Frankenthal Mit Sangeskunst begeistert

Das Kunststück, mehr als 650 Freunde der Sangeskunst quer durch alle Altersgruppen vor Begeisterung von den Sitzen zu reißen, schafft in dieser Region nur einer: der erste Frankenthaler Männerchor 03, der am Donnerstag im proppenvollen großen Saal des Frankenthaler Congress-Forums (CFF) seinen vierten Liederabend gab. Er bewegte sich auf hohem sängerischen Niveau und wurde ein eindrucksvolles musikalisches Erlebnis.
33 gestandene Typen im besten Mannesalter lieferten zweieinhalb Stunden lang den klingenden Beweis, dass Chorgesang kein anachronistisches Relikt sein muss, wenn er mit so viel Herzblut und Leidenschaft gepflegt wird. Und wer mit Walter Zipp einen engagierten Dirigenten hat, der so gut wie alle vierstimmigen Arrangements seinen Sängern regelrecht auf den Leib schreibt, braucht sich um ein publikumswirksames Repertoire keine Sorgen zu machen. Traditionelles Liedgut – wie der einleitende Sängerspruch oder die neun Strophen der mittelalterlichen Ballade des Herrn von Falkenstein – sind beim Männerchor ebenso wie die Pfälzer Mundart und erfolgreiche Rock- und Poptitel feste Bestandteile des Programms. Ob bei den Welthits „You Ain’t Seen Nothing Yet“ von Bachman Turner Overdrive, „Bobby Brown“ von Frank Zappa oder „Rollin In The Deep“ von Adele – der Chor stellte sich den rhythmischen Herausforderungen und war auch bei den lautmalerischen Einwürfen nicht aus dem Takt zu bringen. Vom Ohr auf direktem Weg zum Herzen gingen die einfühlsam interpretierten Liebeslieder „Love Of My Life“ von Queen, das eine bessere Welt fordernde „Caravan Of Love“ und das durch Bette Midler bekannt gewordene „The Rose“ in der deutschen Übersetzung: „Liebe ist wie wildes Wasser“. Befruchtende Impulse erhielt der Liederabend durch großartige solistische Leistungen verschiedener Chormitglieder, von denen sich insbesondere Thomas „Edsel“ Merz (Anonyme Giddarischde) und Michael Berberich mit dem melancholischen „Down Around My Place“ hervortaten. Verdienten Applaus gab es auch für die Auftritte von Dirk Fellhauer und Joachim Hahn, die „Carpet Crawlers“ zum Besten gaben, und der Boygroup um Manuel Breiner, die mit ihrem „Tauben vergiften im Park“ für hörbares Amüsement im Saal sorgten. Selbstredend reihte sich Vorsitzender Willi Brausch ebenso in die Solisten ein und zeigte bei „If Tomorrow Never Comes“ und „In The Year Of 39“ zusammen mit Steffen Kumpf professionelle Bühnenpräsenz. Ganz Profi war auch Oliver Herrmann (Grabowsky), der mit seinen wechselnden Oberhemden nicht nur Farbtupfer setzte, sondern auch mit Witz, Eloquenz und selbstdarstellerischem Talent durch das Programm führte. Als Moderator wahrte er die politische Neutralität, indem er die CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner als Deutsche Weinkönigin des Jahres 1995 interviewte. Mit dem Beatles-Oldie „Sergeant Pepper“ und einem Queen-Medley ließ der Männerchor nach der Pause aufhorchen, verlegte sich mit „Rawhide“ und „Gimme Some Lovin“ von den Blues Brothers aufs Country- und Westernfach, um dann – mit dem Fanschal um den Hals – einen grandiosen Schlussakkord zu setzen: Bei „You’ll Never Walk Alone“ und „We Will Rock You“ kamen Gänsehautgefühle auf. Bei der Zugabe ging’s zurück in die Pfälzer Heimat: „Warscht du ämol uf de Kalmit…“ Während diesmal kein Gastchor auftrat, kann sich die Fangemeinde des Männerchors im kommenden Jahr laut Willi Brausch auf die Mainzer Hofsänger freuen. (eec)