Frankenthal
Moscow Circus On Ice begeistert Publikum in Frankenthal
Mit einem faszinierenden Zusammenspiel von elegantem Eistanz und klassischer Zirkusartistik hat der Moskauer Circus On Ice am Freitag gleich zweimal sein Publikum im Congress-Forum in Frankenthal unterhalten.
Ein Junge schläft ein und träumt von einer Ballerina, die sich Schlittschuhe wünscht, um in einem verzauberten Märchenreich leichtfüßig übers Eis zu gleiten. Dieser poetische Einstieg bot den adäquaten Rahmen für ein Zirkusprogramm voller zauberhafter Bilder im Congress-Forum. Zarte Elfen und wilde Wesen, rasante Reiter auf Rädern, übermütige Gaukler am Boden und ätherisch schwebende Luftgeister wechselten sich in schneller Folge ab mit Tänzen, Revuenummern, Luftakrobatik und Jonglage.
Von Gregorianik bis Techno
Der Circus On Ice stammt aus Moskau und blickt auf eine 50-jährige Tradition zurück. Bereits als Kinder lernen die Artisten die klassischen Zirkusdisziplinen wie Jonglieren, Balancieren, Equilibristik und Kontorsion am Boden und in der Luft. Dann geht es auf die Kufen. „Triumph“ hieß das 90-minütige Programm. Es war abwechslungsreich und kurzweilig, die Musik reichte von Gregorianik über Klassik bis zum Techno. Rasante Szenenwechsel und perfekt einstudierte Choreografien ließen staunen, ebenso die glamourösen Kostüme. Vor allem im ersten Teil begeisterten LED-, Laser- und Neon-Lichteffekte.
40-Tonner unterwegs
Seit 2005 ist die 21-köpfige Truppe des Nikulin Moscow Circus jedes Jahr auf Wintertour in Deutschland und bespielt diesmal bundesweit 27 Hallen. Ihren Stammsitz am Zwetnoj-Boulevard in Moskau haben die Künstler für zwei Monate eingetauscht gegen mobile Spielflächen in Hallen. Statt auf echter Eisfläche gleiten sie auf weißen Teflon-Platten. „Unser 40-Tonner ist Nacht für Nacht unterwegs, um morgens die Spielfläche aufzubauen“, berichtet Heike Weyrauch, Inhaberin der Agentur ArtTrendsEvent aus dem badischen Wernau. Die Kunststoff-Verbundplatten seien auch im Leistungssport üblich und böten ohne Abrieb und Schmelzwasser bessere Gleiteigenschaften als Gefrorenes.
Das Programm unter dem Titel „Triumph“ stand unter der künstlerischen Leitung von Kirill Kirillov und erwies sich als Gesamtkunstwerk für alle Sinne: opulent und detailverliebt waren die rund 200 Kostüme von Designerin Natalia Chistova, stimmungstragend die ausgeklügelte Lichtregie, und die Musikauswahl ermöglichte ein Wechselbad an Emotionen.
Raffinierte Effekte
Akrobatik an Schaukel, Vertikalseil und Reifen bot raffinierte Wickel- und Falleffekte aus luftiger Höhe. Klassische Zirkus-Disziplinen aus dem Bereich Bodenartistik und technisch ausgereifter Eistanz bildeten eine stimmige Symbiose. Die Illusion war nahezu perfekt, denn die Nummern wurden mit einer Leichtigkeit und Spielfreude dargeboten, wie man sie sonst nur auf klassischem Manegenboden zu sehen bekommt. Das Programm war temporeich und voller Höhepunkte, rasante Passagen wechselten mit poetischen Bildern. Kunstfertigkeit und sportliche Präzision ließen die Kufen unter den Füßen der Artisten fast vergessen.
Als Herrin der Ringe brachte Victoria Polyakova leuchtende Hula-Hoop-Reifen zum Rotieren. Radkunst auf Gummispike-Reifen, mit hohem Einrad und auf zwei Rädern, brachte die Truppe um Kirill Abramov auf die glatte Fläche. Als kesse Girls begeisterten die Artisten um Nikita Smirnov mit virtuosen Seilspring-Variationen.
Momente zum Träumen
Momente zum Träumen gab es reichlich, etwa bei drei Eistänzerinnen, die das Gute, das Böse und die Liebe darstellten und auf meterhohen Stelzen-Kufen Pirouetten drehten, umweht von farbsymbolischen Chiffon-Kaskaden.
Die Artisten um Mikhail Khramtsov zauberten mit wirbelnden geometrischen Körpern und LED-Lasereffekten holografische Illusionen auf die Bühne. Spannungsreich auf gleitenden Kufen gerieten auch die Äquilibristik-Darbietungen mit Todeswirbel und Head-Spins.
Wechsel im Sekundentakt
Ein exquisiter Augenschmaus waren die Eistanzeinlagen im klassischen Revue-Stil mit Federn und Strass. Ein Duett mit sechsfachem Kostümwechsel im Sekundentakt tanzten Daria Abramova und Kirill Begichev. Und wie im Zirkus üblich gab es auch Clowns, die in Sumo-Ringer-Kostümen mit federleichtem Breakdance überraschten. Vielfach wechselnde Feuer- und Regenbogen-Effekte ins Dunkel zauberte eine Tempojonglage mit lichtanimierten Diabolos, Poi und Stäben.