Frankenthal
Metzgerei Kaltenborn und Meyer’s Café: Abschied und Neubeginn in Frankenthal
Die Stimmungslagen der Gäste könnten derzeit nicht unterschiedlicher sein. An zwei Adressen in der Bahnhofstraße in Frankenthal gehen sie meilenweit auseinander: Zum einen Aufbruch und Neubeginn in der Nummer 6, wo jetzt Meyer’s Café beheimatet ist. Zum anderen Abschied und Ende einer Ära in der Nummer 16, wo die Metzgerei Kaltenborn ansässig ist. Noch. Die Metzgerei, die ihren Stammsitz in Worms hat, schließt ihre Frankenthaler Filiale im März nächsten Jahres.
Das Aus, das Inhaber Paul-Stephan Günther der RHEINPFALZ in dieser Woche bestätigt hat, beschäftigt die Menschen. Ob in den sozialen Medien, ob auf der Straße oder auch in E-Mails an die Redaktion – es ist ein großes Thema. Auch der Tradition wegen. Seit mehr als drei Jahrzehnten gibt es die Filiale in der Stadt. „Sehr schade für Frankenthal“, schreibt zum Beispiel Fritz Hellfarth der RHEINPFALZ mit Blick auf die Schließung im kommenden Jahr. Der Frankenthaler, der seit Jahren Kunde ist, hatte die Inhaberfamilie der Metzgerei angeschrieben und darum gebeten, ihre Entscheidung zu überdenken und den Betrieb weiterzuführen: „Bitte lassen Sie uns Kunden nicht ohne ihr Essen einfach auf der Straße zurück.“
Kunde wollte sogar Unterschriften sammeln
Hellfahrt war auch bereit, Unterschriften zu sammeln und für den Erhalt der Filiale zu kämpfen. Auf sein Schreiben bekam er rasch eine Antwort der Familie Günther. Aber nicht die, die er gerne gehört hätte. Die Entscheidung, die Filiale zu schließen, steht fest. Unwiderruflich. Schließlich habe man sich die Entscheidung auch nicht leicht gemacht, wie die Günthers mitteilen. Bitter für Fritz Hellfahrt, aber auch für andere Frankenthaler, die regelmäßig in der Metzgerei zu Mittag essen. „Was ein Jammer“, klagt eine Frau auf Facebook, die offenbar häufig den Mittagstisch nutzt. Ein Mann schreibt: „Damit endet wieder ein Stückchen Tradition.“
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Volles Haus bei Meyer’s
Derweil geben sich die Frankenthaler in Meyer’s Café aktuell Gabel, Tasse und Messer in die Hand. Seit Mittwoch ist der neue Gastrobetrieb in der Bahnhofstraße geöffnet. Susanne Brüggemann und Tochter Tanja Karaim füllen den Standort wieder mit Leben. Und es scheint so, als ob die Frankenthaler es kaum erwarten konnten, dass sich im einstigen Café Solino, das seit Mitte Mai leer stand, etwas tut.
Die Neugierde ist jedenfalls groß. Am Mittwochnachmittag war in Meyer’s Café kaum ein Platz zu bekommen. Alles war voll. In den sozialen Medien tauschen sich die Gäste auch schon fleißig darüber aus, wie Kuchen und Torten schmecken und ob die Preise dafür angemessen sind.
Oberbürgermeister ruft zu Gelassenheit auf
Auch Frankenthals Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) – der rein zufällig denselben Namen trägt wie das Café – hat sich als Wirtschaftsdezernent an der Diskussion beteiligt und zu mehr Gelassenheit und Verständnis aufgerufen. „Bei der Preisgestaltung eines Cafés spielen viele Faktoren eine Rolle: gestiegene Energie- und Rohstoffkosten, faire Löhne für Mitarbeitende, Mieten, Abgaben – aber auch die Qualität der Zutaten und die Lieferlogistik“, kommentiert Meyer einen Facebook-Post zur Neueröffnung.
Gerade Cafés zeichneten sich durch eine besondere Verweilzeit aus, betont der Oberbürgermeister: „Wer sich dort bei Kaffee und Kuchen eine Stunde oder länger wohlfühlt, trägt selbstverständlich anders zum Umsatz bei als jemand, der in kurzer Zeit eine Mahlzeit in einem Restaurant oder Schnell-Bistro konsumiert.“