Wahlen in den Vororten
Parteien in Mörsch: Brücke verbindet, Bäume trennen
Verkehr beruhigen, Baulücken schließen, Kita-Plätze schaffen – die vier Parteien, die sich um Sitze im Mörscher Ortsbeirat bewerben, haben ähnliche Ziele. Und setzen doch unterschiedliche Akzente. Ein weiteres Dauerbrennerthema haben alle Politiker im größten Frankenthaler Vorort auf dem Zettel: den Radweg über die B-9-Brücke Richtung Rhein.
Einiges erledigt, noch einiges zu tun – so könnte man die Position beschreiben, mit der Adolf-José König und die Mörscher SPD um Stimmen für den Ortsbeirat werben. Zu den Dingen, die in den zurückliegenden fünf Jahren aufs Gleis gesetzt wurden, zählt er die Renaturierung der Isenach, das Konzept für den Friedhof des Vororts und Kanalbauprojekte, etwa im Pappelweg.
Dass westlich des Friedhofs ein neues kleines Baugebiet kommt, in dem Platz für einen Kindergarten ist, führt König zu den Plänen für die kommende Wahlperiode. Neben der städtischen und der katholischen Kita Heilig Kreuz, für die es Erweiterungspläne gibt, sei es „höchste Zeit“, das Angebot in Mörsch auszubauen. Um Wohnraum zu schaffen, müssten Baulücken genutzt werden. König: „Da gibt es einige.“
Eine Lösung will der SPD-Politiker, der wieder als Ortsvorsteher kandidiert, für den Verkehr innerorts finden. „Absolut unbefriedigend“ sei, dass nach wie vor Lastwagen das Durchfahrtsverbot ignorierten und sich durch die Hauptstraße quetschten und viele Autofahrer auf dem Weg zu A 6 und B 9 den Ortskern als Abkürzung nutzten.
Hauptstraße „sehr gefährlich“
Lastverkehr mit einem Durchfahrtsverbot auch für die Kreuzstraße aus dem Dorf heraushalten und auf Fernstraßen zwingen – das möchte CDU-Spitzenkandidat Stefan Krantz, der sich auch ums Ortsvorsteheramt bewirbt. Seinem Empfinden nach werde in der Hauptstraße, wo wegen Grundschule und städtischer Kita besondere Vorsicht gefragt wäre, ziemlich gerast. „Das ist schon gefährlich“, sagt Krantz.
Fahrradfreundlicher müsse der Vorort werden. Ganz oben steht unter anderem deswegen bei den Christdemokraten auf der Liste, dass der lange geforderte Rad- und Fußweg über die B 9 realisiert wird. „Das treibt die Bevölkerung um“, hat Krantz im Wahlkampf festgestellt. Oft angesprochen wurde ihm zufolge auch das Fehlen von Kita-Plätzen vor Ort und für jedes Alter. „Der Bedarf ist dringend.“
Zur Wohnqualität in Mörsch gehört für den CDU-Mann eigentlich auch ein Lebensmittelgeschäft. Damit sich ein solcher Laden halten könnte, müssten die Leute wohl bereit sein, „ein bisschen mehr zu bezahlen“, sagt Krantz. Eine Alternative für Senioren oder andere Leute ohne eigenes Auto wäre eine Art Einkaufspendelverkehr.
Bei der Nahversorgung hapert’s
Die vor allem für ältere Menschen schwierige Nahversorgung betrachtet auch Hubert Blim, die Nummer eins auf der FWG-Liste für Mörsch, als Problem. „Wir haben gerade mal einen Bäcker, einen Metzger gibt es schon seit Jahrzehnten nicht mehr“, hadert er. Die Tendenz, eher auf der grünen Wiese einzukaufen und nicht vor Ort, habe wohl verhindert, dass ein kleiner Lebensmittelladen Fuß fassen konnte.
Den innerörtlichen Verkehr hat Blim mit seinen Freien Wählern ebenfalls auf der Agenda: Es seien schon wegen des Neubaugebiets, das auf dem Gelände des früheren ASV-Sportplatzes entstanden ist, mehr Autos unterwegs. „Das wird stärker“, erwartet er, wenn westlich des Friedhofs und Am Nußbaum weitere Wohnungen entstehen.
Für den Radweg über die B 9, fordert Blim, müssten die Gespräche beispielsweise mit der BASF wieder aufgenommen werden. Er erwarte, dass die bestehende Brücke dem zunehmenden Lastverkehr ohnehin nicht mehr lange standhalte und erneuert werden müsse. Dann biete sich eine neue Chance, die derzeitige, nach FWG-Meinung lebensgefährliche, Situation zu beheben.
Grüne gegen Linden-Fällung
Ute Hatzfeld-Baumann und die Mörscher Grünen haben ein aktuelles Thema, das sie umtreibt: die für das Baugebiet am Friedhof vorgesehene Fällung von vier Linden. Die Frau auf Platz eins der Vorortliste sagt, aus ihrer Sicht müssten diese, anders als von der Verwaltung behauptet, nicht weichen. „Die Bäume stehen am Rand. Mit einem etwas anderen Zuschnitt der Bauplätze wäre das überhaupt kein Problem.“
Für die Dorfentwicklung setzen Hatzfeld-Baumann und ihre Mitstreiter ebenfalls darauf, Baulücken zu nutzen und keine Ackerflächen außerhalb zu verbrauchen. Generell müsse für Mörsch auch gelten, dass die Gesichtspunkte Ökologie, Klima- und Artenschutz bei allen Projekten berücksichtigt würden.
Auch die Grünen möchten das Thema Radweg über die B 9 forcieren. Gleichzeitig sehen auch sie die Verkehrssituation innerorts kritisch. „Das ist eine Rennstrecke geworden“, sagt Hatzfeld-Baumann. Die in der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit engagierte Kandidatin hat beim Ausbau der Kita-Plätze noch einen anderen Blickwinkel: Flüchtlingsfamilien seien auf Betreuung angewiesen, damit vor allem Frauen Sprachkurse machen könnten. „Sprache ist und bleibt der Schlüssel für Integration.“
Kandidaten
- SPD: 1. Adolf-José König (61), Chemikant, 2. Romy Hähnel (51), Metzgereifachverkäuferin, 3. Harry Hähnel (62), Anlagenfahrer, 4. Dominique Hähnel (37), Hausfrau, 5. Frank Odenwälder (62), Vertriebsleiter, 6. Patrick Heinrich (38), Kaufmann Groß- und Außenhandel, 7. Klaus Joachim Franz (72), Rentner.
- CDU: 1. Stefan Krantz (55), Angestellter, 2. Simon Lutz (37), Förderschullehrer, 3. Petra Krantz (57), Textilfachverkäuferin, 4. Ferdinand Fiege (57), Rektor, 5. Axel Ehlers (66), Rentner, 6. Edeltraud Ehlers (67), Rentnerin, 7. Winfried Werle (66), Ausbilder, 8. Franz-Josef Lutz (67), Förderschulkonrektor a.D., 9. Wiltrud Thomas (75), Hausfrau.
- Grüne: 1. Ute Hatzfeld-Baumann (67), Rentnerin, 2. Günter Goschinak (65), Maschinenbaumechanikermeister, 3. Thekla Goschinak (62), Dipl. Psychologin, 4. Nils Thomas Deimling (34), Solarteur, 5. Monika Ackermann (61), PKA.
- FWG: 1. Hubert Blim (56), Geschäftsführer, 2. Andreas Röß (28), Gärtnermeister, 3. Christine Tassenoy (44), Diplom-Kauffrau, 4. Daniela Pavel (24), Helferin.
Zur Sache: Die Ortsvorsteherkandidaten
Die 20 vollmachen – das hat sich Adolf-José König (61) vorgenommen. Seit 2004 ist der SPD-Politiker Mörscher Ortsvorsteher – und möchte seine Zeit im Amt mit einem Sieg bei der Kommunalwahl am kommenden Sonntag um weitere fünf Jahre verlängern. „Ich bin seit vergangenem Jahr im Vorruhestand, und ich fühle mich gut in meiner Rolle“, sagt der gelernte Chemikant. Selbst nach relativ langer Zeit als ehrenamtlicher Dorfchef sei „Reiz absolut noch da“. Den Respekt vor dem Amt habe er nie verloren. Und dass nicht alle Entscheidungen, die er während der zurückliegenden anderthalb Jahrzehnte getroffen hat, überall auf Zustimmung stießen, das liege wohl in der Natur der Sache, sagt König – bislang für seine Partei auch Mitglied des Stadtrats, für den er erneut kandidiert. Bürgernähe sei für ihn das Wichtigste: „Es reicht nicht, ein Vierteljahr vor dem Wahltermin präsent zu sein.“
Stefan Krantz (55) will König an der Spitze des größten Vororts ablösen. Der CDU-Ortsvorsteherkandidat ist seit elf Jahren Mörscher und hat neben seinem Mandat im Ortsbeirat kommunalpolitische Erfahrung im Kultur- und im Sozialausschuss gesammelt. Krantz, Vorsitzender der Kolpingsfamilie Frankenthal, ist Angestellter der CDU-Landtagsfraktion, hat Metallbauer gelernt und ist außerdem Strahlenschutzfachkraft. Vorgenommen hat er sich für den Fall seiner Wahl, das Zusammengehörigkeitsgefühl in Mörsch zu stärken. Dazu zähle auch das Wiederbeleben der Kerwetradition. Zu seinen Stärken zählt er, dass er kommunikativ sei („Ich kann mit jedem.“) und einfach gerne anderen helfe. Als besonders wichtig auf seiner Agenda bezeichnet Krantz das Thema Umweltschutz. Er plane hier eine jährliche Aktion mit den Mörscher Bürgern.
Daten und Fakten
Mörsch hat nach Angaben der Stadtverwaltung 3419 Einwohner, von denen 2349 wahlberechtigt sind – 2172 deutsche Staatsbürger, 177 Bürger aus anderen Staaten der Europäischen Union. Bei der Ortsbeiratswahl 2014 gab es im Vorort folgendes Ergebnis: SPD 46,7 Prozent (vier Sitze), CDU 41,8 Prozent (vier Sitze), FWG 11,4 Prozent (ein Sitz). Die Grünen hatten keine Liste gestellt. Die damalige Wahlbeteiligung: 51 Prozent.
Serie
Bei den Kommunalwahlen am 26. Mai werden in den Vororten auch Ortsbeiräte und Ortsvorsteher gewählt. In unserer Serie beschreiben wir, welche wesentlichen Ziele sich die Parteien für die nächste Wahlperiode vorgenommen haben, und wir stellen die Ortsvorsteher-Kandidaten vor.