Serie „Sportlexikon“ RHEINPFALZ Plus Artikel Nathalie Weinzierl erklärt die Sprünge beim Eiskunstlauf

Ihr Lieblingssprung ist der Lutz: Nathalie Weinzierl. Die Frankenthalerin startet für den Mannheimer ERC.
Ihr Lieblingssprung ist der Lutz: Nathalie Weinzierl. Die Frankenthalerin startet für den Mannheimer ERC.

Sprünge sind die spektakulärsten Elemente im Eiskunstlauf. Sechs Grundsprünge gibt es, vier davon sind nach ihrem jeweiligen Erfinder benannt. Wie sich die Elemente voneinander unterscheiden, erklärt die ehemalige deutsche Meisterin Nathalie Weinzierl aus Frankenthal, die bis auf den Axel alle dreifach drauf hat.

Der älteste Sprung ist der Axel, benannt nach dem Norweger Axel Paulsen, der ihn im Jahr 1892 zum ersten Mal aufs Eis zauberte. „Er ist der einzige Sprung, der vorwärts abgesprungen wird“, erklärt Nathalie Weinzierl. Beim Axel gleitet der Läufer rückwärts auf der Außenkante, setzt dann aber den linken Fuß in die Vorwärtsrichtung um und springt von der Außenkante des linken Fußes ab. Nach den Drehungen in der Luft erfolgt die Landung auf der Außenkante des rechten Fußes.

Das Ganze funktioniert, wie bei den anderen Sprüngen, natürlich auch spiegelbildlich, also beim Axel Absprung von der Außenkante des rechten Fußes und Landung auf der Außenkante des linken Fußes. Neben dem nach vorne Abspringen, weist der Axel eine weitere Besonderheit auf. Denn aufgrund der Absprungrichtung muss eine halbe Drehung mehr ausgeführt werden.

Erster Doppel-Axel in St. Moritz

Den ersten doppelten Axel präsentierte der US-Amerikaner Richard Button 1948 bei den Olympischen Winterspielen in St. Moritz. Bei den Frauen schrieb die Japanerin Midori Ito Geschichte, als sie bei der Weltmeisterschaften 1989 in Paris erstmals einen Dreifach-Axel bei einer WM aufs Eis brachte. Anders als bei den anderen Sprüngen, wurde der Axel bei einem Wettkampf noch nie in der Vierfach-Variante gezeigt. Der japanische Olympiasieger Yuzuru Hanyu soll sich im Training allerdings schon daran versucht haben.

„Es gibt aber auch Läufer, die den Lutz als schwierigsten Sprung empfinden“, sagt Nathalie Weinzierl. Beim Lutz, benannt nach dem österreichischen Eiskunstläufer Alois Lutz, der ihn 1913 zum ersten Mal zeigte, wird rückwärts Anlauf genommen und das Gewicht auf das linke Bein verlagert. Dann sticht der rechte Schlittschuh nach hinten ins Eis ein, und der Absprung erfolgt vom linken Bein von der Außenkante.

Mroz mit erstem vierfachen Lutz

Nach den Drehungen gegen die Rotationsrichtung des Anlaufs wird rückwärts-auswärts auf dem rechten Fuß gelandet. Meisterlich beherrschten den Lutz Donald Jackson aus den USA 1962 und die Schweizerin Denise Bielmann 1978, die ihn jeweils als Erste dreifach zeigten. Vor zehn Jahren stand der US-Amerikaner Brandon Mroz erstmals den vierfachen Lutz bei einem Wettbewerb.

„Manche finden auch den Flip schwieriger, obwohl da im Vergleich zum Lutz nur die Kante beim Absprung unterschiedlich ist. Man kommt dadurch einfacher rein in die Drehung. Für mich ist er komischerweise auch eher schwierig, obwohl er eigentlich ein einfacher Sprung ist“, schildert Weinzierl, deren Lieblingssprung der Lutz ist.

Weinzierl: Nicht zu hektisch sein

„Ich darf nicht zu hektisch sein. Wenn man zu schnell abspringen will, passt das Timing nicht mehr, dann ist es nicht mehr locker-flockig, sondern ein Kraftakt“, sagt die 26-Jährige mit Blick auf den Flip, den der Japaner Shoma Uno 2016 erstmals mit vier Umdrehungen zeigte.

Als Erfinder des Flip gilt der US-Amerikaner Bruce Mapes, der mit dem Toeloop in den 1920er-Jahren gleich noch einen weiteren Sprung kreierte. Beim Toeloop, was übersetzt Zehenschleife bedeutet, wird, wie beim Lutz und beim Flip, mit einem Fuß ins Eis getippt. Anlauf genommen wird vorwärts auf der Innenkante fahrend. Der Absprung erfolgt von der Außenkante des rechten Schlittschuhs rückwärts und die Landung auf dem Absprungbein. Thomas Litz (USA) stand 1964 den ersten Dreifach-Toeloop, der Kanadier Kurt Browning 1988 den ersten vierfachen.

Toeloop und Rittberger eng verwandt

Eng verwandt mit dem Toeloop ist der Rittberger, benannt nach dem Deutschen Werner Rittberger. „Der Rittberger wird von rückwärts-auswärts abgesprungen. Manche fahren dabei mit beiden Kufen auf dem Eis. Dann wird die Außenkante des rechten Schlittschuhs nach außen gedrückt. Für den Absprung dreht man sich nach vorne“, erklärt Nathalie Weinzierl. Gelandet wird dann wieder auf dem Absprungbein. Dreifach-Pioniere waren einmal mehr der US-Amerikaner Richard Button 1952 und Gaby Seyfert (DDR) im Jahr 1968. Den ersten vierfachen Rittberger stand der Japaner Yuzuru Hanyu 2016 in einem Wettbewerb.

Weinzierls erster Dreifacher

Bleibt der Salchow, den der zehnmalige Weltmeister Karl Emil Julius Ulrich Salchow (Schweden) 1910 für die WM in Davos entwickelte. Angelaufen wird vorwärts auf der Außenkante des linken Schlittschuhs, der Absprung erfolgt vom linken Fuß nach einer Verlagerung auf die Innenkante rückwärts. Gelandet wird auf dem rechten Bein rückwärts nach außen.

„Der Salchow war der erste Dreifach-Sprung, den ich gelernt habe. Da war ich elf Jahre alt. Für manche ist es ein Hasssprung, weil man länger braucht, bis man in der richtigen Drehposition ist“, sagt Nathalie Weinzierl. Erstmals dreifach stand Ronald Robertson aus den USA 1955 den Salchow, bei den Frauen wird der erste Dreifach-Salchow der Kanadierin Petra Burka zugeschrieben. Den ersten vierfachen Salchow zeigten Timothy Goebel (USA) 1998 bei den Männern, und Miki Ando (Japan) 2002 bei den Frauen.

Rotation in zwei Phasen

Allen Sprüngen gemeinsam ist die zweiphasige Rotation. Geht es in der ersten Phase darum, die richtige Höhe zu gewinnen, erfolgt in Phase zwei das Dynamisieren durch das Verkreuzen der Arme vor dem Oberkörper sowie der Beine. „Um Sprünge dreifach zu springen, benötigt man die richtige Mischung aus Kraft, Spritzigkeit und Timing sowie in der Rotation ein schnelleres Schließen und geschlossen bleiben. Beim Doppelsprung sind Arme und Beine nicht richtig geschlossen, weil man sonst zu viele Drehungen hätte“, erläutert Nathalie Weinzierl.

Viel Training und große Disziplin braucht es, um diese Sprünge so einzustudieren, dass sie perfekt sitzen – und wehleidig darf man auch nicht sein. „Man springt und fällt so oft, bis man’s zum ersten Mal schafft, das kann man nicht zählen“, sagt Nathalie Weinzierl. Welche Entwicklung der Eiskunstlauf in den vergangenen Jahren genommen hat, erstaunt sie. „Die kleinen Russinnen springen mit zwölf, 13 Jahren schon Vierfache, Wahnsinn“, sagt sie. Vierfachkönigin ist die erst 16 Jahre alte Russin Alexandra Trussowa, die bei der Juniorinnen-WM 2018 mit dem Toeloop und Salchow als erste Eiskunstläuferin zwei Vierfache in einem Programm landete. Ein Jahr später legte sie beim Grand-Prix-Finale noch den vierfachen Flip nach.

Die Japanerin Midori Ito sprang als erste Frau in einem Wettbewerb den dreifachen Axel.
Die Japanerin Midori Ito sprang als erste Frau in einem Wettbewerb den dreifachen Axel.
König der Vierfach-Sprünge: Yuzuru Hanyu.
König der Vierfach-Sprünge: Yuzuru Hanyu.
Schaffte als erste Frau vier Umdrehungen beim Salchow: Miki Ando.
Schaffte als erste Frau vier Umdrehungen beim Salchow: Miki Ando.
Pionier des vierfachen Lutzz: Brandon Mroz.
Pionier des vierfachen Lutzz: Brandon Mroz.
x