigestellt, ob sie drehen wollen. Alle sind angetreten. Das hat super funktioniert. Alle sind zwischen den Drehtagen zu Hause geblieben. Im August waren wir fertig.

Wie war es hinter der Kamera?
Da wurden die Abstandsregeln strikt eingehalten und permanent Masken getragen. Um den Dreh sicher zu gestalten, wurden alle Requisiten desinfiziert, die Schauspieler waren nicht mit Mikros verkabelt. Dafür gab es die berühmten Tonangeln. Die Darsteller haben sich selbst ihre Kostüme angezogen. Die Maskenbildner trugen Gesichtsschilder plus FFP2-Maske und Handschuhe, teilweise sogar Körperanzug. Manchmal sah es so aus wie auf einer Intensivstation. Ich hab immer gesagt, dass unser Set der sicherste Ort der Welt sei. Wenn ich in den Supermarkt gehe, sitzt da eine Verkäuferin, die vielleicht eine Maske trägt und hinter einer kleinen Plexiglasscheibe hockt. Ich habe mit sehr vielen Ärzten telefoniert und mich beraten lassen. Darüber hinaus wurden wir von einer Ärztin der Charité betreut und hatten einen Arzt vor Ort. Dass wir keinen Corona-Fall hatten, zeigt, dass wir alles richtig gemacht haben.

Was sagt der echte Ballouz zur Serie?
Vor Kurzem haben wir ihm ein paar Folgen gezeigt. Ich hatte ehrlich gesagt etwas Angst, dass er mich prügelt und sagt: „Was hast du gemacht!?“ Aber das Gegenteil war der Fall. Ihm standen zum Teil die Tränen in den Augen. Einmal hat er mir auf die Schulter geklopft. Das war bei einem Monolog in der ersten Folge. Da sagt Ballouz zu einem Mädchen, dass man eine neue Familie finden kann, wenn man sein Herz öffnet. Das hat ihm unfassbar gefallen, weil es seine DNA ist. Weil das seine Idee ist, weshalb er Medizin macht und helfen will.

Ist „Doktor Ballouz“ wie „Familie Braun“ ein Statement gegen Fremdenfeindlichkeit?
Ich finde, 2021 sollte man nicht erzählen, dass ein Ausländer irgendwo in Deutschland Probleme hat, weil er ein Ausländer ist. Das ist keine gute Haltung. Fremdenhass sollte man nicht vorführen – auch wenn ich weiß, dass er dem echten Ballouz widerfährt. Ich zitiere dazu Conni Lubek, die Headautorin der Serie. Sie sagt: „Dr. Ballouz ist Migrant, aber darum geht es nicht. Die Tatsache, dass wir das nicht besonders ausstellen, ist als Statement zu verstehen.“

Wohin geht es in Ihrem neuen Filmprojekt?
Nach Berlin, in die Torstraße 1. Direkt hinter dem Gebäude wohne ich. Zeitlich gesehen ist es eine Reise 100 Jahre zurück. Es ist eine historische Serie, die Geschichte einer unerfüllten Liebe, die eng mit der deutschen Geschichte verbunden ist. Im Sommer wollen wir mit dem Dreh starten. Ich denke, 2022 wird sie ausgestrahlt.

Zur Sache: Die Serie

Die sechsteilige Serie „Doktor Ballouz“ spielt in der idyllischen, aber strukturschwachen Uckermark an der polnischen Grenze. Amin Ballouz (Merab Ninidze) leitet dort ein kleines Krankenhaus und ist der Prototyp des idealistischen Landarztes. Mit seinen Patienten beschäftigt er sich ganzheitlich – durch seinen zuweilen kriminalistischen Spürsinn kommt Ballouz den Lebensproblemen der Kranken auf die Spur und findet unkonventionelle Lösungen. Die Serie beruht auf Motiven des Sachbuchs „Deutschland draußen: Das Leben des Dr. Amin Ballouz, Landarzt“ von Jasper Fabian Wenzel. Die ersten zwei Folgen werden im ZDF am Donnerstag, 8. April, um 20.15 Uhr ausgestrahlt. Alle Folgen gibt es bereits ab 1. April in der ZDF-Mediathek.

Zur Person

Uwe Urbas wurde in Mannheim geboren und ist in Bobenheim-Roxheim aufgewachsen, wo er auch Sitzungspräsident der „Zellerieköpp“ war. Nach dem Abitur in Worms und dem Zivildienst in Frankenthal machte der heute 42-Jährige ein Praktikum bei Pro7 in München, wo er später Aufnahmeleiter der Comedy-Show „Bullyparade“ wurde. Nach dem Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg kam er als Junior-Produzent zur Bavaria Fernsehproduktion und betreute dort über 800 Folgen der Telenovela „Sturm der Liebe“. Als Filmproduzent der Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft wurde Urbas später durch das mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Filmdrama „Blaubeerblau“ bekannt. Seit 2017 gehört er zum Team von X Filme Creative Pool und landete als Mitproduzent der mit dem Emmy ausgezeichneten Serie „Familie Braun“ einen internationalen Erfolg.

Doktor Ballouz (Merab Ninidze) macht ein Röntgenbild von Emil dem Stoffhasen, um das Vertrauen von Floris zu gewinnen.
Doktor Ballouz (Merab Ninidze) macht ein Röntgenbild von Emil dem Stoffhasen, um das Vertrauen von Floris zu gewinnen.
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