FRANKENTHAL
Produkte aus fairem Handel stärker gefragt
Seit 2017 führt Frankenthal den Titel Fairtrade-Stadt, der vom Verein TransFair in Köln vergeben wird. Mit dieser Auszeichnung sollen auf kommunaler Ebene Initiativen gefördert werden, die sich für fairen Handel (Fairtrade) und fairen Umgang mit Produzenten und Beschäftigten in den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas einsetzen: für existenzsichernde Löhne, für menschenwürdige Arbeitsbedingungen, Gleichberechtigung und nachhaltiges, umweltschonendes Wirtschaften.
Auftakt 2013
Ein gemeinsamer Antrag der Fraktionen SPD und Grüne/Offene Liste im Stadtrat, im Dezember 2013 einstimmig angenommen, hatte in Frankenthal den Anstoß gegeben, sich für dieses Thema zu engagieren. Dass der Verein TransFair die Stadt auf dem richtigen Kurs sieht, zeigte sich zuletzt im Januar: Da kam die Nachricht, dass der Titel Fairtrade-Stadt weitere zwei Jahre geführt werden darf. Frankenthal ist mittlerweile eine von mehr als 700 anerkannten Städten in Deutschland und mehr als 2000 weltweit, die sich für dieses Thema engagieren.
Seit 2014 koordiniert eine Steuerungsgruppe die Aktivitäten, sie tagt in der Regel zweimal jährlich. Ralf Zeeb, Vorsitzender des Vereins Dritte Welt Frankenthal, der den Weltladen betreibt, ist von Beginn an einer der beiden Vorsitzenden. In der Stadtverwaltung kümmert sich Stephanie Scheu, Abteilungsleiterin für allgemeine Verwaltung, federführend um das Thema. Beide ziehen im RHEINPFALZ-Gespräch mit Blick auf die bisherigen Aktivitäten eine positive Zwischenbilanz, ohne in übertriebenen Jubel zu verfallen.
Zweifellos sei es ein „ziemlicher Erfolg“, dass Frankenthal sich auf diesen Weg gemacht habe, sagt Zeeb. Und „das Thema ist seitdem wesentlich präsenter geworden“, stellt er fest – gerade in der Stadtverwaltung. Auch im Einzelhandel und in der Gastronomie gebe es – nach mitunter „zähen“ Anfängen – mittlerweile erkennbar mehr Interesse.
Congress-Forum zieht mit
Das kann Stephanie Scheu mit Zahlen unterlegen. Sechs Gastronomiebetriebe seien mittlerweile erfasst, die mindestens je zwei Angebote aus fairem Handel machen, und 15 Einzelhandelsgeschäfte, die jeweils mindestens zwei fair gehandelte Produkte anbieten. „Das sind mehr als bisher“, sagt Scheu. Dass die Stadtverwaltung bei Sitzungen und anderen Anlässen fair gehandelten Kaffee und Fruchtsaft auftischt, war von Beginn an so. Dass das städtische Congress-Forum bei Getränken nachgezogen habe, rechnen Scheu und Zeeb zu den erzielten Fortschritten.
Damit die Zertifizierung als Fairtrade-Stadt erhalten bleibt, verlangt der Verein TransFair, dass entsprechende Aktivitäten weiterer Institutionen und gesellschaftlicher Gruppen nachgewiesen werden. Bei den Schulen zählen Scheu und Zeeb Albert-Einstein-Gymnasium und Pfalzinstitut für Hören und Kommunikation zu diesem Kreis, zu den weiteren Unterstützern DGB, City- und Stadtmarketingverein, Weltladen und Volkshochschule.
Die Corona-Pandemie hat 2020 dazu geführt, dass eine Reihe geplanter Aktivitäten nicht stattfinden konnte. Immerhin: Im März habe es eine Vortragsveranstaltung zum Lieferkettengesetz im Dathenushaus gegeben, hält Zeeb fest, und im September habe man auf dem Wochenmarkt eine Ausstellung zu fairem Handel platzieren können.
Andererseits: Ein geplanter Stand in der Fußgängerzone, Aktivitäten zum 1. Mai, zum Weltladentag, zum Internationalen Fest und zum Frauenfrühstück – das alles habe ausfallen müssen. Was davon im laufenden Jahr (wieder) möglich sein wird, ist noch nicht überschaubar.
Plakataktion geplant
Der Weltladen plant nach Angaben Zeebs eine Aktion zum Equal Pay Day (Tag der gleichen Bezahlung, 14. März), an dem auf die oft unterschiedliche Entlohnung von Frauen und Männern aufmerksam gemacht wird: Am Montag, 15. März, soll es für Frauen, die dort einkaufen, „einen Rabatt in Höhe dieser Einkommenslücke“ geben. Aktionen sind auch – wenn möglich – zum Weltladentag im Mai und zur Fairen Woche im September geplant. Möglichst wieder anbieten möchte man auch das „Faire Frühstück“ in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei: „2019 war Premiere, 2020 musste es ausfallen.“
Geplant sei eine Plakataktion, die über das Thema Kakao-Produktion informieren soll, kündigt Stephanie Scheu an. Damit knüpft man an die Kampagne des Vereins TransFair an, die sich unter dem Titel „Sweet Revolution“ gegen „unfaire Bedingungen im Kakaohandel“ wendet. Geeignete Aushangflächen, gerade in Geschäften, werden noch gesucht. Die Steuerungsgruppe tage bis auf weiteres digital.