Frankenthal Musik und Texte von überall

Zum zwölften Mal luden vergangene Woche der Beirat für Migration und Integration und die Stadtbücherei zum Babylonischen Leseabend ein. Dem kurzweiligen Spektakel mit 14 Beiträgen in elf Sprachen sowie den deutschen Übersetzungen lauschten 120 Besucher in der Stadtbücherei.
Die Beiratsmitglieder Mari Pavliashvili und Magali Leidig-Petermann moderierten die Veranstaltung, die mit einem Lied des 13-jährigen Berkay Bicer aus Frankenthal begann, zu dem er sich selbst auf der Saz, der anatolischen Laute, begleitete. Die beiden elfjährigen Meran und Hejar Gezici trugen ein Gedicht in türkischer Sprache über die Kinder-Opfer von Hiroshima vor. Elrod Awais, ein Informatikstudent pakistanischer Herkunft, berichtete in Urdu über seinen romantischen Freund, der Gedichte schreibt. Eine adäquate Übersetzung ins Deutsche sei ihm nicht möglich gewesen, da er überwiegend Englisch spricht. Khun Maas, gekleidet in ein rotes, traditionellen Seidenkleid, informierte über den Dichter Li Bai aus dem achten Jahrhundert, von dem sie eine Kostprobe in chinesischer Sprache dabei hatte. Wieder in Europa ging es in die Bretagne: Florence Lohmüller hat in 25 Jahren hier in Frankenthal „ihr Herz an die Pfalz verloren“. Sie erläuterte in ihrer Muttersprache, was man unter einem Menhir (langer Stein) und einem Dolmen (steinerner Tisch) versteht. Die Bulgarin Christina Alexandrova, seit sieben Monaten hier, lernt noch Deutsch. Sie überzeugte mit einem Liebesgedicht. Julia Stawrula, die ursprünglich aus Griechenland stammt und nun in Mannheim lebt, hatte ein Gedicht dabei, das recht pfiffig (auch in der deutschen Übersetzung) den gut gelaunten Engel schildert, der die Verliebten bewacht. Mohamed Albakri, ein syrischer Informatikstudent, trug in Arabisch ein Loblied auf die Familie, den Respekt, die Gastfreundschaft und soziale Kultur vor und verglich damit seine positiven Erfahrungen in Deutschland. Nach kulinarischen Spezialitäten der Frauenorganisation Lajna Imaillah der Ahmadiyya Muslim Gemeinde sang Sercan Sahin und spielte auf der türkischen Baglama. Mari Pavliashvili führte zusammen mit Nika Batiashvili den georgischen Tanz Acharuli auf, eine fröhlich-rasante tänzerische Liebesbezeugung. Die junge Frau ist vor drei Jahren als Au-pair-Mädchen nach Deutschland gekommen, studierte Jura sowie Weinbau und liebt das Kochen. So hatte sie als besondere Überraschung ein herzhaftes Käsegebäck aus ihrer Heimat zubereitet und verlas in Georgisch das Rezept dazu. Eine indische Erzählung über die wahre und unechte Großzügigkeit beim Verteilen von Krishnas Gold trug Rutuja Waikar vor. Leila Rahaie Shahkouhi lernt gerade sehr intensiv die deutsche Sprache innerhalb des Early-Intervention-Modellprojekt zur frühzeitigen Arbeitsmarktintegration von Asylbewerberinnen. Sie nutzte die Chance, sich auf Farsi bei allen zu bedanken, die ihr und ihrer Familie geholfen hatten. (hüf)