Frankenthal
Mülltrennung: Frankenthaler haben’s drauf
Mit 172 Kilogramm Grünschnitt pro Einwohner erreichte die Stadt im Jahr 2019 einen Spitzenwert. Zum Vergleich: In Neustadt waren es lediglich 62 Kilogramm, in Ludwigshafen 49 Kilogramm. Dass Frankenthal darüber hinaus beim Restabfall neben Neustadt die geringsten Mengen aufweist, führte Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) bei der Beratung des Abfallwirtschaftskonzepts am Montag im Betriebsausschuss in erster Linie darauf zurück, dass von den Bürgern sehr bewusst getrennt werde.
Das Restmüllaufkommen hat sich seit der flächendeckenden Einführung der Biotonne in Frankenthal sehr stark reduziert und lag 2019 bei 134 Kilogramm pro Einwohner (in Ludwigshafen 194 Kilogramm, in Worms 199 Kilogramm). Allerdings landen noch immer 25 Prozent aller Abfälle in der grauen Tonne, während der Bio-Anteil lediglich zehn Prozent der Gesamtmenge ausmacht. Damit liegt Frankenthal mit rund 55 Kilogramm pro Einwohner und Jahr im unteren Bereich. Die Vergleichszahlen für Pirmasens bewegen sich bei 113, für Speyer bei 77 Kilogramm. Addiert man indessen die Bio- und Grünabfälle, ergibt sich für Frankenthal für die separat erfassten organischen Abfälle mit 226 Kilogramm pro Einwohner und Jahr der höchste Wert im Vergleich zu den anderen Kommunen.
Mehr Amazon, weniger Zeitung
Noch „Trennungspotenzial“ sieht Bürgermeister Knöppel beim Sperrabfall, der ebenso wie Papier, Pappe und Kartonagen (PPK) im unteren Drittel angesiedelt ist. Während bei PPK gewichtsmäßig ein kontinuierlicher Rückgang – 2020 um elf Prozent – zu beobachten ist, steigt das Volumen stetig an. „Es wird weniger Zeitung gelesen und mehr bei Amazon bestellt“, merkte EWF-Betriebsleiterin Astrid Anders an. In der Corona-Pandemie hat sich auch in Frankenthal das Verpackungsaufkommen (einschließlich Plastik) signifikant erhöht.
Höchste Priorität habe die Abfallvermeidung, betonte Knöppel. Das Konzept sehe für die kommenden fünf Jahre vor, durch gezielte Aufklärungskampagnen die Bürger zu sensibilisieren, ihr Konsumverhalten zu überdenken. Angesetzt werde dabei bereits in Kindergärten und Schulen. Außerdem soll erreicht werden, dass Abfälle nicht einfach im öffentlichen Raum entsorgt würden. Daneben gelte es, die Fremdstoffe im Biomüll zu reduzieren und ein stärkeres Augenmerk auf das im Restabfall landende Altpapier zu richten.
Ecovio-Beutel „heikles Thema“
Die Kampagne „#wirfuerbio“ gefalle ihr sehr gut, erklärte Anne Gauch (Grüne/Offene Liste). Durch den Verzicht auf Plastik werde allerdings der Anteil an Altpapier in der Biotonne erhöht. Sie regte an, wegen der Plastikbeutel mit den Betreibern der Einkaufsmärkte zu reden. Auch sollte geprüft werden, ob für die getrennt gesammelten Kunststoffe weitere Abnahmestellen eingerichtet werden könnten.
Es sei wichtig, in dem Konzept die Abfallproblematik transparent darzustellen und das Umweltbewusstsein deutlich hervorzuheben, unterstrich Adolf-José König (SPD). Die Strategiekommission habe bereits 2017 hierfür die Weichen gestellt. Als „heikles Thema“ sprach Martin Svoboda (CDU) die Plastiktüten im Biomüll an. Er plädierte dafür, die Ecovio-Beutel, ein „Hochleistungsprodukt der BASF“, weiter verwenden zu dürfen.