Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Mufflon und Hirsch in Bronze gegossen

Um ein Geweih mit Nasenbein modelliert Luana Kroner-Stasek ihre Figuren, hier Pan Mufflon II.
Um ein Geweih mit Nasenbein modelliert Luana Kroner-Stasek ihre Figuren, hier Pan Mufflon II.

Uralte Mythen und Fundstücke von Freunden inspirieren Luana Kroner-Stasek zu ihren Bronzeskulpturen. Sechs ihrer Mischwesen aus Mensch und Fabeltier stehen ab Mittwoch bei der Aktion „Raum für Kunst“ im Schaufenster des ehemaligen Juweliers Geiger im Fokus. Die Corona-Krise hat die 55-Jährige aus einer kreativen Pause geholt.

Sechs Geweih-Skultpuren schickt die Künstlerin aus Mannheim für die Ausstellungsaktion „Raum für Kunst“ nach Frankenthal. Ihre bronzene Herde zählt Mischwesen aus Mensch und Fabeltier – etwa „Pan Mufflon“ als Gott des Waldes und der Natur und seine mutige Begleiterin „Muflonetta“. Der „Philosoph“, so der Titel der Bronze, mit dem gepflegten Ziegenbart steht für Natur und Gesellschaft, während der „Humanist“ mit dem langgezogenen pferdeähnlichen Gesicht seine revolutionäre Freiheitsbotschaft in die Herde trägt. Fehlen noch die beiden Hirtengötter: Während „Pan Hirsch“ mit himmelwärts gerichtetem Gesicht die Verbundenheit zur Götterwelt demonstriert, ist der Zwist schlichtende „Pan Eland“ Respekt einflößend und in sich ruhend.

Luana Kroner-Staseks Serie von Geweih-Skulpturen ist inspiriert von der Kindheit der Siebenbürger Sachsin im rumänischen Bukarest. „Ich las viele Sagen und Legenden.“ Von den uralten Mythen erzählte ihr außerdem ein Schulbegleiter. „Da mein Schulweg in der Hauptstadt eine Stunde dauerte, begleitete er mich und unterhielt mich mit Geschichten“, erinnert sich die 55-Jährige.

Fertigung in Prager Bronzegießerei

Am Anfang ihrer Arbeit steht zunächst ein echtes Geweih samt Nasenbein – aus dem Internet oder von Freunden gespendet. Dann modelliert sie dazu aus Ton ein Gesicht. „Es spricht mit mir.“ Am Ende steht im Mannheimer Atelier Kroner-Staseks ein gehörnter Kopf und trocknet vor seiner Reise in eine Prager Bronzegießerei. Weshalb gerade dorthin? „Mein Mann stammt von dort. Und die Gießerei ist sehr gut, sie arbeitet für internationale Künstler weltweit“, erklärt Kroner-Stasek. Dort wird ein Abdruck genommen, aus dem eine Gussform entsteht. Nachdem die Bronze eingegossen wurde und erkaltet ist, wird die Skulptur patiniert.

Wenn die Skulpturen-Serie nicht gerade in einer Ausstellung unterwegs ist, steht sie im Ludwigshafener Einrichtungshaus Freisberg, in dem Kroner-Stasek als Innenarchitektin arbeitet. Dieses Fachgebiet hat sie gemeinsam mit dem Schwerpunkt Design in Kaiserslautern studiert. Den Weg zur Kunst wies ihr damals der Professor für plastisches Gestalten, Gunther Stilling. Der anerkannte deutsche Bildhauer lud die Studenten in sein Atelier nach Carrara in Italien ein. Hier entstand Kroner-Staseks erste Skulptur. Auf Reisen durch Europa und die USA verfeinerte sie ihren expressionistischen Stil, der durch ihre politischen Erfahrungen der Kindheit eine Sensibilität für Machtmechanismen erkennen lässt: Die Künstlerin, die mit 16 Jahren ihre vom Autokraten Nicolae Ceaușescu regierte Heimat verließ, spürt in politischen Systemen Schwachstellen auf. Zum Beispiel zeigen ihre Skulpturen „Macht“ und „Einfluss“ Menschengruppen, die durch kollektiven Druck ins Zwergenhafte reduziert sind und in einer Blase eingesperrt scheinen.

Auswirkungen der Pandemie in Kunst beleuchtet

In der Pandemie hat Kroner-Stasek beobachtet, wie psychischer und ökonomischer Druck auf den Einzelnen wirkt. Zwar befand sich die Künstlerin in einer kreativen Pause, jedoch inspirierten sie die vergangenen Monate zu einem Mischwesen aus Reiter und Tier sowie zu einer Medusa, die lächelnd in die Zukunft schaut. Auf die Teilnahme an der Aktion „Raum für Kunst“ freut sich Kroner-Stasek. „Es ist das dritte Mal, dass ich bei Leerstandskunst mitmache. Freie Geschäfte, in denen Kunst stattfindet, sind eine tolle Möglichkeit, an Menschen heranzukommen.“ Dadurch, dass zentrale Ladenräume zu Kunsträumen werden, „stolpert der Betrachter sozusagen vor seiner Haustür über Kunsterlebnisse“.

Noch Fragen?

In loser Folge stellen wir Künstler vor, deren Arbeiten in den nächsten Wochen im Schaufenster in der Speyerer Straße 14 in Frankenthal zu sehen sind. Näheres zu der von der Frankenthaler Kunstkoordinatorin Nicoleta Steffan initiierten Aktion „Raum für Kunst“ steht im Internet unter www.steffanartkonzepte.de. Hintergrundinformationen zu Luana Kroner-Stasek und ihren Arbeiten, die bis Anfang Februar in Frankenthal gezeigt werden, findet man im Netz unter www.behance.net/luana-sculptures.

In Bukarest aufgewachsen: Luana Kroner-Stasek.
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Pan Eland II heißt diese Skulptur von Luana Kroner-Stasek.
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„Humanist“ von Luana Kroner-Stasek.
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