Frankenthal
OB-Wahl: Kandidaten von Hebich-Ankündigung überrascht
Hebich argumentiert vor allem mit dem umfassenden Verlust von Versorgungsansprüchen, falls er nicht zumindest pro forma ein weiteres Mal antritt, wie er am Donnerstag gegenüber der RHEINPFALZ erklärt hat. Schon im vergangenen September allerdings hatte der seit 2016 amtierende Oberbürgermeister angekündigt, für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen, und dafür im wesentlichen persönliche Gründe angeführt.
„Auch ich bin von dieser Nachricht überrascht worden“, sagt Hebichs Parteifreund, CDU-Kandidat Bernd Knöppel. Weder bei seiner Nominierung im November vergangenen Jahres, noch in den Monaten seitdem habe es vom Oberbürgermeister ein Signal in seine Richtung gegeben, dass dieser erneut antreten wolle oder müsse. Knöppels Verständnis für das Manöver hält sich in Grenzen: „An seiner Stelle hätte ich das von Anfang an offen kommuniziert.“ Den Einfluss der Entscheidung auf den aktuellen Wahlkampf hält er indes für gering, weil es um eine Persönlichkeits- und nicht um eine Parteienwahl gehe.
„Für viele befremdlich“
„Die Entscheidung für einen Rückzug von OB Hebich war nachvollziehbar. Die Rechtslage zur Wiederkandidaturpflicht in Rheinland-Pfalz hat sich diesbezüglich seitdem aber nicht geändert“, sagt FWG-Bewerber Nicolas Meyer. Daher sei der Zeitpunkt, zu dem Hebich seinen Wahlvorschlag abgegeben habe, überraschend und „wirkt für viele in Frankenthal befremdlich“. Für ihn ändere sich nichts: Er wolle weiterhin mit seiner Person und seinen Inhalten überzeugen. Meyer: „Insoweit: Herzlich willkommen im Kreis der OB-Kandidaten!“
Aylin Höppner sieht die Probleme, die sich aus Martin Hebichs später Entscheidung für eine Pro-forma-Kandidatur ergeben, vor allem bei der CDU, wo sie ihrem Empfinden nach für „Chaos“ sorgen dürfte. Die SPD-Kandidatin kritisiert in erster Linie das Timing des Amtsinhabers: „Er hätte das zu einem früheren Zeitpunkt sagen können.“ Mit einer Prognose, ob und wie sich das Ganze aufs Wahlergebnis auswirken könnte, ist Höppner ausgesprochen vorsichtig: „Das wird man wohl erst am Tag der Wahl sehen.“
Späte Information „schade“
„Schade“ findet Immanuel Pustlauck, OB-Kandidat der Grünen, dass Hebich erst jetzt über seinen Schritt und die Gründe dafür informiert habe. Früher und umfassender im Bilde zu sein, hätte er als besseren Stil empfunden. Er frage sich, ob die Versorgungsproblematik in der CDU nicht bekannt gewesen sei. Pustlauck ist überzeugt: Sein Wählerpotenzial schrumpft durch den zusätzlichen Bewerber nicht. „Ob es zu einer Verzerrung insbesondere des ersten Wahlgangs kommt, hängt vom Ergebnis ab.“