FRANKENTHAL
Pilgerpfad-Dialog: Fragen zu Neubauten
Weniger Besucher als am 18. Juli, als zum öffentlichen Auftakt Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) und Bauamtsleiterin Marika Denzer vor Ort waren, kamen am Dienstag, um sich an dem großen Planungstisch und den Stellwänden zu informieren und ihre Meinung zu sagen. Rund 60 Personen seien es gewesen, schätzten die Mitarbeiter der Stadtberatung Sven Fries kurz vor Ende der Veranstaltung. Das Büro organisiert den Dialog für die Stadt.
Es war zu beobachten, dass der Fokus der Diskussion etwas von dem ursprünglichen Hochhausbau über dem Edeka-Markt abgerückt ist. Das Bauvorhaben ist jedoch nicht aus dem Blick geraten: Die meisten Besucher lehnen ein weiteres Hochhaus ab. Doch es gibt auch Stimmen, die Bautätigkeit begrüßen würden.
Zwei neue Wohngebäude
Viel Gesprächsbedarf hatte Wolfgang Derus von der Bürgerinitiative mit Blick auf die geplanten Neubauten der Baugesellschaft westlich des Ökumenischen Gemeindezentrums. Zwei Wohngebäude mit sieben beziehungsweise 21 Wohneinheiten sollen entstehen, so Derus. Mindestens ebenso wie die Bauten, die zu einer weiteren Verdichtung des Quartiers führten, stört viele Besucher, dass für die benötigten Parkplätze Grünfläche weichen soll.
Der Anliegerverkehr für die Wohnhäuser soll über die nach Meinung vieler Anwohner schon jetzt überlastete Hanns-Fay-Straße führen. Die habe durch das neue Bäckerei-Café am Übergang zur Mahlastraße schon einen verkehrstechnischen Brennpunkt hinzubekommen. „Der Verkehr läuft doch bereits jetzt nur, wenn die Gehwege befahren werden“, ist nicht nur die Meinung von Heinz Buhlmann.
Kritik an Fragebogen
Margarethe Larsen treibt der Fragebogen um, mit dem die Anliegen der Anwohner zur Entwicklung des Pilgerpfads erfasst werden sollen. Den sieht Larsen als wenig aussagekräftig an. „Es wird gar nicht erfasst, in welchem Bereich des Pilgerpfads die Leute wohnen, die den Fragebogen ausfüllen. Das ist aber entscheidend“, meint sie. Menschen, die im äußeren Bereich leben, hätten ein ganz anderes Lebensgefühl, ganz andere Anliegen als die im inneren Bereich. Carsten Schulze, evangelischer Pfarrer im Gemeindezentrum, wirft ein, dass er jüngst oft von Leuten angesprochen wird, die die Fragen als suggestiv empfinden.
Einige Besucher sagen offen, dass sie froh seien, dass der Oberbürgermeister bei diesem Termin nicht da ist. „Der hat was im Kopf und will es durchsetzen“, meint Derus. Gertrud Maasch ist misstrauisch: „Ich habe Bedenken, dass am Ende doch gebaut wird und wir nicht mehr gefragt werden.“ Edith Merkel lebt gerne im Pilgerpfad. Doch der Jakobsplatz sei in den 1980er-Jahren eine Begegnungsstätte gewesen. Davon sei er heute weit entfernt. „Es ist ein toter Platz, der aufgewertet werden muss“, ist ihre Meinung. Den 88-jährigen Hanns Günter Krüger treibt ein anderes Thema um. Ihn stört es, dass die Benderstraße die Haupttangente zur Bundesstraße 9 ist. Für den Radverkehr und Fußgänger sei das eher eine schwierige Straße.
Kattler: Konstruktive Gespräche
Matthias Kattler vom Bereich Bauen und Planen hält am Dienstag für die Stadt die Stellung bis zum Schluss der Veranstaltung. Sauberkeit im Wohnviertel, Fußwege, die negative Entwicklung der Sozialstruktur, die Aufenthaltsqualität insbesondere am Jakobsplatz, die Verkehrsbelastung und das Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs sowie die Pflege der Grünflächen seien unter anderem Themen, auf die er vermehrt angesprochen worden sei, sagt er auf Nachfrage. „Es waren kritische, aber konstruktive Gespräche“, sagt Kattler. Die meisten Leute seien offen für Veränderungsprozesse.
Kerstin Eisel von Stadtberatungsbüro Fries empfand den zweiten Bürgerdialog auf dem Jakobsplatz als angenehme Veranstaltung. „Die Leute freuen sich, reden zu können. Meistens ging es um Grundinformationen.“ Insbesondere an Eltern, die zur Einschulung zur Friedrich-Ebert-Schule gekommen seien, habe man Fragebogen verteilt. Erfreulich sei: „Die meisten Leute leben gerne hier. “