Frankenthal NS-Raubkunst: Forscherin untersucht Sammlung
Das Erkenbert-Museum mit seiner stadtgeschichtlichen Sammlung ist eines von vier Häusern, die sich erfolgreich für das vom Mainzer Kulturministerium geförderte Projekt beworben haben. Noch bis 18. April wird die Kölner Kunsthistorikerin und NS-Raubgutforscherin Katja Terlau immer wieder vor Ort sein, um einzelne Objekte und deren Herkunftsgeschichte in den Blick zu nehmen. Terlau wähle die Stücke dafür selbst aus. Darüber informiert Museumsleiterin Maria-Lucia Weigel auf Anfrage.
Bei Teilen der Sammlung sei die Herkunft bislang nicht eindeutig geklärt, sagt Weigel. Das betreffe unter anderem 20 Gemälde der Kunstsammlung des 16. und 17. Jahrhunderts, 100 Grafiken, 30 Metallobjekte und eine Waffensammlung, alles zwischen 1933 und 1945 erworben. Bei etwa einem Drittel des Frankenthaler Porzellans sei ebenfalls unbekannt, unter welchen Umständen die Exponate ins Museum gelangt sind. Ungeklärt sei auch die Objektbiografien von 20 Porzellanen anderer Manufakturen.
Weigel, die wiederholt betont hat, dass ihr Transparenz wichtig sei, sieht die rheinland-pfälzische NS-Raubgutinitiative als kostenlose Chance, mehr über die Geschichte der Sammlung des Museums zu erfahren, die zurück bis in Jahr 1892 reicht. Unter den rund 15.000 Objekten sind merowingische Archäologika, Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken zum Beispiel von Künstlern der sogenannten Frankenthaler Malerschule um Gillis van Conixloo (1544-1607). Aktuell ist das Haus am Rathausplatz wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Die Erkenntnisse der Fachfrau sollen auch Grundlage für die aktuell laufende Neukonzeption des Museums sein.
Das Pilotprojekt des Museumsverbands Rheinland-Pfalz wird mit einer befristeten Vollzeit-Provenienzforscherstelle durch das Kultusministerium des Landes Rheinland-Pfalz gefördert und vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste finanziert.