Frankenthal
Müller-Steinbach und Merger überzeugen mit Konzert in der Versöhnungskirche
Dass das Konzert unter strengen Corona-Bedingungen stattfand, verstand sich von selbst. Zu denen gehörten die Mund-Nasen-Schutzmasken der Zuhörer in der Kirche, und die Dauer des Programms blieb – einschließlich der kurzen Zugabe – auf wenige Minuten mehr als eine Stunde beschränkt.Zu erleben war in dieser knappen Zeit klassisch-romantische Kammermusik von imponierend hohem Qualitätsanspruch. Die beiden miteinander bestens harmonierenden Spieler standen für akribisch ausgefeilte, stilistisch durchweg einleuchtende Wiedergaben ein. So entfaltete Schumanns späte a-Moll-Sonate (op. 105) diesmal ihre ganze romantische Emphase, ihren vorwärts drängenden Impuls. Dem Aufruhr der Gefühle blieben Merger und Müller-Steinbach bestimmt nichts schuldig. Auch hatten sie im ersten Satz Schumann buchstäblich beim Wort genommen, dessen Vortragsangabe „Mit leidenschaftlichem Ausdruck“ lautet.
Außerdem standen kammermusikalische Kultur und Feinschliff durchweg groß geschrieben an diesem Abend, an dem es auch sehr lebendig, wo es darauf ankam sogar ausgesprochen beschwingt, zuging. Dies besonders im Stück, das auf das Schumann’sche Spätwerk folgte: Beethovens op. 12/1 in D-Dur, seinem ersten Beitrag zur Gattung Violin-Klaviersonate aus der frühen Schaffensperiode des Komponisten.
Ihm kamen sehr zugute die expressive Phrasierung der beiden Musiker, ihre präzise Artikulation, die die Musik singen und sprechen ließ und den musikalischen Gestalten plastisches Profil verliehen hat. Was übrigens zuvor für Schumanns Sonate und anschließend für Felix Draesekes „Szene für Violine mit Klavierbegleitung“ ebenfalls galt, bei der die Kontraste der wechselnden Stimmungsbilder sich stets eindringlich mitteilten.
Nicht zu vergessen: Die beiden Spieler erwiesen sich als überlegene Instrumentalisten, wobei Mergers geschmeidiger, schlackenfreier Geigenton und Müller-Steinbachs Anschlagskünste immer wieder musikalisch erfüllte Momente bewirkten. Bekanntlich ist es der Ton, der die Musik macht.
Als kurze Zugabe erklang noch ein Stück von Draeseke, für Violine und Klavier bearbeitet durch Müller-Steinbach, der sich für den Spätromantiker mit Nachdruck einsetzt.
Vorsichtige Anmerkung schließlich: Bei Schumann und Beethoven hat der Klavierpart die Geigenstimme an einigen Stellen leicht übertönt.