Frankenthal
Neues Duo debütiert mit anspruchsvollem Programm
„Wir machen Musik aus dem gleichen Geist“, sagt Müller-Steinbach über die Grundlage des gemeinsamen Spiels. „Unsere Übereinstimmung im Empfinden und Erleben von Musik entdecken wir immer aufs Neue“, sagt Merger. Die beiden Frankenthaler wussten nicht voneinander. Vor zwei Jahren erschien in der RHEINPFALZ ein Artikel über Müller-Steinbach im Rahmen einer Serie über Musiker und besondere Instrumente. So erfuhr Merger, dass der emeritierte Musikprofessor und Komponist, der schon viele Aufnahmen als Solist und Begleiter eingespielt hat, in derselben Stadt lebt. Ursprünglich erhoffte sich Merger, bei Müller-Steinbach Unterstützung für die musikalische Entwicklung seiner Töchter Anne und Isabel zu finden. Als der Professor Familie Merger besuchte, packte auch der Vater die Geige aus – und da hat es offenbar gefunkt.
Als Chemiker jeden Tag Geige geübt
Das kam nicht von ungefähr. Der 55-jährige Martin Merger hat als Schüler Anfang der 80er-Jahre mehrfach Preise auf Landes- und Bundesebene bei Jugend musiziert gewonnen, studierte Musik, belegte Meisterkurse und schloss das Studium mit dem Konzertexamen ab. Aber er studierte auch Chemie und er entschied sich für diesen Beruf. „Das Leben als Musiker ist schwierig, erst recht mit Familie“, erklärt er. Die Geige habe ihn dennoch immer begleitet. Jeden Tag habe er geübt, vor oder nach dem Arbeitstag in Forschung und Marketing bei der BASF. So ist es ihm gelungen, das hohe Niveau zu halten, das dann auch Müller-Steinbach beeindruckt hat. „Wir haben beide technisch überhaupt keine Probleme“, stellt der Pianist fest, man begegne sich auf Augenhöhe. Aber wichtiger noch als die gemeinsame technische Souveränität sei die Übereinstimmung in der Herangehensweise: „Wir wollen dem musikalisch Wesentlichen auf die Spur kommen“, sagt Müller-Steinbach. Gemeinsam hinterfragen und diskutieren sie jedes Detail des Notentextes. „Es gibt viele, auch sehr gute international angesehene Musiker, die das nicht machen“, erklärt der Pianist und Merger ergänzt: „Wir schauen nicht, was andere gemacht haben, wir entwickeln unsere eigene Vorstellung.“ Die Methode scheint sich zu bewähren. „Ich habe schon einige Stücke schon mit verschiedenen guten Musikern gespielt, aber mit Martin Merger merke ich oft, dass es noch besser geht“, sagt Müller-Steinbach.
Konzert mit Werken von Draeseke und Schumann
Der Frankenthaler studierte Klavier, Cello und Horn, Komposition sowie Dirigieren und war ab 1971 Lehrbeauftragter an der Musikhochschule Mannheim, zuletzt als Professor für Musiktheorie. Zur Wiederentdeckung des in Vergessenheit geratenen Felix Draeseke hat Müller-Steinbach wesentlich beigetragen. Der Komponist der Spätromantik genoss in Fachkreisen hohes Ansehen, konnte aber kein breites Publikum gewinnen. Müller-Steinbach hält ihn für seinem Zeitgenossen Brahms ebenbürtig. Aber seine Werke seien sehr schwer. Das ist natürlich für die beiden Virtuosen eine Herausforderung – und sicher auch ein Alleinstellungsmerkmal in der Klassik-Szene. „Die musikalische Szene, die wir spielen, ist technisch außerordentlich schwer, es war sehr viel Arbeit – aber es steckt eine ganze Welt von verschiedenen Stimmungen dahinter“, sagt Merger über das Werk des ihm zuvor unbekannten Draeseke.
Auf dem Programm des ersten gemeinsamen Konzerts wird auch die erste Sonate für Violine und Klavier (Op. 105) von Robert Schumann stehen, die der Komponist dem jungen Virtuosen Joseph Joachim auf den Leib geschrieben hat. Virtuosität ist für die beiden Musiker kein primäres Kriterium. „Es schadet aber nicht, wenn man beim ersten Auftritt Sachen spielt, die andere nicht spielen können“, meint Müller-Steinbach. Wichtiger sei „Ausdruck! Ausdruck! Ausdruck!“, fügt er hinzu und zitiert Yehudi Menuhin.
Mit dem Konzert am 1. November in der Versöhnungskirche Frankenthal wird sich nicht nur ein neues Duo mit einem spannenden anspruchsvollen Programm vorstellen – für Martin Merger beginnt damit ein neuer Lebensabschnitt. Er beendet seine Laufbahn als Chemiker. Er will sich ganz der Musik widmen und als Solist und Kammermusiker in verschiedenen Besetzungen auftreten.