Frankenthal
Onlinehändler Akowi auf Wachstumskurs
Mit Umzügen kennen sich Ute Köhler, ihr Mann Thomas und ihr Bruder Ralf Winter aus. Seit der Gründung ihres gemeinsamen Unternehmens Akowi vor sechs Jahren hat die Firma schon zweimal den Standort gewechselt: aus dem eigenen Wohnzimmer ins Gebäude der früheren Druckerei Trutzel in der Albertstraße und von dort in die Immobilie der Versandapotheke Pelikan ein paar Meter weiter. Im Herbst dieses Jahres wird der auf personalisierte Geschenkartikel spezialisierte Onlinehandel noch einmal umziehen: Akowi hat 3200 der insgesamt 6400 Quadratmeter Hallenfläche gemietet, die der Bensheimer Ralph Gumb auf einem Grundstück in der Adam-Opel-Straße errichten lässt.
Rund 20 Mitarbeiter
Wenn das Weihnachtsgeschäft 2022 – wie von den drei Gründern erhofft – im neuen Domizil im Industriepark Nord laufen kann, dann hat Akowi ein Problem auf absehbare Zeit gelöst: dass äußere Umstände das Wachstum des Familienunternehmens immer wieder bremsen. Fehlender Platz, ungünstige Lage oder zu schwache Stromversorgung – das wird es im Variopark ab September nicht mehr geben. „Das ist ein komplett neues Gebäude. Die Bedingungen passen. Insofern ist dieses Projekt eine einmalige Chance für uns“, sagt Thomas Köhler.
Spannend wird der Wechsel in den Variopark trotzdem, weil die Produktion der Artikel, die in Frankenthal von den rund 20 Mitarbeitern bedruckt, verpackt und für den Versand vorbereitet werden, schrittweise verlegt werden muss. Die teils hochkomplexen und extra für Akowi konstruierten Maschinen werden ab- und am neuen Standort wieder aufgebaut. Mit genauer Planung soll mitten im dann anlaufenden Saisongeschäft vermieden werden, dass der Betrieb und die Verarbeitung der Ware pausieren muss.
Amazon und Etsy
Dass bislang wahrscheinlich nur wenige Frankenthaler die Produkte von Akowi kennen, liegt an den Vertriebskanälen, die das Unternehmen vor allen Dingen nutzt: neben dem eigenen Onlineshop akowi.de sind das vor allem die Verkaufsplattform Marketplace des US-Internethändlers Amazon oder der Anbieter Etsy. Sich in der schier unübersehbaren Warenvielfalt dort durchsetzen zu können, das geht nach Überzeugung von Ute Köhler nur mit Originalität und Qualität. „Wir wollen alles ein bisschen besser und anders machen als die Konkurrenz“, sagt sie.
Das fängt für sie bei den Bezugsquellen der Artikel an, geht beim Design der Aufdrucke auf Tassen, Taschen oder T-Shirts weiter und hört bei der Verpackung noch lange nicht auf. Um dem Kunden Orientierung im umfangreichen Sortiment zu geben, haben sich die Akowi-Chefs vier Eigenmarken entwickelt, die jeweils für eine etwas andere Zielgruppe stehen. Unter dem Label „SpecialMe“ etwa liefen liebevolle Geschenkartikel wie Hochzeitskissen. Bei „Moonworks“ gehe es um eher lustige, gerne auch mal etwas deftigere Sprüche. Langfristig möchten die Köhlers der Warenpalette noch eine eigene Modekollektion hinzufügen.
Bewertungen wichtig
Eine Erfahrung, die Thomas Köhler als Betreiber eines Onlineshops für Herrenbekleidung gemacht hat, ist bei Akowi sozusagen zur Unternehmensphilosophie geworden. „Unsere große Stärke ist, dass wir alles permanent liefern können“, sagt er. Das sei einer der wichtigsten Punkte im Modehandel gewesen: Kunden, die Kleidungsstücke per Mausklick bestellten, denken dabei nicht in Sommer- oder Winterkollektionen. „Das war uns aber nicht nachhaltig genug. Wir haben eine kreative Ader. Und diese Arbeit erfüllt uns.“
Gute Ideen allein reichen nicht – das ist eine weitere Erkenntnis der Unternehmerfamilie. Auch wenn die ersten Produkte als Präsente für Familie und Freunde entstanden sind und laut Ute Köhler oft das Bauchgefühl entscheidet, was neu ins Sortiment aufgenommen werde, ist ein wesentlicher Punkt im Onlinegeschäft die Transparenz. „Kundenbewertungen sind das A und O“, sagt sie. Die darin idealerweise ausgedrückte Zufriedenheit stärke das Vertrauen. Auch deswegen sei der Kundenservice Chefsache und innerhalb der Geschäftsführung die Aufgabe ihres Bruders Ralf Winter.
Nur wenige Aushilfen
Für zufriedene Kunden braucht es nach Überzeugung der Akowi-Gründer zufriedene Mitarbeiter. „Wir setzen vor allem auf Festangestellte und versuchen, mit so wenigen Aushilfen wie möglich auszukommen. Das Wichtigste ist das Team“, sagt Ute Köhler beim Rundgang. Dazu gehöre, dass die Chefs alle Handgriffe dort beherrschten – um immer wieder zu schauen, ob sich die Prozesse noch optimieren lassen. Das und ein hoher Automatisierungsgrad seien die Gründe, warum das Geschäftsmodell Akowi hier funktioniere und die entscheidenden Produktionsschritte wie das individuelle Bedrucken nicht ins Ausland verlagert werden müssten.