Frankenthal Poesie und Perfektion

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Mit seiner neuen Show „Sensation“ gastierte der Moscow Circus On Ice am Freitag im Congress-Forum. Dabei begeisterte der nach eigener Darstellung erste Eiszirkus der Welt gleich in zwei Vorstellungen das Frankenthaler Publikum.

Zwei Stunden Poesie und Perfektion konnten die Besucher im fast ausverkauften Congress-Forum erleben. Seit mehr als 50 Jahren verbindet der Moscow Circus On Ice Zirkuskünste wie Jonglage, Clownerie und Akrobatik mit Eistanz. Innerhalb ihrer Europatournee hat die 21-köpfige Truppe des Nikulin Moscow Circus die Eisfläche am Stammsitz in Moskau gegen mobile Spielflächen in Hallen und Eisstadien eingetauscht. Eins vorweg: Echtes Eis hatten die Künstler in Frankenthal nicht unter den Kufen, ihr „Kunsteis“ bestand aus Kunststoff-Verbundplatten mit vergleichbaren Gleiteigenschaften. Ob Hightech oder Echteis, die Wahl der Spielfläche hänge vom Veranstaltungsort ab, betonte die künstlerische Leiterin Natalia Abramova. So oder so, das Programm tat seinem Namen alle Ehre. Aufwendig und raffiniert die Kostüme von Natalia Chistova, ausgeklügelt und stimmungstragend die Lichtregie. Die Musikauswahl war vielfältig und fantasievoll. Luftnummern an Schaukel und Trapez waren in Frankenthal nicht im Programm, dafür umso mehr rasante Manegenkunst auf Kufen und Rädern, mit Keulen, Diabolos und Reifen sowie Bodenartistik und technisch ausgereifter Eistanz in überzeugender Symbiose. Die Illusion war nahezu perfekt, denn die Nummern wurden mit einer Leichtigkeit und Spielfreude dargeboten, wie man sie sonst nur auf klassischem Manegenboden zu sehen bekommt. Das Programm war kurzweilig und voller Höhepunkte. Rasante Passagen wechselten mit poetischen Bildern. Diese Kunstfertigkeit und Spielfreude ließ die Kufen unter den Füßen der Artisten vergessen. Als Herrin der Ringe brachte Victoria Polyakova gleich zwei Dutzend Hula-Hoop-Reifen eistanzend zum Rotieren. Rad-Kunst auf Gummispike-Reifen, mit hohem Einrad und auf zwei Rädern, brachte die Truppe um Kirill Abramov auf die glatte Fläche. Als kesse Früchtchen begeisterte die Rope-Skipping-Darbietung der Gruppe um Nikita Smirnov mit virtuosen Seilspringvariationen zu mitreißenden Sambarhythmen. Momente zum Träumen gab es reichlich, etwa bei der Eistanzquadrille der vier Elemente und vier Jahreszeiten: Auf meterhohen Stelzenkufen, umweht von bunten Chiffonkaskaden, schwebten die Tänzerinnen ausdrucksstark und scheinbar mühelos über die weiße Fläche. Spannungsreich auf gleitenden Kufen war auch die Darbietung der „Maschinen-Menschen“ mit Äquilibristik, Menschenpyramiden und Todeswirbel. Tanz auf dem Eis gab es in vielerlei Variationen zu sehen: Die Showeinlagen im klassischen Revuestil mit Federn und Strass erinnerten an Paraden im Pariser Lido oder an „Holiday On Ice“, schienen stellenweise den begrenzten Bühnenraum zu sprengen, wirkten aber dennoch lockerleicht und harmonisch. Acht Artistenpaare brachten zu Musicalsongs, Tango Nuevo und Sambarhythmen abwechslungsreiche Formationen auf die Fläche. Mit „Quick Change“, einem getanzten Liebesduett mit rasantem vierfachen Kostümwechsel im Sekundentakt, verblüfften die Solisten Daria Abramova und Kirill Begichev das staunende Publikum. Und wie im Zirkus üblich, durften auch die Clowns nicht fehlen. Sie unterhielten zwischendurch immer wieder, mal als Liebespaar im Sumo-Ringer-Stil, mit Ball- und Hut-Jonglage oder als verwegene „Gewichtheber“ und munteren Slapstickeinlagen. (bik)

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