Frankenthal
Polizei: Stadt und Umland so sicher wie seit Langem nicht mehr
Das Virus, es wird seine Spuren auch in der polizeilichen Kriminalitätsstatistik hinterlassen – da ist sich Achim Schäfer ganz sicher. Wie und in welchem Umfang sich die Pandemie auswirkt, dazu kann der stellvertretende Chef der hiesigen Inspektion, zu deren Dienstgebiet neben Frankenthal und Bobenheim-Roxheim die Verbandsgemeinden Lambsheim-Heßheim sowie Maxdorf zählen, nur Vermutungen anstellen: Weil Gaststätten eine Weile aus Gründen des Infektionsschutzes geschlossen und Kneipen zu bestimmten Zeiten gerne einmal Ausgangspunkt von Körperverletzungen waren, könnten die Zahlen dafür ein wenig runtergehen. Ähnliches erwartet Schäfer auch bei den Ladendiebstählen. Möglicherweise gleiche sich das aber auch mit einer höheren Anzahl von Betrugsfällen aus. „Es gab schon einige Onlinesachen, die bei uns aufgeschlagen sind“, sagt der erfahrene Kriminalbeamte.
Pornobilder verschickt
Die „ganz große Erklärung“ für den dritten Rückgang der Gesamtdeliktzahl in Folge hat Achim Schäfer nicht. Dass die Zahlen schwankten, im vergangenen Jahr von 5438 auf 5219 zurückgingen, das hänge oftmals auch etwas vom Zufall ab. So sei 2019 beispielsweise im Bereich Straßenkriminalität eine Tätergruppe aus dem Raum Ludwigshafen aktiv gewesen, die aber recht schnell ermittelt werden konnte. „Es gibt kein Phänomen, das herausragt“, sagt der stellvertretende Inspektionschef. Außer vielleicht, dass auch die Anzahl der sogenannten Massendelikte deutlich gesunken ist: bei den Diebstählen von 1525 auf 1422, bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten von 1031 auf 891.
Wie deutlich sich zuweilen Einmaleffekte in der Statistik der Polizei niederschlagen zeigt ein anderes Thema: 76 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und damit mehr als doppelt so viele wie 2018 stehen in dem Zahlenwerk der Polizei. Abgesehen davon, dass die 37 Fälle des Vorjahrs im Vergleich einen sehr niedrigen Wert darstellten, seien 2019 sehr viele Anzeigen wegen Verbreitens pornografischer Schriften eingegangen. Vielfach der Anlass laut Achim Schäfer: das Verschicken von entsprechend sexistischen Bildern übers Smartphone über Messengerdienste wie Whatsapp. Die Täter: Jugendliche, denen nach Beobachtung der Beamten häufig das Unrechtsbewusstsein für ihr Handeln fehlt.
Erfreulicher Trend
Ein erfreulicher Trend hat sich nach Darstellung der Inspektion 2019 bei den Wohnungseinbrüchen fortgesetzt. Nach dem Höhepunkt vor fünf Jahren, als 222 Taten in Frankenthal und Umgebung erfasst worden waren, sei die Anzahl der Einbruchsdelikte auf 68 gesunken und damit auf den niedrigsten Stand seit 2012. In mehr als der Hälfte der Fälle blieb es beim Versuch. Für Achim Schäfer ist die landesweit zu beobachtende Entwicklung „der nachhaltige Erfolg einer breit angelegten Strategie bei der Bekämpfung“.
Ein anhaltendes Phänomen gibt es aber auch, das dem Ersten Kriminalhauptkommissar einige Sorgen macht: Auch 2019 wieder kam es 110 Mal zu Straftaten, deren Opfer Polizisten, andere Vollzugsbeamte oder Einsatzkräfte von Rettungsdiensten und Feuerwehr waren. Unter diese Rubrik fallen neben Widerstandshandlungen vor allem aber Beleidigungen, Bedrohungen und Nötigungen. Für Achim Schäfer ist das vor allem „Ausdruck des schwindenden Respekts“ den Amtspersonen und deren Tätigkeit gegenüber. „Das muss man im Blick behalten.“
Zur Sache: Täter und Opfer
Von den insgesamt 5438 Fällen, die in der polizeilichen Kriminalitätsstatistik für Frankenthal und Umgebung verzeichnet wurden, haben die Ermittler nach Angaben der Verantwortlichen 61,7 Prozent aufgeklärt. Den größten Anteil an der Arbeit der Beamten machen Diebstähle (27,2 Prozent) und die sogenannten Rohheitsdelikte wie Körperverletzung, Raub oder Nötigung (20,8 Prozent) aus. Die Polizei hat zu den Fällen 2562 Tatverdächtige gefunden – darunter ein gutes Fünftel jünger als 21 Jahre. 120 mutmaßliche Täter waren sogar 14 Jahre und jünger. 1879 der Verdächtigten waren Deutsche, 773 hatten keinen deutschen Pass. Diese Verteilung entspricht in etwa derjenigen der Vorjahre. Deutlich mehr Männer (1933) als Frauen (627) gerieten im vergangenen Jahr unter Tatverdacht. Opfer einer Straftat wurden nach Darstellung von Achim Schäfer, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Frankenthal, 1376 Menschen – 810 Männer, 566 Frauen.