Frankenthal
Praline: Frankenthaler Eckstein 25 Jahre alt
„Das Wappen zeigt in Schwarz einen rechtshin gekehrten goldenen rot bewehrten und gekrönten Löwen, in der erhobenen rechten Tatze einen goldenen Reichsapfel tragend, mit der linken einen kleinen roten Schild haltend, in dem sich ein goldener dreieckiger Eckstein befindet.“ Das ist die offizielle Beschreibung des Frankenthaler Stadtwappens in seiner Form von 1954. Und die hat den Ludwigshafener Karl-Heinz Kehl vor zweieinhalb Jahrzehnten inspiriert: Wie wäre es, eine diesem Eckstein nachempfundene Süßigkeit zu entwickeln?
Gedacht war das Ganze als eine weitere Möglichkeit, Einnahmen für den Kiwanis-Club zu generieren, dessen Schatzmeister Kehl nach wie vor ist. Die Schwierigkeit, erinnert sich der frühere Inhaber des Heimtextilhauses Dörr, habe vor allem darin bestanden, einen Hersteller für das von ihm erdachte Produkt zu finden: „Es gab einige, die haben diesen Auftrag abgelehnt.“ Die für den Tetraeder benötigten, speziellen Formen seien teuer, so der 83-Jährige. Fündig wurde Kehl schließlich in Belgien und Norddeutschland.
Rettung aus der Heimat
Seitdem gibt es ihn: den Eckstein als Praline mit einer Hülle aus Zartbitter-Schokolade, einem Tupfer weißer Glasur auf der Spitze und einer Ganachefüllung mit einem Hauch Orangen-Aroma. Produziert wird er aber längst nicht mehr als Auftragsware, sondern sozusagen in seiner Heimat. Als Karl-Heinz Kehl nämlich die Fremdfirmen absprangen, wurde seiner Schilderung nach ein Frankenthaler Betrieb zum Retter der Spezialität: die Confiserie Filling und ihr Chef Stefan Filling (52).
Der Chocolatier hat den Eckstein („ein zu hundert Prozent handwerkliches Produkt“) noch einmal perfektioniert. Das Geheimnis der Praline ist aus Sicht des Profis die Kombination aus der knackigen Schokolade und der zarten Füllung, die aus Sahne und Schokolade mit einem Schuss des Orangenlikörs Cointreau gekocht wird. Nach der Produktion kommen die Leckereien nicht direkt in den Verkauf, sagt Stefan Filling. Damit der Geschmack rund und stimmig wird, müssen die Pralinen sieben Tage reifen.
Als Mitbringsel beliebt
Karl-Heinz Kehl jedenfalls hat auch ein Vierteljahrhundert nach Erfindung der Eckstein-Praline immer noch Spaß am Probieren: „Einfach sehr lecker“, findet er. Seiner Erinnerung nach hätten die Stadtoberhäupter Peter Popitz (SPD) und Theo Wieder (CDU) den Eckstein als Gastgeschenk geschätzt. „Das waren süße Oberbürgermeister“, scherzt Kehl. Nach Fillings Beobachtung wird die Spezialität außerdem häufig als Mitbringsel für und von Austauschschülern gekauft. Der Kundenkreis für das Produkt sei breit angelegt: Es spreche Jung und Alt gleichermaßen an. Was übrigens auch für sein Rathaus-Café gelte. Das Konzept eines klassischen Kaffeehauses funktioniere. Und: „Das Know-how steckt in den Rezepten“