Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Minenjagdboote der Frankenthal-Klasse sorgen für Sicherheit auf den Seewegen

Imposante Erscheinung: das Minenjagdboot M1069 Homburg mit der Minenjagddrohne Seefuchs bei einer Nato-Übung.
Imposante Erscheinung: das Minenjagdboot M1069 Homburg mit der Minenjagddrohne Seefuchs bei einer Nato-Übung.

Frankenthal hat auch auf den Weltmeeren einen sehr guten Namen. Was jetzt vielleicht nicht zwingend an der Stadt zwischen Speyerer und Wormser Tor, sondern vielmehr an den Booten der Frankenthal-Klasse der Bundesmarine liegt. Die Minenjagdboote helfen, die internationalen Seewege sicher zu machen. Doch ihre Einsatzzeit neigt sich langsam aber sicher dem Ende entgegen. Zumindest in den Diensten der Bundesrepublik Deutschland.

Seit etwa 20, 25 Jahren sind die Boote der Frankenthal-Klasse in Dienst. Und damit ist auch ein Ende dieser Boote absehbar. „Die Klasse wird es nicht ewig geben“, sagt Fregattenkapitän Bastian Fischborn von der Pressestelle der Bundesmarine. Etwa 30 Jahre seien die Grenze. „Zum Ende des Jahrzehnts werden die Boote wohl rausgenommen“, sagt Fischborn. Dann machen die Boote Platz für die nächste Generation. Was aber nicht zwangsläufig heißt, dass die Schiffe verschrottet werden. Deutsche Technologie, die 30 oder 40 Jahre alt sei, finde im Ausland immer noch ihre Abnehmer. So hätten die tunesische und die ägyptische Marine noch alte deutsche Schnellboote in Dienst.

Zehn Boote der Frankenthal-Klasse sind derzeit noch im Einsatz. Ursprünglich waren es zwölf, darunter auch die „Frankenthal“. Doch sie und ein weiteres Boot sind mittlerweile außer Dienst gestellt worden. Alle zehn Boote gehören zum dritten Minenjagdgeschwader mit Heimat in Kiel. Dazu gehören etwa 800 Männer und Frauen an Bord, in Stab, Technik, Ausbildungszentrum und im Sanitätsdienst. „Sie sind die Augen unter Wasser der deutschen Marine“, erläutert Fischborn.

700 Tonnen schwer, 55 Meter lang

Nach außen hin sehen die Boote alle fast gleich aus. Sie sind 700 Tonnen schwer, 55 Meter lang und haben eine Besatzung von rund 45 Mann. Mehr als zehn Tage lang können sie ununterbrochen auf See bleiben. Danach müssen die Boote einen Hafen oder einen Tender, ein Versorgungsschiff, anfahren. Das Problem seien dabei weder Kraftstoff noch Trinkwasser, denn jedes Boot verfügt laut Fischborn über eine Entsalzungsanlage. „Das Problem sind die Nahrungsmittel. Nach zehn Tagen sind in der Regel die Vorräte aufgebraucht“, erzählt der Fregattenkapitän. Auftanken geht übrigens auch während der Fahrt. „Für einen Boxenstopp müssen die Boote der Frankenthal-Klasse nicht halten“, erklärt Fischborn.

Gebaut sind die Boote alle aus amagnetischem Stahl, also aus Besteckstahl. „Sie rosten nicht. Man sieht ihnen ihr Alter nicht an“, erklärt Bastian Fischborn. Die ausgezeichnete Optik sei aber nicht der Konstruktionszweck gewesen. Vielmehr wird durch die Konstruktion gewährleistet, dass die Boote keine magnetische Abstrahlung haben und so für Minen schwerer zu erfassen sind.

Beseitigung von „Altlasten“ im Baltikum

Womit man auch schon beim Zweck der Minenjagdboote ist. Diese können nämlich sowohl für die Beseitigung von Minen sorgen als auch Minen auslegen. Die Beseitigung erfolge beispielsweise im Baltikum, erläutert Fischborn. „Dort werden jährlich Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg beseitigt.“ Die Minen seien damals einfach ins Wasser geworfen worden. Heute würde die Position jeder Mine per GPS auf den Meter genau festgehalten werden.

Fünf der zehn Boote der Frankenthal-Klasse sind laut Bastian Fischborn reine Minenjagdboote. Sie sind darauf spezialisiert, mit ihrem Sonar unter Wasser nach Fremdkörpern zu suchen. Dabei stoßen sie neben Torpedos und Minen allerdings auch schon mal auf alte Fässer.

Drohnen und Taucher beseitigen Minen

Beim Beseitigen der Minen setzt die Marine auf Drohnen und Taucher. Die kabelgesteuerte Drohne Seefuchs liefert von unterhalb der Wasseroberfläche hochauflösende Bilder und hilft bei der Sprengung von Minen.

Zwei der Boote der Frankenthal-Klasse sind sogenannte Minentauchereinsatzboote. Hier kommen statt der Drohnen Minentaucher zum Einsatz. „Drohnen helfen nur, wenn die Sicht unter Wasser stimmt. Aber in den nordeuropäischen Gewässern gibt es viele Schwebeteilchen. In der Ostsee sehen Sie, anders als im Mittelmeer, ab einer Tiefe von fünf Metern nicht mehr viel“, erklärt Bastian Fischborn.

Dann kommen die Taucher zum Einsatz. „Sie sind darauf trainiert, in der Dunkelheit Objekte zu erkennen und zu klassifizieren“, sagt Fischborn. Minentaucher kommen außerdem da zum Einsatz, wo Drohnen an ihre Grenzen stoßen, also in flachen Gewässern oder in Häfen, um die Liegeplätze sicher zu machen.

Seehund-Boote imitieren andere Schiffe

Die restlichen drei Boote seien dem Namen nach Minenjagdboote, könnten also auch mit Drohnen oder Tauchern operieren. Sie haben aber auch die Möglichkeit, Seehund-Boote zu steuern. Diese sind 27 Meter lang und können die Geräuschsignaturen von anderen, größeren Schiffen imitieren und Minen so in die Irre führen und zur Explosion bringen. „Sie gaukeln der Mine vor, dass sie etwas anderes sind, etwa ein Tanker oder Frachter.“ Diese Simulationsboote kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn innerhalb kürzerer Zeit eine größere Fläche von Minen befreit werden muss.

„Wir wollen, dass wir die Seewege frei benutzen können“, nennt Bastian Fischborn die Aufgabe der Minenjagdboote im sicherheitspolitischen Gefüge. Und da gehe es vor allem auch um die Versorgung der Bevölkerung. „Wir mögen mit rund 16.000 Mann nur eine kleine Marine sein. Aus estnischer Sicht ist das aber immer noch riesig. Da sind wir zehnmal so groß“, erläutert der Fregattenkapitän.

Internationale Partner verlassen sich auf Bundesmarine

Das heißt: Die internationalen Partner zählen auch auf den Einsatz und die Leistungsfähigkeit der Marine. So beziehen neben den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen auch Polen, Schweden und Finnland viele Güter über den Seeweg. „Die Interessen gehen da über die Nato-Grenzen hinweg“, erläutert Fischborn. Die Ostsee sei dabei das verbindende Element. Und diese habe nun mal nur zwei Zugänge, die für größere Schiffe geeignet seien. Diese müsse man schützen.

Minen seien auch deshalb so gefährlich, weil sie relativ preisgünstig seien. „Man nennt die Mine auch die Waffe des armen Mannes“, erklärt Fischborn. Für 15.000 bis 20.000 US-Dollar sei so eine Mine schon zu haben auf dem internationalen Waffenmarkt. Na ja, zumindest die Bestandteile. „Im Prinzip ist es nur eine Sprengladung, verbunden mit einem Sensor und einer Hülle.“ Der Sensor könne einfach, aber auch etwas ausgefeilter sein. Dieser könne zum Beispiel so eingestellt werden, dass er nur auf das Geräusch von drei Schrauben reagiere. „Dann ist es auf jeden Fall ein Kriegsschiff.“

Die flache Ostsee sei dabei ein „formidables Gewässer“ für Minen. Die Ostsee habe eine mittlere Wassertiefe von 20 Metern. Die Mine liege nur auf dem Meeresgrund. „Sie wartet, will nicht essen, trinken, schlafen oder nach Hause.“ Die Zünder blieben teilweise jahrzehntelang gefährlich. Das zeige sich bei den Minen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, die man im Baltikum aus dem Meer fische.

Zwei Boote immer in Nato-Verbänden

„Ein großer Teil des Handels laufe über den Seeweg. Dadurch wird unser Wohlstand gesichert. Wir sind sehr vom Seeweg her abhängig“, betont Bastian Fischborn. Und deshalb ist es auch wichtig, dass die Seeleute der Bundesmarine nicht aus der Übung kommen. Zwei Boote der Frankenthal-Klasse sind immer in Nato-Verbänden und auf dem höchsten Ausbildungsstandard. Nach einem halben Jahr werden sie von zwei anderen Booten abgelöst. „Für das nächste Jahr sind entsprechend vier Boote im Training“, erklärt der Fregattenkapitän.

Die anderen beiden Boote seien in der Werft und werden überholt. Das kann allerdings vier bis sechs Monate dauern. Von der Besatzung bleibe ein Teil in der Werft an Bord, weil sie Spezialisten für ihre Anlagen seien. Der Rest habe Urlaub, sei auf Lehrgängen, in der Ausbildung, oder verrichte seinen Dienst auf einem anderen Boot.

Stapellauf der „Frankenthal“ am 6. Februar 1992

Doch wie kam die „Frankenthal“ eigentlich zu ihrem Namen? Da gebe es zwei Möglichkeiten, meint Bastian Fischborn. Entweder habe über die Marinekameradschaft vor Ort schon eine Patenschaft bestanden, und diese sei dann weitergetragen worden. Oder der Bürgermeister habe sich damals ans Ministerium gewandt, und dort sei dann die entsprechende Entscheidung getroffen worden. Ihren Stapellauf hatte die „Frankenthal“ am 6. Februar 1992, indienstgestellt wurde sie am 16. Dezember 1992. Und dass gleich die ganze Bootsklasse danach benannt wurde, hängt damit zusammen, dass die „Frankenthal“ das erste Boot ihrer Klasse war, das den Dienst aufnahm.

Auch Bastian Fischborn hat nach eigener Aussage schon auf einem dieser Boote gedient und wird das wohl auch bald noch mal tun. Da schließe sich dann der Kreis. „Natürlich entwickelt man eine gewisse Bindung. Aber man muss sich emotional davon lösen.“ Selbstverständlich sei es ein Ort, an dem man mit vielen Menschen viel Zeit verbracht habe. Am Ende sei es aber auch „nur“ eine Dienststelle. Und diese hilft immerhin noch ein paar Jahre lang, die Seewege sicherer zu machen.

Die neue Operationszentrale der „Grömitz“.
Die neue Operationszentrale der »Grömitz«.
Pflichtprogramm bei der Ausbildung: Ein Minentaucheranwärter prüft die Art und Größe des gefundenen Objekts.
Pflichtprogramm bei der Ausbildung: Ein Minentaucheranwärter prüft die Art und Größe des gefundenen Objekts.
Eine Grundmine wird gesprengt.
Eine Grundmine wird gesprengt.
Äußerlich unterscheiden sich die Boote, hier das Minentauchereinsatzboot „Rottweil“, kaum.
Äußerlich unterscheiden sich die Boote, hier das Minentauchereinsatzboot »Rottweil«, kaum.
Minenjagdboote in Formation.
Minenjagdboote in Formation.
Das Minenjagdboot M 1062 „Sulzbach-Rosenberg“ liegt einsatzbereit im Marinestützpunkt Kiel.
Das Minenjagdboot M 1062 »Sulzbach-Rosenberg« liegt einsatzbereit im Marinestützpunkt Kiel.
Das Minenjagdboot M 1059 „Weilheim“ bei einer Geschwaderübung zur Minensuche in der Ostsee.
Das Minenjagdboot M 1059 »Weilheim« bei einer Geschwaderübung zur Minensuche in der Ostsee.
Das Minenjagdboot „Homburg“ auf hoher See.
Das Minenjagdboot »Homburg« auf hoher See.
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