Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel „One-Artist-Show“: Nicoleta Steffan zeigt eigene Arbeiten

Passend zu den Kunstwerken wurde die knappe Schaufensterfläche gestaltet.
Passend zu den Kunstwerken wurde die knappe Schaufensterfläche gestaltet.
Die Künstlerin zeigt fünf Arbeiten (hier Nummer 2) aus ihrer Serie „Der achte Tag“.
Die Künstlerin zeigt fünf Arbeiten (hier Nummer 2) aus ihrer Serie »Der achte Tag«.
Nicoleta Steffan will den Leuten Kunst nahebringen, auch wenn Galerien und Museen geschlossen sind.
Nicoleta Steffan will den Leuten Kunst nahebringen, auch wenn Galerien und Museen geschlossen sind.
In intensiven Blautönen präsentiert sich das Bild „Zwischen Glaube und Verrat“ (hier ein Ausschnitt).
In intensiven Blautönen präsentiert sich das Bild »Zwischen Glaube und Verrat« (hier ein Ausschnitt).
„Freisein“ hat Nicoletta Steffan dieses Werk genannt (unser Foto zeigt einen Ausschnitt).
»Freisein« hat Nicoletta Steffan dieses Werk genannt (unser Foto zeigt einen Ausschnitt).

Mit eigenen Werken beendet Künstlerin Nicoleta Steffan die Ausstellungsreihe „One-Artist-Show“ im Schaufenster des ehemaligen Juweliergeschäfts Geiger in der Frankenthaler Fußgängerzone. Ihre Arbeiten werfen ethische Fragen auf.

Seit Januar stellt die Frankenthaler Kunstkoordinatorin und Künstlerin Nicoleta Steffan die Werke von Künstlern aus der Region in dem leerstehenden Ladenlokal in der Speyerer Straße 14 aus. „Ich möchte den Leuten Kunst nahebringen, auch wenn Galerien und Museen geschlossen sind. Und ich will etwas gegen den Corona-bedingten Stillstand in der Kunstszene tun“, erklärt Steffan ihre Motivation. Zum Abschluss der Reihe zeigt sie im Schaufenster zehn Werke aus ihrer eigenen Werkstatt.

Entstanden sind die ausgestellten Arbeiten zwar bereits vor rund drei Jahren. Die Aussagen der Bilder treffen jedoch aktuelle Konflikte, die im Zwiespalt zwischen persönlichen und gesellschaftlichen Interessen gewachsen sind. Sie regen zum selbstkritischen Nachdenken an über die Rolle des Einzelnen in einer Gemeinschaft, die von den Gefahren der Corona-Pandemie in vielschichtiger Weise bedroht ist.

Elemente aus dem Wald

„One-Artist-Show“ nennt Steffan die Ausstellungsreihe, da jeweils ein Kunstschaffender einen Ausschnitt seiner Arbeit präsentiert. Wichtig ist der erfahrenen Kunstkoordinatorin dabei stets, in der nur wenige Quadratmeter großen Schaufensterauslage einen Hintergrund zu gestalten, der die in den Bildern innewohnenden Aussagen weitererzählt. So waren die floralen Motive Michael Lerches in einer stilisierten Miniaturlandschaft zu sehen. Dimitri Vojnovs Reminiszenzen an alte Meister wurden vor der Kulisse eines Teekränzchens drapiert.

In der aktuellen Ausstellung zeigen die Requisiten Elemente aus dem Wald: Moos und Baumstämme schaffen eine erdige Atmosphäre, welche die Suche Steffans nach Bodenständigkeit widerspiegelt. Denn die Wurzeln des Handelns in der Gegenwart verortet die Künstlerin in der Erde. Und die setzt sie mit dem moralischen Boden gleich. Ein Beispiel dafür ist Steffans fünfteilige Auswahl aus ihrer Serie „Der achte Tag“. In Anlehnung an das Alte Testament, laut dem die göttliche Erschaffung der Welt in sieben Tagen vonstatten ging, hat der Mensch am achten Tag von der Erde Besitz genommen. Die moralische Basis seines Handelns zeigen Steffans Arbeiten zum einen in abstrakter Darstellung, die Stimmungen hervorruft.

Subtile Tiefenwirkung

Zum anderen hat die Frankenthalerin in die Bilder Kurztexte integriert, die Handlungsanweisungen enthalten. Das Werk „Die Liebe über den Hass“ besteht zum Beispiel aus zwei klar voneinander abgegrenzten Flächen. Die Liebe besteht aus einem hellen und der Hass aus einem dunklen Farbfeld. Durch den gebürsteten Hintergrund des Dibond-Aluminiums erhalten die Farbspiele eine subtile Tiefenwirkung.

Inspiriert wurde Steffan zu dieser Serie von einem gleichnamigen Theaterstück von Thomas Hauf aus Celle. Der Physiker und Meteorologe, der vor seinem Ruhestand an der Leibnitz Universität Hannover gelehrt hat, war 2019 mit einem szenischen Trialog zwischen Gott, Mephisto und Grete Preisträger eines Wettbewerbs des Mannheimer Kunstvereins „Industrietempler“. Bei dem Stück handelt es sich um ein Streitgespräch, in dem das philosophische Fundament der Menschheitsgeschichte erörtert wird.

Hingabe über Raffgier

Steffan verarbeitet in ihrer Serie die Kernaussagen des Trialogs. Etwa die Hoffnung, dass die Verantwortung über dem Eigennutz und die Hingabe über der Raffgier steht. Ergänzt hat die Künstlerin ihre Serie um Einzelwerke mit ähnlichen Bildaussagen. Darunter ist das Ölbild „Zwischen Glaube und Verrat“, in dem sich weiche organische Formen allmählich in einem dunklen Kosmos auflösen.

Noch Fragen?

Die Werkschau von Nicoleta Steffan ist bis 15. Mai im Schaufenster des ehemaligen Juweliergeschäfts Geiger in der Speyerer Straße 14 in Frankenthal zu sehen.
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