Gegenüber
Perron-Kunstpreis: Catherine Sanke gewinnt Förderpreis in der Sparte Porzellan
Finden wollte er den geografischen Nordpol. Zurückgekommen von seiner drei Jahre dauernden Reise ist der Norweger Fridtjof Nansen, ohne jemals den Nordpol betreten zu haben. Mitgebracht hat er aber Aufzeichnungen, die den Leser die Fram-Expedition – benannt nach dem eigens dafür gebauten Expeditionsschiff –, noch einmal durchleben lassen: Zunächst eingefroren vor den Neusibirischen Inseln im östlichen Arktischen Ozean, macht sich Nansen mit einem Kollegen, Schlittenhunden und Skiern auf den gefährlichen Weg zum Nordpol. Die Crew bleibt auf dem Schiff zurück. Ihr Ziel erreichen die beiden Männer letztlich nicht, doch stellen sie 1894/95 einen neuen Rekord auf: Keiner hat es bisher so weit in den Norden geschafft wie sie auf ihrer Nordpolarexpedition.
Auszug aus der Diplomarbeit
Für Catherine Sanke sind literarische Vorlagen wie die autobiografischen Aufzeichnungen Nansens eine Inspirationsquelle. Einzelne Zitate hat sie künstlerisch umgesetzt – und mit einer Arbeit auch den Förderpreis des Perron-Kunstpreises der Stadt Frankenthal gewonnen. „Einblicke Eis“ heißt das dreiteilige Werk, das ein Auszug aus ihrer Diplomarbeit ist und die die 30-Jährige gerade für ihren Abschluss an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle anfertigt. „Ich habe die Reiseberichte gelesen und mich davon inspirieren lassen“, sagt Sanke. „Aber ich habe dafür nicht dogmatisch ein Zitat für ein Werk gewählt.“
Die Leipzigerin, die heute mit ihrem Partner und Sohn in Berlin lebt, hat bei „Einblicke Eis“ mit gegossenen Porzellanplatten gearbeitet. Bei dieser Lithophanie – so das griechische Fachwort – wird klassischerweise mithilfe eines Modells, etwa einer Papierzeichnung, die auf Wachs übertragen wird, ein Relief in eine Porzellanplatte eingepresst. „Erst nach dem Brand ist dann die Tiefenwirkung beziehungsweise Abstufungen sichtbar“, erklärt Sanke. So vereint die Künstlerin gleich zwei ihrer bevorzugten Techniken in einem: Neben der Keramik arbeitet Sanke nämlich auch viel mit Papier.
Als Aushilfe in Töpferei gearbeitet
Angefangen hat aber alles mit Holz. Von 2009 bis 2012 hat Sanke in Berchtesgaden eine Ausbildung zur Holzbildhauerin gemacht. Nebenbei hat sie da schon in einer Töpferei als Aushilfe gearbeitet und das Drehen auf der Töpferscheibe gelernt. „Das war toll, weil ich noch einen anderen Materialfokus habe“, sagt sie und erzählt, dass sie sich damals bewusst gegen eine Keramikfachausbildung entschieden habe. 2013 sollte es dann aber doch so sein. Sanke schrieb sich an der Kunsthochschule in Halle ein. Ihr Schwerpunkt: Kunst/Keramik. „Halle war da besonders, es ging nicht nur um Keramikprojekte, sondern auch schon um Formsprache und Material.“ Ein Gastsemester 2016 im Fachgebiet Buchdruck – da war ihr Sohn bereits zwei Jahre alt – komplettierte ihre Ausbildung.
Da verwundert es auch wenig, dass Sanke vor allem mit literarischen Vorlagen arbeitet. „Die sind mir schon nah“, sagt sie. Besonders gerne arbeite sie mit Sprachbildern. Zu sehen waren ihre Werke seit 2014 immer wieder bei Ausstellungen in Düsseldorf, ihrer Heimatstadt Leipzig, Halle, München und der Porzellan-Stadt Meißen. Der Förderpreis ist allerdings ihr erster Preis überhaupt. „Das war keine klassische Porzellanarbeit, die ich da eingereicht habe, und ich war gespannt, wie sie ankommt“, sagt Sanke. Das Risiko hat sich gelohnt: Den Förderpreis, der mit einem Preisgeld in Höhe von 1500 Euro datiert ist, hat sie in der Tasche. Investieren will sie das Geld in ihre Kunst: Ihr Atelierraum in Leipzig ist noch nicht keramik-tauglich, ein Brennofen muss her, vielleicht sogar eine größere Räumlichkeit. „Da kann man schon was machen.“
Zur Sache: Der Perron-Kunstpreis
Der Perron-Kunstpreis der Stadt Frankenthal ist mit insgesamt 7500 Euro dotiert und wird abwechselnd in den Sparten Porzellan, Malerei, Grafik und Plastik ausgeschrieben. Er erinnert an die Frankenthaler Familie, zu der unter anderem die Bildhauer Walther und Philipp Perron sowie der Sänger Carl Perron gehören. In diesem Jahr hatten sich 56 Künstler aus Deutschland und der Schweiz in der Sparte Porzellan zum Thema „Das Kleine im Großen“ beworben. In der Jury sind der Frankenthaler OB Martin Hebich (CDU), Erkenbert-Museumsleiterin Maria Lucia Weigel, Karin Bille von der Beratungsstelle Formgebung Mainz, Mathias Listl von der Kunsthalle Mannheim, Svenja Kriebel von der Pfalzgalerie Kaiserslautern, Nele van Wieringen vom Keramikmuseum Westerwald und Felix Redlingshöfer von der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler (APK). Die Preisträger-Arbeiten sind ebenso wie alle Werke aus der Hauptjurierung bis 13. September im Kunsthaus Frankenthal, Mina-Karcher-Platz 42a, bei freiem Eintritt zu sehen. Öffnungszeiten: donnerstags bis sonntags, 15 bis 17 Uhr. Außerdem gibt es in diesem Jahr erstmals eine virtuelle Ausstellung in Form einer 360-Grad-Ansicht im Netz unter www.frankenthal.de/kunsthaus.