Frankenthal „Meine Domäne ist die Romantik“

So jung er ist, Tristan Meister hat bereits einige Auszeichnungen vorzuweisen.
So jung er ist, Tristan Meister hat bereits einige Auszeichnungen vorzuweisen.

Der Ludwigshafener Beethovenchor hat einen neuen Dirigenten. Tristan Meister hat die Nachfolge des im Januar vergangenen Jahres unerwartet verstorbenen Klaus Arp angetreten, eines der Lehrer Tristan Meisters an der Mannheimer Musikhochschule. Mit ihm steht jetzt ein junger Musiker mit Elan und Tatendrang an der Spitze des traditionsreichen Chors, und zugleich einer mit bereits viel Erfahrung, der auch schon bedeutende Erfolge vorweisen kann.

Der 1989 im mittelhessischen Ellar geborene Dirigent hat unter anderem die Baden-Badener Philharmoniker und das Ensemble für Neue Musik Incontro geleitet. Zudem wirkte er oft bei Einstudierungen großer Chor-Orchesterwerke unter namhaften Dirigenten in wichtigen Musikzentren mit, so etwa beim Schleswig-Holstein-Festival. An der Heidelberger Universität arbeitet Tristan Meister als Assistent von Universitätsmusikdirektor Michael Sekulla. Überdies hat er mehrere Chöre gegründet, etwa den Kammerchor Vox Quadrata mit semiprofessionellen Sängern aus der Rhein-Neckar-Region und die Vocapella Limburg. Mit diesem jungen, bereits mehrfach preisgekrönten Ensemble produziert er regelmäßig CD-Aufnahmen. Die Liebesgeschichte zwischen Tristan Meister und dem Chorgesang begann schon im frühen Kindesalter. Von seinem siebten Lebensjahr an sang er bei den Limburger Domsingknaben, und der Zehnjährige war schon an einer Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium beteiligt. „Das war eine sehr gute Grundlage, die ich nicht missen möchte“, sagt der Dirigent. Seine professionelle Ausbildung absolvierte Tristan Meister dann an den Hochschulen in Köln und Mannheim. Dort studierte er bei Georg Grün, Harald Jers und Frieder Bernius sowie Orchesterdirigieren bei Klaus Arp. Grün, Arp und der gebürtige Ludwigshafener Frieder Bernius, international hoch angesehener Leiter des Stuttgarter Kammerchors, waren seine entscheidenden Lehrer und Mentoren. „Von den Probenbesuchen bei Bernius habe ich enorm profitiert“, erzählt Tristan Meister. „Zudem ist er auch heute zu jeder Zeit bereit zur Beratung.“ Nach seinen musikalischen Präferenzen und Repertoire-Schwerpunkten befragt, antwortet der Dirigent: „Von Haus aus bin ich Romantiker, die Romantik ist meine Domäne.“ Offenbar einschließlich der Spätromantik, denn im Herbst wird seine zyklische CD-Aufnahme von sämtlichen A-cappella-Männerchören Max Regers mit der Vocapella Limburg abgeschlossen: die erste Gesamteinspielung dieser Werke überhaupt. Mit dem Beethovenchor hat Meister viele, zum Teil auch innovatorische Pläne. Als nächste Projekte stehen Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ mit der Kammerphilharmonie Mannheim (unter Einsatz historischer Blechblasinstrumente) im Pfalzbau und im nächsten Jahr Brahms’ Liebesliederwalzer in der Friedenskirche an. Die Sterne scheinen günstig zu stehen für den Beethovenchor. Das zeigte sich schon beim ausgezeichneten Beitrag der Damenabteilung mit Mendelssohns „Sommernachtstraum-Musik“ der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in der vergangenen Saison. Meister sieht den Chor auch in der Lage, Werke des großen oratorischen Repertoires aufzuführen wie etwa ,Die Schöpfung’ – dank der kontinuierlichen Förderung durch die Stadt Ludwigshafen. „Woraus sich für uns allerdings auch die Verpflichtung ergibt, uns neuen Sängern gegenüber und für alle Arten von Musik zu öffnen.“ Dazu gehört auch das Interesse an „neuen Erfahrungen, an der Erweiterung der stilistischen und künstlerischen Grenzen“. Ob in diesem Zusammenhang auch ein Opernprojekt irgendwann denkbar wäre? „Außerhalb des Standardrepertoires und in konzertanter Form bestimmt“, sagt der Dirigent. „Mit Schuberts eklatant unterschätztem Bühnenschaffen, speziell seinem ,Fierrabras`, würde ich mich mit größter Freude auseinandersetzen. “ Der Chor ist ständig auf der Suche nach Nachwuchs. „Neue Sängerinnen und Sänger sind jederzeit willkommen. Jeder kann mitsingen. Im Vordergrund steht die Freude, gemeinsam gute Musik zu machen“, lautet Meisters ermutigende Einladung. 20 Interessenten haben bisher an offenen Proben teilgenommen. Der Großteil von ihnen wird mitsingen bei der „Schöpfung“. Meisters Wunsch ist „ein Chor, der den Menschen in Ludwigshafen und Umgebung aufgeschlossen gegenübersteht“. Termine Haydns „Schöpfung“ am 19. November im Pfalzbau; Brahms’ Liebesliederwalzer am 15. April 2018 in der Friedenskirche.

x