FRANKENTHAL RHEINPFALZ Plus Artikel Nach sieben Wochen Pause: Kommunalpolitik mit Blitzstart ins Alltagsgeschäft

Fast 1000 Quadratmeter Fläche: der Große Saal im Congress-Forum Frankenthal.
Fast 1000 Quadratmeter Fläche: der Große Saal im Congress-Forum Frankenthal.

Eine halbe Stunde inklusive des nicht-öffentlichen Teils – länger hat die Premiere nach sieben Wochen Zwangspause am Dienstag nicht gedauert. Der Haupt- und Finanzausschuss musste als erstes kommunalpolitisches Gremium wieder arbeiten – in einer für alle Beteiligten ungewohnten Atmosphäre.

Nein, eine Warteschlange, die gibt es sonst eigentlich nicht, wenn sich der Haupt- und Finanzausschuss trifft. Und eigentlich finden die Treffen dieses Gremiums sonst auch nicht im Großen Saal des Congress-Forums statt. Meist tagen die 14 Damen und Herren im zweckmäßigen Ambiente des Verwaltungsgebäudes am Neumayerring. Und zumindest häufig tun sie das ohne übermäßige Beteiligung der Öffentlichkeit. Doch am Dienstag ist vieles anders – gut: vielleicht bis auf das Interesse der Bürger. Ein Besucher hat auf der Galerie Platz genommen.

Vor dem Eingang: Maske auf

Bevor nach sieben Wochen kommunalpolitischer Corona-Zwangspause allerdings ein bisschen Rückkehr in das demokratische Alltagsgeschäft stattfindet, ist Geduld gefragt. Jeder Teilnehmer der Sitzung – Beobachter, Verwaltungsmitarbeiter, gewähltes Mitglied, Gast – muss ein Formular ausfüllen. Name, Kontaktdaten, Angaben zu Auslandsaufenthalten, eventuelle Krankheitssymptome und Kontakte zu Covid-19-Patienten, Unterschrift – fertig.

Ohne Maske kommt übrigens keiner ins hohe Haus. Die Vielfalt in Form und Farbe ist enorm: Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) setzt auf den schlichten Mund-Nasen-Schutz im Chefarzt-Style. Seine Parteifreundin, CDU-Sprecherin Gabriele Bindert, hat ein buntes Tuch vors Gesicht gezogen. Und SPD-Fraktionsvorsitzende Aylin Höppner trägt – natürlich – rot. Alle gehen sich noch ein wenig ungelenk aus dem Weg, grüßen mit gebührendem Abstand. Politik auf Distanz – das ist in Zeiten von Corona spür- und sichtbar noch Übungssache.

Platz komplett ausgenutzt

Die Atmosphäre im Saal, in dem unter normalen Umständen bis zu 1000 kulturbeflissene Musik- oder Theaterfreunde Platz fänden, ist mindestens gewöhnungsbedürftig: Unter Ausnutzung der kompletten 950 Quadratmeter sind Tische in einem weiten Rechteck im Raum verteilt. Selbst die Bühne am Kopfende haben die CFF-Techniker im Boden versenkt. Der Mindestabstand von anderthalb Metern, der als sichere Distanz zum Schutz vor einer möglichen Infektion mit Sars-CoV-2 gilt, wird – das darf man ohne Nachmessen sagen – mehr als eingehalten. Dort wo durchaus auch mehr als ein Zuschauer hingepasst hätte, sind immer drei Stühle gesperrt. Für ein virusfreies Sitzungsgefühl überlässt die Verwaltung nichts dem Zufall. Sozusagen Gürtel und Hosenträger.

Der OB hat sich offenbar vorgenommen, mit Humor den naturgemäß etwas längeren Draht zu den Anwesenden zu finden: Jetzt wo alle säßen, sei es wohl in Ordnung die Masken abzusetzen. Eventuelle Absprachen untereinander könne man ja per Mobiltelefon tätigen. Zum Kuscheln sei der Mund-Nasen-Schutz wieder aufzusetzen, kalauert Hebich. Er findet aber auch ein paar ernste Worte: Der Rathauschef lobt die Frankenthaler für ihre Besonnenheit angesichts von Kontaktsperren, geschlossenen Geschäften und sonstigen Einschränkungen. „Ich habe das Gefühl, dass die Vernunft bis auf wenige Ausnahmen vorherrschend ist.“

Kurze Tagesordnung

Die Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses ist, gemessen am sonstigen Pensum, mit zwölf Punkten recht kurz geraten – keine Aufreger, Pflichtprogramm. Aufträge für den Erweiterungsbau des Albert-Einstein-Gymnasiums oder Postdienstleistungen für die Stadt und den Eigen- und Wirtschaftsbetrieb werden vergeben, alle einstimmig. Die dafür anwesenden Verwaltungsmitarbeiter kommen meist nur für wenige Augenblicke in den Saal, dürfen direkt wieder gehen.

Auch die Stadtspitze hat sich ein Schichtsystem verordnet: Beigeordneter Bernd Leidig (SPD) geht, als die sein Dezernat betreffenden Aspekte abgehandelt sind. Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) kommt, als seine Kompetenz gefragt ist. Kurzes Warten. „Nicht dass er auf dem weitläufigen Areal verlorengegangen ist“, scherzt Martin Hebich. Knöppels Auftritt dauert kaum zwei Minuten. Der Ausschuss winkt alles durch und hat nach einer knappen halben Stunde Feierabend.

Kommende Woche Stadtrat

So entspannt wird es freilich kaum weitergehen können: Schon kommende Woche Mittwoch ist der Stadtrat ins Congress-Forum eingeladen. Spätestens dann wird die Fraktionen der ganze Ernst der seit Mitte März herrschenden Lage ereilen. Die Verwaltung möchte, so die dunkle Andeutung des Oberbürgermeisters, über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den städtischen Haushalt informieren.

Schon im Foyer weisen hinter der Tagesordnung Schilder auf den Mindestabstand von anderthalb Metern hin.
Schon im Foyer weisen hinter der Tagesordnung Schilder auf den Mindestabstand von anderthalb Metern hin.
Auch auf den Zuschauerrängen war für ausreichend Platz gesorgt: Gekommen war freilich nur ein einsamer Besucher.
Auch auf den Zuschauerrängen war für ausreichend Platz gesorgt: Gekommen war freilich nur ein einsamer Besucher.
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