Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Marktschätze: Felskes flüssiges Gold

Fachsimpelt gerne mit seinen Kunden: Waldemar Felske mit seinem Honigstand auf dem Wochenmarkt.
Fachsimpelt gerne mit seinen Kunden: Waldemar Felske mit seinem Honigstand auf dem Wochenmarkt.

Nur, wenn die Bienen schwärmen, fehlt Waldemar Felske mit seinem Honigstand auf dem Wochenmarkt. Der gebürtige Usbeke hat das Imkern aus seinem zentralasiatischen Vaterland mitgebracht. Und pflegt es als Hobby in der Pfalz weiter, als ein Stück seiner alten Heimat.

Wie viele seiner Landsleute musste sich Felske in der kommunistischen Misswirtschaft mit Selbstversorgung über Wasser halten. Also eignete sich der Industriemechaniker in jungen Jahren Wissen über die Imkerei an. Und produzierte Honig aus dem Nektar der großen Baumwollfelder vor den Toren seiner Heimatstadt Ferghana. Der vitaminreiche Baumwollblütenhonig sei ein Exportschlager der Sowjetregierung gewesen und brachte in Japan Devisen, erinnert sich Felske. Gelegentlich fuhr er seine Bienenstöcke ins benachbarte Hochgebirge von Kirgisistan, wo seine schwarz-gelb gestreiften Arbeiterinnen Nektar von Heilkräutern sammelten.

1989 siedelte der Russlanddeutsche zusammen mit seiner Frau Olga um nach Speyer, wo bereits Verwandte wohnten. Er arbeitete auf dem Bau und bekämpfte das Heimweh mit Imkern. Das Hobby half Felske, in der Vorderpfalz – und im örtlichen Imkerverein – heimisch zu werden. „Imkern ist die Nationalität egal, die Bienen vereinen uns“, sagt er. Wobei sich die Arbeitsabläufe im deutschen Industrieland von denen in Usbekistan unterscheiden. „Daheim hat man damals nur in Handarbeit geimkert. Und den fertigen Honig einfach in die Sonne gestellt, damit das Wasser verdunstet.“ Bei den Speyerer Kollegen lernte Felske, dass der Anteil des Wassers per digitalem Refraktometer ermittelt wird. Und dass das flüssige Gold mit elektrisch angetriebener Zentrifuge statt mit Handkurbel geschleudert wird.

Deutscher Honigkonsum weltweit Spitze

Felske selbst ist sein bester Kunde, pro Woche leert er ein Glas mit 500 Gramm Honig, und liegt damit weit über dem Durchschnittsverbrauch. Ein Kilogramm des süßen Bienenproduktes isst jeder Deutscher im Jahr, Weltspitze. Felskes Klientel auf dem Rathausplatz ist wissbegierig. Es gibt Kunden, die das an Nährstoffen, Spurenelementen, Vitaminen und Mineralstoffen reiche Superfood in der Küche verwenden möchten. Für sie hat der Fachmann Tipps wie Blütenpollen im Joghurt und Kastanienhonig als Gewürz in der Suppe, wobei die Sommerernte bei Kastanien in diesem Jahr sehr rar ausgefallen ist. „Die lange Trockenheit hat besonders die Kastanienbäume getroffen“, erklärt er. Für die Salatsoße empfiehlt der 66-Jährige ein Löffelchen Honig. Wer sie mild mag, der ist mit Sorten aus Akazie und Raps gut beraten. Würzig hingegen sind die dunkleren Tannen- und Waldhonige.

Aufwendiges Hobby

Kunden, die selber Lust haben auf die Imkerei, verheimlicht er nicht, dass es ein aufwendiges Hobby ist. Man müsse die Sprache der Bienen zu verstehen. Wenn ein Volk seine Königin verliert, kann es der Experte am Summen erkennen. Die Hauptschwarmzeit im Mai und Juni ist heikel, weshalb Felske dann an manchen Markttagen nicht nach Frankenthal kommt. Denn wenn eine alte Bienenkönigin ihrer Nachfolgerin Platz macht und mit ihrem Gefolge auszieht, hat der ausgeflogene Schwarm wenig Überlebenschancen. Es gilt also, das Schwärmen zu verhindern – zum Beispiel durch Erweiterung der Bienenstöcke. Jetzt im Herbst wird es langsam ruhig, die Völker halten bald Winterruhe. Felske bereitet in dieser Zeit alles für die kommende Saison vor: Er reinigt die Kästen und Rahmen, schmilzt alte Waben aus und kontrolliert die Fluglöcher auf Schäden. Außerdem prüft er, ob genug Honig da ist oder nachgefüttert werden muss, etwa mit Sirup- und Zuckerwasser.

Wenn es im Frühjahr wieder blüht, gehen Felskes Bienen auf Pollenjagd. Damit beginnt für den Hobbyimker die Zeit der Wanderschaft, er karrt seine Bienenkästen in den Schwarzwald, Pfälzer Wald und in den Odenwald. Wo die besten Plätze sind, bleibt sein Geheimnis. Das habe auch mit der Verantwortung gegenüber seinen Bienen zu tun. Denn wenn jemand Bienenstöcke in der Nähe aufstellt, die von Varroamilben befallen sind, können sich seine Tiere anstecken. Diese aus Asien eingeschleppte Milbe wird von Experten zum großen Teil für das Bienensterben der vergangenen Jahrzehnte verantwortlich gemacht.

Serie

Der Frankenthaler Wochenmarkt hat eine Tradition, die sage und schreibe 450 Jahre alt ist: 1572, also fünf Jahre vor der Verleihung der Stadtrechte, gestattete Kurfürst Friedrich III. der Gemeinde, einen Wochenmarkt abzuhalten. Heute bieten rund 40 Händler ihre Ware feil, sie kommen aus der Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und der französischen Region Grand Est. In loser Folge stellen wir ausgewählte saisonale Marktschätze und ihre Verkäufer vor.

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