Frankenthal
Pflege: Stützpunkte bieten Beratung und Hilfe an
„Wir informieren, beraten und unterstützen am Telefon, schriftlich, bei einem Treffen im Pflegestützpunkt und bei Hausbesuchen“, umreißt Sybille Wolf das Angebot. Das Beratungsgebiet umfasse die Stadt und ihre Vororte. Immer wieder gebe es auch Anfragen aus den Umlandgemeinden, vorwiegend aus Bobenheim-Roxheim und Heßheim. Für diese sei jedoch der Pflegestützpunkt in Lambsheim zuständig, erläutert Wolf. Rund 800 Fälle werden jedes Jahr bearbeitet. „Die Tendenz ist steigend“, sagt Wolfs Kollegin Dagmar Rademacher.
Thematisch decken die Angebote der Pflegestützpunkte im Foltzring 12 (Hieronymus-Hofer-Haus) und in der Schmiedgasse 47 (Arbeiterwohlfahrt), die kostenfrei und vertraulich sind, ein breites Feld ab. Es beginnt häufig mit Fragen rund um den Pflegegrad. Dabei stellen die Beraterinnen oft fest, dass die Betroffenen mit dem Ausfüllen der Anträge nicht klarkommen und die Unterschiede zwischen Pflegebedarf und hauswirtschaftlichen Hilfen nicht verstehen. Stark nachgefragt werden Angebote zur Entlastung pflegender Angehöriger, die nicht selten ebenfalls im fortgeschrittenen Alter sind. Dann kommen die zehn in Frankenthal tätigen ambulanten Pflegedienste zum Zug.
Zuwendungen in Härtefällen
„Wir bilden die Schnittstelle und setzen bei unserer Beratung auf sozialraumorientierte Netzwerkarbeit“, berichtet Heike Schäfer, die Dritte im Bunde der Frankenthaler Pflegeberaterinnen. Vielfach würden sie auch mit Fällen konfrontiert, bei denen die Menschen noch nicht pflegebedürftig seien, aber die Alltagsgeschäfte – etwa Einkauf oder Reinigung der Wohnung – nicht mehr selbst erledigen könnten. Neuerdings gebe es in der Stadt für hauswirtschaftliche Dienste ein mobiles Hilfezentrum, so Wolf.
Die Pflegestützpunkte sind darüber hinaus Anlaufstelle, wenn es zu Problemen mit der Finanzierung und der Gewährung von Zuschüssen kommt. „Die Pflegekasse ist keine Vollkaskoversicherung“, betont Wolf. Einiges werde von den Angehörigen übernommen, doch nicht überall seien Ersparnisse vorhanden. In Härtefällen gebe es Zuwendungen von Stiftungen oder etwa der Deutschen Krebshilfe.
Geht es um die Anpassung des Wohnraums an pflegerische Bedürfnisse, sind Hausbesuche meist unumgänglich. „Wir machen keine Beratung von der Stange“, sagt Schäfer. Nicht ausgespart würden umfassende Informationen zu Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Dabei machten die Mitarbeiterinnen immer wieder die Erfahrung, dass die wenigsten Pflegebedürftigen einen gerichtlich bestellten Betreuer hätten. Bei den Anfragen nach ausländischen Haushaltshilfen sei Zurückhaltung geboten, erklärt Wolf. „Wir beraten neutral.“ Werden Leistungen abgelehnt oder kommt es zu Konflikten mit Dienstleistern, können die Klienten ebenfalls auf die Unterstützung der Pflegestützpunkte bauen. Überdies werden Ratschläge zu gesundheitlichen Aspekten – so etwa die für ältere Menschen wichtige Sturzprophylaxe – nicht vernachlässigt.
Barrierefreier Wohnraum
Nach Einschätzung der Beraterinnen, die nach eigener Aussage regelmäßig an Fortbildungen teilnehmen und ihre Arbeit als „spannend und vielseitig“ bezeichnen, haben sich die Ansprüche der Pflegebedürftigen und der pflegenden Personen – bedingt durch den demografischen Wandel – stark verändert. Auf die Versorgungslücken in Frankenthal angesprochen, nennen die Expertinnen bezahlbaren barrierefreien Wohnraum, Physiotherapeuten und Podologen für Hausbesuche sowie Heimplätze für Kurzzeitpflege.
Eine wichtige Aufgabe der Pflegestützpunkte – Träger sind Land, Stadt sowie Kranken- und Pflegekassen – wird in der Öffentlichkeitsarbeit gesehen. In Kooperation mit der Alzheimer-Gesellschaft ist für Herbst 2023 eine Fortbildungsveranstaltung für Angehörige von Demenzerkrankten geplant. Zur gleichen Thematik soll es eine Lesung mit der Ludwigshafener Autorin Monika Bechtel geben.
Kontakt
- Der Pflegestützpunkt im Foltzring 12 (Hieronymus-Hofer-Haus) ist erreichbar unter der Telefonnummer 06233 3564132 (Heike Schäfer) oder unter 06233-3564131 (Sybille Wolf).
- Der Pflegestützpunkt in der Schmiedgasse 47 (Arbeiterwohlfahrt) ist erreichbar unter Telefon 06233 3564121 (Dagmar Rademacher) oder 06233 3564120 (Sybille Wolf).