Frankenthal
Morden mit Humor: Krimiautorin Gina Greifenstein liest in Bobenheim-Roxheim
Wer da am Freitag Abend in den Kurpfalztreff kam, hatte schon das eine oder andere Exemplar der Wahlpfälzerin im Buchregal. Allesamt also eingefleischte Fans von Greifensteins zart bissigem Humor, gewürzt mit Berichten über raffinierte Gerichte. Die staatlich geprüfte Hauswirtschafterin verwurstet kulinarische Stillleben mit Krimi, dabei sind Frauen wie in den Büchern der deutschen Krimi-Queen Ingrid Noll das starke Geschlecht.
Krimis und Kochbücher
Auf dem Kurpfalzplatz herrscht idyllische Vorabendstimmung – passend zum friedlichen Schauort der ersten Kapitel von „Trollschoppe“: eine lauschige Kerwe im Essinger Weingut Benz bei Landau, in dem Greifenstein Stammgast ist, wenn sie nicht gerade Kochbücher oder Kriminalgeschichten verfasst.
Umso größer die Fallhöhe, als das aus den vorherigen sieben Krimibänden bekannte Ermittlerduo Paula Stern und Bernd Keeser mit ordentlich Promille im Blut vom Kerwe-Abend nichtsahnend an seinem freien Tag zur Liebesinsel gerufen wird. Der Treffpunkt für Essingens „Päärsche, die nit ubeding z’sammeg’heere“ wird zum Tatort. Hier serviert Greifenstein ihrem Publikum die erste Leiche: die erwürgte Helene, die noch auf der Kerwe von ihrem Mann Peter händeringend gesucht wurde. Kurz darauf stoßen die Ermittler im Haus der beiden auf den zweiten Leichnam, an den die Autorin das Publikum mit Sinn für Dramatik heranführt. Denn erst, als die verkaterte Kommissarin Stern in dem dunklen Gebäude von einer Perserkatze fast zu Tode erschreckt wird, stolpert sie über den mit einer Schere brutal erstochenen Peter.
Die Lesung ist szenisch angelegt
Ihre Lesung geht Greifenstein locker an, schließlich ist sie mit 50 Lokalterminen im Jahr darin versiert. Sie liest szenisch, plaudert mit den Zuhörern und spricht über die Romanfiguren, als ob die ein ganz reales Eigenleben führen. „Meine Hauptpersonen machen manchmal Dinge, die ich nicht geplant habe“, sagt sie etwa. Zu den Plots gefragt, die sie in ihren Geschichten nicht thematisieren mag, zählen in erster Linie Kinder als Opfer. „Kinder will ich nicht umbringen, Senioren schon eher“, merkt sie mit trockenem Humor an.
Das Lachen soll den Lesern im Halse stecken bleiben, aber nur halb. „Ich morde eher fröhlich“, so die Devise der gebürtigen Fränkin, die seit über 25 Jahren Südpfälzerin beim Bad Bergzabern ist. Ihr Alter Ego ist Paula Stern, ebenfalls aus dem Frankenland in die Pfalz eingewandert und in der Krimiserie die Person, der die Einheimischen lokale Fachbegriffe erklären. Trollschoppe, so erfahren die Bobenheim-Roxheimer während der Lesung, „beschdeht aus äm Dreivertelliter Riesling un äm Vertel Sekt“. Und der Woipirinha ist, anders als das brasilianische Kultgetränk Caipirinha, ein Cocktail aus Weißwein, Limetten und braunem Zucker.
Zum Abschluss zwei Kurzgeschichten
Abrupt klappt Greifenstein nach 30 Minuten ihren Pfalz-Krimi „Trollschoppe“ zu und verordnet dem Publikum resolut eine Pause. Nach der sie äußerlich verändert wieder auf der Bildfläche auftaucht. Der bis auf Bauchnabelhöhe hängende Bauernzopf verschwindet unter einer Kochmütze. Geblieben ist das silberne Skelett als Ohrring, das verheißt: Es wird weiter gemordet. Nun serviert die Autorin zwei kriminelle Kurzgeschichten, die im kulinarischen Milieu angesiedelt sind und die Kür im Genre des Krimis sind: In „Pellkartoffeln mit Quark“ bekommt es die Food-Fotografin Irene dem Fernsehkoch Josef Laufer zu tun. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen seien rein zufällig, erklärt Greifenstein mit schelmischem Grinsen und spielt auf den Österreicher Johann Lafer an. Als Laufer die Fotografin mit seinen Allüren allzu sehr nervt, rührt diese einen Quark mit Maiglöckchen an. Dass sich der Promi heimlich an dem giftigen Gericht vergreift, ist halt Pech.
Für ihren letzten Beitrag erscheint Greifenstein im geblümten Kittel und Pantoffeln im Karomuster. Auf der Nase sitzt ein Ungetüm von Brille. „Haben sie schon mal von ihrem Optiker die hässlichstes Brille verlangt?“, fragt sie die amüsierten Gäste und serviert dieses Mal einen besonders originellen Todesfall: Ein Rentner stirbt in heißer Marmelade, weil er die Rosen seiner Gattin eingekocht hat.