Frankenthal
Neun Schüler aus Ukraine an Schiller-Realschule
Dass die ukrainischen Schüler an die Friedrich-Schiller-Realschule plus kamen, hängt mit der mennonitischen Glaubensgruppe zusammen. Viele ihrer Kinder besuchen die „Schiller“. Die zum großen Teil aus der ehemaligen UdSSR eingewanderten Mennoniten fühlen sich aufgrund ihrer Wurzeln mit dem Schicksal der Ukrainer stark verbunden. Otto Wiebe von der Mennoniten-Brüdergemeinde ist Religionslehrer an der Schillerschule und war mit einem Hilfstransport an der ukrainischen Grenze. „Auf dem Rückweg hat er mir in der Nacht auf Sonntag vor einer Woche eine Liste mit den Namen von sieben Flüchtlingskindern geschickt, die von der Grenze nach Frankenthal mitgenommen wurden“, so Jäger. Zwei weitere Jugendliche, die verwandt sind mit Schillerschülern, kamen zeitgleich an.
Sofort drehten sich die Rädchen in der Schillerschule: Ein Mädchen und acht Jungen im Alter von zehn bis 15 Jahren wurden direkt am folgenden Montag in der Schule eingeschrieben. Tags darauf war der erste Kontakt zur Schule. „Die Schülervertreter hatten morgens ab 6 Uhr freiwillig Geschenke, Plakate und Girlanden mit Friedenstauben gebastelt. Ich habe selten einen so emotionalen Moment erlebt“, beschreibt Jäger die Ankunft der Ukrainer in der Aula. Einen Tag später saßen die Teenager im Unterricht.
„In Ruhe ankommen“
Bewusst hat Jäger die Geflüchteten nicht zum Pressegespräch mit der RHEINPFALZ eingeladen. „Sie waren zwei Wochen auf der Flucht und haben traumatische Erfahrungen. Wir wollen ihnen Normalität geben und die Chance, in Ruhe anzukommen.“ Das ist auch der Leitfaden, an dem sich die Integration der Jugendlichen an der Schule ausrichtet: Bis Ende des Monats sitzen die Jungen und Mädchen in den Klassen, die ihrem Alter entsprechen, müssen dort aber keine Leistungen erbringen. Nach Möglichkeit kommen sie in Klassengemeinschaften, in denen es Schüler mit Verbindungen zur Ukraine und deren Nachbarländern gibt.
Ab dem 1. April plant Jäger für die Flüchtlinge eine altersübergreifende Klasse mit eigenem Notunterricht. Nach bisherigem Stand wird er persönlich Sportstunden geben. Ein Kollege soll einfachen Deutschunterricht erteilen. Und eine erwachsene Schwester der Ankömmlinge hat sich bereit erklärt, mit den Teenagern ukrainische Lektüre durchzunehmen. Schach, Musik und Kunst – Jäger lotet im Kollegium gerade aus, was den Neuen gut tut und was geht. „Klar ist, dass wir weder die personellen noch die räumlichen Kapazitäten haben.“ Im Laufe dieser Woche sollen vier weitere Kinder aus einem zweiten Hilfstransport der Brüdergemeinde dazustoßen. Froh ist Jäger, dass er für die Notgruppe einen letzten freien Raum gefunden hat, der zu klein ist für regulären Unterricht.
Hoffnung, das andere Schulen folgen
Der zusätzliche Unterricht wird den Lehrern weder angerechnet noch bezahlt. „Es ist selbstverständlich, dass wir die Schüler aufnehmen. Lehrer und Schüler sind darauf stolz, es werden aber noch mehr kommen“, schaut Jäger auf die nächste Zeit. Er hofft, dass umliegende Schulen seinem Beispiel folgen. Mehr Flüchtlinge könne die Schiller-Realschule nicht verkraften, sagt Jäger. „Sonst kollabiert das System“. Gut sei an seiner Schule die enge Verzahnung mit den mennonitischen Gastfamilien. „Das ist ein großer Vorteil bei der Integration der Geflüchteten.“
Der Notunterricht ist bis zu den Sommerferien ausgelegt. „Keiner weiß, wie lange der Krieg dauert und wie lange die Flüchtlinge bei uns bleiben werden. Bis zum Sommer betrachten wir sie als unsere Gäste, sie sollen sich wohlfühlen und Erlebtes hinter sich lassen“, meint Jäger. Was danach kommt, steht auf einem ganz anderen Blatt.
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