Frankenthal Närrische Nachhilfe

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Vielleicht ist es einfach ein bisschen früh am Tag, jedenfalls dauert es ein paar Minuten länger, bis sich eine Gruppe von gut 30 Männern im Aufenthaltsbereich der Messehalle auf dem Festplatz an der Benderstraße versammelt hat. Polizei, Dolmetscher, der Beigeordnete Bernd Knöppel (CDU) – sie sitzen an der Stirnseite des Raums. Es wirkt ein bisschen wie Frontalunterricht früher in der Schule: Der Abstand zwischen „Lehrern“ und „Schülern“ ist recht groß – die Botschaft scheint dennoch anzukommen. Auf dem Lehrplan gestern Morgen stehen närrisches Brauchtum und, nun ja, Landeskunde ganz allgemein. Angesichts der Ereignisse in der Silvesternacht in Köln, als nach bisherigen Erkenntnissen Dutzende Frauen offenbar von ausländischen Männern sexuell missbraucht wurden, wolle die Polizei mit den in der Stadt lebenden Flüchtlingen noch vor der Karnevalszeit in Kontakt kommen, sagt Thomas Jung, stellvertretender Leiter der Frankenthaler Inspektion. Dass während der tollen Tage Menschen in Deutschland bunt kostümiert durch die Straßen ziehen und auch Alkohol konsumieren, dass es sich dabei um einen sehr alten Brauch handelt – mit diesen Informationen arbeitet sich Polizeioberkommissar Heribert Urban an den eigentlichen Kern seines Anliegens heran: „Auch wenn Frauen leichter bekleidet sind, ist das nicht als Aufforderung an die Männerwelt zu verstehen, sich ihnen in sexueller Absicht zu nähern.“ Verstöße würden von Polizei und Staatsanwaltschaft verfolgt und von Gerichten bestraft, betont der Beamte. Urban, der als einer von fünf Dialogbeauftragten der Frankenthaler Inspektion auch die Kontakte zwischen der Polizei und den muslimischen Gemeinden pflegt, wiederholt seine Botschaft auf Englisch. Yasar Bezgin, Imam vom Verband Islamischer Kulturzentren, übersetzt für Syrer und Iraker ins Arabische. Für Pakistaner und Afghanen gibt es die Hinweise auf Farsi. Die Flüchtlinge nehmen den Vortrag dem äußeren Anschein nach sehr gelassen hin, es gibt einzelne Gespräche. Fragen zum Schluss? Vorerst keine. Am Ende der Veranstaltung gehen einige der Männer, die seit Anfang Januar in den zwei Messehallen auf dem Festplatz untergebracht sind, auf Bezgin zu, um sich zu bedanken. „Diese Initiative ist ganz gut angekommen“, berichtet er. Er sei sicher, dass Informationen auch noch über den in der Unterkunft gegründeten Ältestenrat weitergereicht würden. Der türkischstämmige Bezgin nutzte seine Übersetzertätigkeit für eine sehr persönliche Botschaft an die Flüchtlinge: „Ich bin auch Migrant und lebe seit 40 Jahren in Deutschland in Frieden und fühle mich wohl.“ Er nennt zwei Gründe: Er habe die deutsche Sprache gelernt und Gesetze und Regeln in Deutschland beachtet. Doch auch der Polizei geht es noch ums Grundsätzliche: „Wir wollen, dass die Flüchtlinge Vertrauen zu deutschen Ordnungsbehörden bekommen“, betont Thomas Jung. Viele der Männer kämen aus Ländern, in denen gegenüber diesen staatlichen Institutionen große Ressentiments herrschten. Heribert Urban schickt seiner Erklärung voraus: „Polizei hat in Deutschland nichts mit dem Militär zu tun.“ Und: „Sie ist rund um die Uhr für jeden da. Wenn Sie also ein Problem haben, rufen Sie die Polizei. Man wird sich um Sie kümmern!“

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