Frankenthal „Man begegnet tollen Talenten“

Hat mit 13 Jahren die Gitarre entdeckt: Peter Bernstein.
Hat mit 13 Jahren die Gitarre entdeckt: Peter Bernstein.
Herr Bernstein, niemand fängt gleich als Jazz-Gitarrist an, und das war auch bei Ihnen so. Ihr erstes Instrument war das Piano, richtig?

Genau. Ich war acht oder neun, als ich begann, Musik zu machen. Ab da habe ich auch Klavierstunden bekommen. Ich lernte ein paar klassische Stücke und habe ein bisschen improvisiert. Meine erste musikalische Liebe galt dem Ragtime. Mitte der 70er-Jahre war das angesagt. Jeder hat Scott Joplins „The Entertainer“ gespielt. Dem Piano bin ich immer treu geblieben, aber mit zwölf oder 13 Jahren habe ich dann auch die Gitarre entdeckt. Was hat Ihnen an der Gitarre gefallen? Ich habe ein paar Kinder an der Schule damit gesehen und fand das richtig cool. Es sah nach viel Spaß aus. Und meine Eltern haben auch viel Beatles gehört. Also habe ich ein paar Akkorde gelernt und mit Rock’n’Roll und Blues angefangen. Jimi Hendrix fand ich toll und Jimmy Page. Die haben sich auf den Blues bezogen und deshalb habe ich BB King und Albert King angehört. Von da kam ich zu Django Reinhardt und Wes Montgomery und Charlie Christian. So entdeckte ich die weite Welt des Jazz und begann, mich auch für Bläser zu interessieren. Haben Sie dann Unterricht im Jazz genommen? Ja. Ich wollte mehr Akkorde lernen und mein Wissen erweitern. Ich ging zuerst zu Woody Man, den man eigentlich als Fingerstyle Gitarristen kennt. Aber der wusste auch viel. Er ließ mich viele Solos nachsingen, damit ich sie ins Ohr bekam. Auf dem Klavier ist es doch viel leichter, Jazz-Akkorde zu spielen. Warum sind sie nicht dabei geblieben? Da haben Sie recht. Auf dem Klavier liegen alle Töne vor einem und man kann sein eigenes Orchester sein. Bei der Gitarre ist das komplizierter. Man muss dafür verstehen, wie Musik funktioniert. Auf dem Klavier hat man die Akkorde direkt vor sich und sieht, wie sie zusammenhängen. Deshalb ist die Gitarre eine Herausforderung – man muss wissen, was man spielt, und was man weglässt. Man ist gezwungen, zu reduzieren. Dafür muss man auch verstehen, wie Akkordfolgen geführt werden, um die Illusion zu erwecken, dass da viel mehr passiert. Beim Piano kann man einfach alle Stimmen spielen, aber das ist auch eine Falle. Zu den Jazztagen nach Frankenthal kommen Sie mit Pianist Martin Sasse. Wie haben Sie sich kennengelernt? Es ist schon über zehn Jahre her, dass wir uns mal bei einem Festival getroffen haben – jeder war mit einer anderen Gruppe dort. Da haben wir einfach mal zusammen spielen wollen. So ergab sich, dass wir Aufnahmen gemacht und uns gegenseitig unterstützt haben. Das hat viel Spaß gemacht, weshalb wir später auch zusammen getourt haben. Sind Sie auch öfter zusammen in Deutschland unterwegs? Das ist unterschiedlich, ich bin auch mit eigenen Projekten hier. Sie geben auch einen Workshop in Frankenthal. Ist das nur ein Nebenverdienst, oder fühlen Sie sich zum Lehrer berufen? Klar ist das auch ein Weg, Geld zu verdienen. Ein Gig alleine bringt nicht immer genug ein, und wenn ich für Konzert plus Workshop angefragt werde, mache ich das gerne. Aber es steckt mehr dahinter: Ich habe selbst viel von Leuten wie Ted Dunbar, Jim Hall und Attila Zoller gelernt. Und nicht nur von Gitarristen. Es bringt auch viel, dass da Musiker zusammenkommen. Man lernt sich kennen, knüpft Kontakte. Wenn ich die Rolle eines Lehrers übernehmen soll, von dem Schüler etwas lernen und bei dem sie sich treffen, dann mache ich das gerne. Oft genug muss ich da nichts Neues erfinden. Die Leute sind ganz froh, wenn ich sage „Jim Hall hat mir dies gezeigt und das ...“ Ich habe viel von anderen großen Musikern profitiert, dass ich mich verpflichtet fühle, davon etwas weiter zu geben. Es gibt dennoch gute Musiker, die nicht gern unterrichten. Ja, manche fühlen sich damit unwohl. Vielleicht weil sie denken, sie müssten alles wissen und können. Ich sehe mich nicht so. Man begegnet tollen Talenten, und was uns unterscheidet, ist, dass ich viel mehr Erfahrung habe. Aber ich lerne auch von Schülern. Manche geben mir Funken der Inspiration, die in mir etwas auslösen, mich auf neue Ideen bringen. Das macht mir dann viel Spaß. Was werden Sie beim Konzert in Frankenthal spielen? Martin und ich haben uns länger nicht gesehen, deshalb haben wir Stücke eingeplant, die wir früher schon gespielt haben. Aber es gibt auch neue Sachen. Martin hat sie mir vor ein paar Wochen geschickt und ich habe sie mir angesehen. Wir kennen uns ja schon lange und ich weiß, dass er Sachen mag, die swingen und über die man gut improvisieren kann. Termine —Workshop Improvisation für alle Instrumente: Samstag, 10. November, 11 bis 15 Uhr, Kulturzentrum Gleis 4, Johann-Klein-Straße 22. Es sind noch wenige Plätze frei. Kosten: 35 Euro, ermäßigt 25 Euro. Anmeldung unter www.jazztage.net. —Konzert: Martin Sasse Trio feat. Peter Bernstein, Samstag, 10. November, 20 Uhr, ebenfalls im Kulturzentrum Gleis 4. | Interview: Gereon Hoffmann

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